Aufsatz 
Über die Legionen, welche in Obergermanien standen / K. Klein
Entstehung
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Italien getödtet war, dem Vespasian sich zu unterwerfen, sie ermordeten sogar den Legaten Hordeonius Flaccus in Novesium, fühlten jedoch bald Reue und folgten dem Dillius Vocula, der ihnen den Eid- für Vespasian abnahm und sie den Rhein aufwärts führte, um Mainz zu entsetzen, welches von einer Schaar räuberischer Chatten, Usipier und Mattiaker(Hessen und Nassauer) belagert war; diese waren bereits abgezogen, und stiessen auf die Legionen, durch welche sie sofort zerstreut wurden(Tac. hist. IV. 37). Tacitus, bei dem uns allein eine ausführliche Geschichte der Aufstände am Rheine auf- bewahrt ist, gedenkt zwar jetzt weiter nicht dieser Legio IIII, wie er überhaupt weiterhin von einzelnen Legionen selten, sondern im Allgemeinen von ihnen spricht; doch glauben wir hier in Kürze den weiteren Hergang der Empörung, an der die rheinischen Legionen, namentlich aber die IIII Theil naàhmen, anfügen zu müssen. Der Legat Vocula gab sich alle Mühe, die Soldaten, welche von den Galliern und Batavern, die jetzt gemeinsame Sache machten, zur Theilnahme an der Empörung auf- gefordert wurden, davon abzuhalten, allein vergebens; er wurde bald von ihnen in Novesium getödtet, worauf die Legionen zu den Feinden überliefen und sich für die Herrschaft Galliens beeidigen liessen (59), und bald wurden auch alle Truppen des Oberrheins zu gleichem Eide gezwungen. Die Em- pörung gegen Rom nahm jetat einen reissenden Fortgang, alle Winterlager der Legionen wurden zerstört, ausser Mainz und Windisch(61). Als aber Petilius Cerialis und Sextilius Felix mit mehreren Legionen aus Italien herbeieilten, wurde der Aufstand bald gedämpft, besonders da die Führer mit ihrer Herrschaft prunkend, zu nachlässig die Vertheidigung betrieben. Die abtrünnigen Legionen, die inzwischen in das Trierische abgeführt waren, huldigten bald freiwillig dem Vespasian(70), zogen sich aber, um neuer Aufwiegelung zu entgehen, zu den Mediomatrici zurück und erkielten als Cerialis nach Trier kam, Verzeihung, worauf sie wesentlich beitrugen, dass die Schlacht bei Trier gewonnen wurde(77), wodurch der Aufstand der Gallier so ziemlich sein Ende erreichte.

Die Legio IIII scheint durch diese Ereignisse so geschwächt geworden zu sein, dass Vespasian sie auflöste oder vielmehr an ihre Stelle die IIII Plavia errichtete; diese lag in den Donau= Provinzen und kam niemals an den Rhein 3⁹).

Die IIII Legio wird sehr selten von den Schriftstellern angeführt, und hat nur an einer Stelle des Tacitus(hist. III. 22) den Beinamen Macedonica, dagegen führen alle Inschriften dahier diesen Beinamen; da aber bei manchen Steinen der mittlere Buchstabe A verwischt oder mit dem vorher- gehenden M so vereinigt ist, dass er einem nicht genauen Beobachter entgehen konnte: haben Frühere die ihnen erkennbaren Zeichen MC für M. G., d. h. Martia gemina erklärt 4), was sich aber nament- lich durch eine grosse Anzahl Grabsteine, die 1806 in Zahlbach gefunden wurden, als falsch erwies, indem alle diese deutlich den auch bei Tacitus vorkommenden Beinamen Macedonica haben. Die Steine fallen alle in die Zeit zwischen dem Kaiser Claudius und Nero(c. 43 70 nach Chr.); es sind 22 Grabsteine von gemeinen Soldaten, davon sind acht im Museum(Katalog 77 84), sechs andere

1 30) Der Legio Flavia wird auf einem Steine in Speyer und einem andern id Albirsbach gédacht, Aber sie sind kein Beweis, dass die Legion hier gewesen sei, vgl. Lehne 167; Verzeichnlss des Stuttg. Mus. 33. Sie führt noch den Beinamen felix, nicht fürma oder fidelis, wie Manche erklärten.

4⁰) Bimard bei Mur. 832. 2; Fuchs I. S. 125 f.; Steiner in 1. Ausg. 378;3 Rappenegg. röm. Inschriften in Baden 79. Manche haben die Leg. IIII Mac. und die IIII Scythica für eine Legion gehalten oder letztere auch nach Germania verlegt; allein sie stand seit August in Asien und kam niemals nach Europa.

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