— 34—
Prinz Saloninus, den der Kaiser bereits zum Nachfolger bestimmt hatte, sein Leben verlor 174). Postumus regierte zehn Jahre, in welchen Gallien sich erholte, indem er die Angriffe der Deut- schen zurückhielt und sogar Städte und Feste in Feindesland erbaute. Auch Gallienus, der ihn, wie es scheint, zweimal bekriegte, wurde zurückgeschlagen; und gegen die Feldherren, welche Gallienus gegen ihn schickte, behauptete sich Postumus. Doch später erhob sich gegen ihn, weil er zu strenge war, Lucius Aelianus(oder Lælianus) 17⁵), der in Mainz seine Stütze fand; er wurde bald von Postumus besiegt; da dieser aber seinen beutelustigen Soldaten nicht erlaubte Mainz zu plündern, wurde er von den Soldaten— ohne Zweifel in der Nähe unserer Stadt— erschlagen, indem sie besonders von einem gewissen Lollianus dazu gereizt waren(268). Mit ihm starb sein Sohn, der jüngere Postumus, den er schon zum Mitregenten ernannt hatte. So wurde Postumus, wie ein Geschichtschreiber sagt, von den Galliern„nach ihrer gewöhnlichen Neuerungssucht ge- tödtet“¹176).
Lollianus scheint nur kurze Zeit regiert zu haben 177), da von ihm nur berichtet wird, dass er die Deutschen, welche auf die Nachricht von Postumus' Tod sogleich einfielen und die von jenem erbauten Städte und Feste zerstörten und verbrannten, schnell zurückgetrieben und die ver- wüsteten Plätze wiederhergestellt habe. Auch er wurde, weil er die Soldaten allzu strenge zur Arbeit anhielt, von ihnen getödtet.
Nach Lollianus wurde Kaiser am Rhein, wahrscheinlich in Mainz, ein früherer Waffenschmied, mit Namen Gaius Marcus Aurelius Marius, ein tapferer Mann, der durch alle Stufen des Kriegsdienstes sich bis zum Kaiserthron emporschwang. Er soll nur drei Tage regiert haben, indem ein Soldat, der früher in seiner Werkstätte gearbeitet hatte, ihn tödtete, weil er ihn verächtlich behandelte, indem er sagte: Dies ist das Schwert, das du selbst verfertigt hast 178).»
Nach ihm oder schon zu gleicher Zeit(269) regierte Marcus Piaonius Victorinus ¹7⁹), ein tüchtiger Regent, indem er mit den besten Kaisern, wie Traianus, Antoninus u. a., verglichen wird, aber ausschweifend und wollüstig; besonders gab er sich gern mit den Frauen seiner Sol- daten und Untergebenen ab. Diess brachte ihm auch den Tod, indem der Actuar ¹8⁰) Attilianus, den er auf dieselbe Art verletzt hatte, ihn im dritten Jahre seiner Regierung tödtete.
Seine Mutter Aurelia Victorina hatte einen bedeutenden Einfluss auf die Soldaten und warde, wie auch oft andere Kaiserinnen, mater castrorum,„Lagermutter“, genannt. Sie bewirkte zwar,
174) Trebell. trig. tyr. 3.
175) Die Münzen haben Laelianus, indem kein Punkt zwischen den zwei ersten Buchstaben erkannt wird.
176) Zonaras XII, 24. erzählt:„Postumus habe, während Saloninus in Köln bei dem Statthalter Albanus gewesen, den Uebergang der Deutschen am Rheine bemerkt, sie aber auf der Rückkehr angegriffen, die Beute ihnen abgenommen und sie unter die Soldaten sogleich vertheilt; da nun Albanus verlangte, dass die Beute ihm und dem Saloninus zugestellt würde, so seien die Soldaten vor Kölns Mauern gerückt und Postumus habe beide, die von den Bürgern überliefert wurden, getödtet. Nach Zosim. I, 38 rückte Postumus sogleich bei seinem Abfall vor Köln und zwang die Einwohner, den Saloninus ihm zu übergeben.
177) Diesen Kaiser erwähnt nur Trebellius 5, und er kommt auch auf keinen Münzen vor, daher Manche ihn mit dem eben erwähnten L. Aelianus für gleich halten.
178) Da es Münzen von ihm gibt, scheint er länger regiert zu haben, vielleicht im westlichen Gallien und in Britannien. Von seiner Stärke, namentlich der Kraft seiner Finger, wird Unglaubliches erzühlt. Mit seinem Zeigefinger hielt er Transportwägen im Laufe auf; mit einem Fingerschlage verursachte er die grössten Schmer- zen; viele Körper zermalmte er zwischen den Fingern. Auch ein Theil einer Rede an das Volk ist noch übrig, worin er viel von seinem Handwerk und der Macht des Eisens spricht.
179) Ueber die Reihenfolge und Regierungszeit dieser Fürsten sind die Geschichtschreiber nicht einig, Bernhardt: Geschichte Roms von Valerian etc.(1867, S. 291 ff) hat noch keine festen Resultate ermittelt, wie Düntzer Bonner Jahrb. XLIII, S. 212 ff. gezeigt hat.
180) Actuarii hiessen die Getraideaufscher beim Heere, also etwa Kriegscommissäre. Aur. Vict. IV. 33.


