Aufsatz 
Das römische Mainz
Entstehung
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ara vom Jahre 231, worauf zwei Bürger von Sumelocenne(Rottenburg in Württemberg), welche hier in Mainz decuriones(Bürgervorstände) und quæstores(Kassier), wahrscheinlich eines Vereines dahier, den guten Erfolg der Reiter der XXII. Legion feiern 163). Und endlich eine ara vom Jahre 234, dem genius einer centuria geweiht 164).

Um diese Zeit scheint Gaius Cæsonius Macer Rufinianus Legat in Obergermanien gewesen zu sein, da er auch als Begleiter des Kaisers Severus Alexander genannt wird ¹6s).

26. Mit dem Anfange des dritten Jahrhunderts mehren sich die Einfälle der Deutschen. Die Schriftsteller, welche die desshalb entstandenen Kämpfe erwähnen, sind mit der näheren Orts-

bestimmung oft sehr ungenau. Man kann aber mit Gewissheit annehmen, dass, wenn die Kaiser

oder Feldherren einen Kampf mit den Chatten oder Sueven zu bestehen haben, Mainz der Ort ist, von wo aus die Römer den Feldzug begannen; auch bei einem Kampfe gegen die Alemannen ist Mainz der Ausgangspunkt, wenn nicht Anderes ausdrücklich erwähnt wird. Der erste bedeu- tende Einfall der Deutschen brachte dem römischen Reiche ein grosses Unglück. Nachdem der Kaiser Severus Alexander die Parther besiegt hatte, wurde ihm gemeldet:dass die Germanen über den Rhein und die Donau gegangen seien und grosse Verheerungen im römischen Reiche anrichteten. Da eilte der Kaiser mit seiner Mutter Mammæa an den Rhein, ohne Zweifel nach Mainz, wo die Zurüstungen zum Kriege gemacht wurden; er liess eine Schiffbrücke bauen ¹66), um den Uebergang zu erleichtern. Inzwischen scheint der Kaiser, der immer den Frieden dem Kriege vorzog, mit den Deutschen in Unterhandlung getreten zu sein, was mit die Veranlassung war, dass er und seine Mutter, auf Anstiften eines rohen Barbaren, des sofortigen Kaisers Maxi- minus(234), ermordet wurden. Die Ermordung geschah in dem Lager der Britanni(auch vicus Britannorum genannt) bei dem Dorfe Sicila, worunter die bei Mainz liegenden Dörfer Bretzenheim und Zahlbach zu verstehen sind 167). Wenn weiter erzählt wird, dass dem ermordeten Kaiser ein Kenotaph in Gallien errichtet wurde 1⁶7), so kann man dieses allerdings zunächst in Mainz suchen; mit Unrecht sieht Lehne dasselbe in früheren Ueberresten oberhalb Zahlbach, wovon oben schon gesprochen wurde ¹s).

Während nun der neue Kaiser Maximinus von hier aus gegen Severus' Verwandte und Freunde wüthete, wurde die Schiffbrücke vollendet. Er war schon im Begriff über die Brücke zu gehen, als eine Verschwörung wegen seiner Grausamkeit sich bildete, welche im Sinne hatte, die Brücke, wenn der Kaiser übergeschritten sei, abzubrechen, damit er in Feindesland umkomme,denn über den gewaltigen Strom, mit seinem breiten und tiefen Bett, war an kein Uebersetzen zu denken, wenn die Brücke abgebrochen war, da auch keine Fahrzeuge am feindlichen Ufer sich befanden. Doch die Sache wurde entdeckt und gab dem barbarischen Kaiser neue Gelegenheit zu vielfachen Mordthaten. Das Heer fiel nun in Deutschland ein, schlug mehrfach die Feinde, wobei der Kaiser selbst Wunder der Tapferkeit verrichtete; weithin wurde Alles verwüstet und niedergebrannt, und

163) Im J. 1857 im Kästrich gefunden, und nun im Museum. Zeitschr. II. N. 159; Br. 1034.

164) Gefunden 1804 im Kästrich, und nun im Museum. L. 111. Ueber seine fa sche Erklärung s. oben Anm. 28; Br. 1029.

165) Nach einer Inschrift in Rom. Gr. 381, 1.

166) Also war hier keine steinerne Brücke.

167) Lamprid. 1. c. 62; vgl. oben S. 6.

168) Bretzenheim hiess noch im Jahr 754 villa nominata Brittanorum; vgl. Lehne, III. S. 85. Den Namen Sicila finde ich noch in Zagelbach oder Zagilbach, wie Zahlbach in den Jahren 1190, wo es zum erstenmale vorkömmt, und 1239 u. s. w. genannt wird. Einige Geschichtschreiber, wie Lamprid. Sever. 59, Aurel. Vict. II. 24, legen den Ort Sicila wegen des Lagers der Britanni nach England, wo Severus nicht gewesen ist. Jornandes, de regn. succ. 56, nennt Mainz als den Ort, wo er getödtet wurde. Die Tradition dahier verlegt die Ermordung in den Hohlweg bei jenen Orten.