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oberung Britannien's zwei neue Legionen gebildet, nämlich die XV und XXII beide mit dem Beinamen primigenia(d. h. die erstgeborene, erstgeworbene); wesshalb aber die neu errichteten, da bereits andere Legionen mit derselben Zahl längst bestanden, diesen Titel erhielten, ist kaum erklärlich: am wahr- scheinlichsten ist noch die Ansicht Grotefend's(Alterth.-Z. 1840. S. 659.), dass die neuen Hälſten, weil sie die alten Adler erhielten, diesen Beinamen empfingen.
Die Legion kam, als sie errichtet war, nach Obergermanien und hatte bei Nero's Tod ihre Winterquartiere mit der IIII Macedonica an der Grenze gegen Untergermanien hin: als diese am ersten Januar gegen Galba rebellirte, widersetzten sich vier Centurionen der XXII, deren Namen uns Tacitus(hist. I. 56; 59.) aufbewahrt hat; sie heissen: Nonius Receptus, Donatius Valens, Romilius Marcellus und Calpurnius Repentinus ⁴⁵); sie wurden in Fesseln geworfen und bald auf des Vitellius Befehl hingerichtet. Die Empörung nahm nun ungestört ihren Fortgang und cin Theil der Leg. XXII z0g nach Italien, ein anderer blieb in Deutschland zurück. Die Ereignisse hier und dort haben wir bereits bei der vorigen Legion erzählt. Nach der Dämpfung des Aufstandes kehrte die XXII primi- genia nach Mainz zurück, wo sie jetzt mehrere Jahrhunderte verblieb, wie die Inschriften ausweisen, während die Schriftsteller ihrer kaum mehr gedenken; namentlich ist es höchst befremdlich, dass sie weder das Itinerarium Antonini noch Ptolemäus und sogar nicht einmal Cassius Dio nach dem ge- wöhnlichen Texte ⁴⁰) erwähnen; nur einmal finden wir sie angeführt, indem der nachmalige Kaiser Didius Julianus früher dieselbe, in Germanien kommandirte(Spartian. Did. Jul. 1.). Die Münzen da- gegen führen sie noch länger auf, so einige von Severus und von Gallienus.
Die Legion hatte ausser primigenia noch die Beinamen pia fidelis 47), und nahm zeitweise die Namen der Kaiser an, wie Antoniniana, Severiana, Alexandriana ⁴8).
So wie es von keiner rheinischen Legion mehr Denkmäler als von dieser gibt, eben so sind dahier mehr Steine derselben erhalten als irgendwo sonst, und eben so zeigen die Inschriften der übrigen Legionen nicht so viele Jahreszahlen als die der XXII. Vorerst nur einige allgemeine Bemerkungen. Während von den 4 Legionen, die in der ersten Periode am Rheine standen, kaum ein Altar sich erhalten hat: so sind dagegen von der Frömmigkeit der Krieger der Leg. XXII viele Denkmäler übrig; ja wir haben von allen Legionen zusammen nicht so viele Arae als von dieser. Die Arae sind römischen und nicht römischen Gottheiten geweiht 49). Noch verdient bemerkt zu werden, dass der erste bestimmbare Altar dieser Legion—
45⁵) Fuchs I. S. 222 u. 454 bezieht mit Uurecht einige dürftige Fragmente, die sich früher hier fanden, auf diesen Centurio; er meinte auch, die Empörung habe in Mainz statt gefunden, vgl. oben Anm. 38.
4) Dieser ist hier(LV. 23) ganz verdorben, indem eine Legio XX nach Obergermanien gelegt wird, es muss XXII gelesen oder vielmehr die ganze Stelle geündert werden, vgl. Grotef. Alterthz. 1840, S. 659.
47) Weil die Beinamen pia fidelis vor Hadrian auf keinem näher bestimmbaren Steine erscheinen, ver- muthete früher Grotefend(Krit. Biblioth. 1830. S. 540.), dass die Legion diese vom Domitian empfing, weil sie den Lucius Antonius Saturninus, der damals in Obergermanien kommandirte, in seiner Empörung gegen den Knaiser nicht unterstützte. Allein die Geschichtschreiber(Suet. Domit. 6;3 Cassius LX. 11; vergl. Wiener a. a. 0. S. 35 fl) berühren nur kurz diesen Aufstand, und spätere Inschriften zeigen auch den einfachen Namen, wie Lehne 45 vom Jahre 198, oder auch gar keinen, wie Zeitschrift I. 4 vom J. 210.
48) Lersch Centralmus. III. 92, will das C, welches auf einigen Ziegeln in Bonn, Boppard u. Koblenz der XXII beigefügt ist, mit Claudin nach dem Stifter der Legion erklären: es wird aber wohl die Offizin bedeuten, wie der erstere(LEGIO XXII CV P) namentlich anzudeuten scheint. 3
¹) Die Altäre in Mainz sind jedoch nur römischen nicht keltischen, germanischen oder morgenlän- dischen Göttern gewidmet, wie überhaupt kaum ein Altar dieser letztern bisher hier aufgefunden wurde.
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