4 8
aber die älteren Denkmäler dieser Legion solchen nicht führen, so dürfte angenommen werden, dass die Legion erst später zum ÜUnterschiede von den andern Legionen gleicher Zahl den Beinamen von dem Kaiser annahm, unter dem sie bereits existirte. Von Spanien kam sie nach Obergermanien, wie es scheint nach Varus Niederlage, wo wir sie bei Augusts Tod finden; sie nahm keinen Theil an der Empörung, war auch, wie es scheint, nicht bei dem ersten Feldzuge des Germanicus(Tac. ann. I. 38), wohl aber war sie beim zweiten(70) und dritten(II. 16). Unter Kaiser Claudius befehligte sie der nachmalige Kaiser Vespasianus und mit ihr zog er um das Jahr 43 nach Britannien ²⁸) über, wo er an ihrer Spitze 30 mal mit dem Feinde sich schlug. Ihre weiteren Schicksale in Britannien, wo sie mehrere Jahrhunderte lang verblieb, gehören nicht hierher.
Von ihrem Aufenthalte in Obergermanien, der etwa 34 Jahre dauerte, hat die Legion wenig Spuren zurückgelassen; eigentlich finden wir kaum irgend wo ²⁸⁹) ein Denkmal ausser in Mainz, und auch hier gibt es nur einen Grabstein ³⁰), der aber zu den interessantesten unsers Museums gehört; er enthält nämlich eine Klage über den Verstorbenen in acht Distichen, wobei nur zu bedauern ist, dass fast die Hälfte der Worte nicht mehr gelesen werden können. Der Soldat, der hier begraben lag, hiess Cajus Julius Niger und war aus Carca in Hispanien gebürtig, er wird also wohl damals in die Legion eingetreten sein ³¹), als sie in Hispanien stand, so dass der Stein zu den ältesten gehören dürfte, die wir hier haben ³²). Das Denkmal scheint einen Aufenthalt in Mainz anzudeuten, so dass die Legion ihren Standort in Obergermanien, der sonst nicht bekannt ist, auf eine kurze Zeit mit der Leg. XIII oder XVI dahier gewechselt haben dürfte ³³).
—
Fassen wir nun die Resultaté der bisherigen Darstellung zusammen.
Vor der Niederlage des Varus standen nur zwei oder drei Legionen in Obergermanien, die XIIII gemina, XVI und XIII gemina, von diesen baute die erstere das Castrum in Mainz. Wegen jenes Unglücks kam noch die II Augusta aus Hispanien an den Oberrhein. Diese vier Legionen verweilten daselbst bis in die Eegierungszeit des Claudius ³4). Da dieser Kaiser Britannien erobern liess, wurden
²⁸) Dies folgt aus Suet. Vesp. 4, verglichen mit Tac. ann. III. 44.
. ²⁰) Jaumann in den Bonn. J. XV. S. 70, deutet eine Griffelschrift CvRTIIIKBF auf die zweite Legion; hier gilt aber wohl, was neulich Mommsen über die Rottenburger Inschriften gesagt hat(Bericht der phil. hist. Klasse der K. sächs. A. 1852, S. 188 ff.), dass sehr viele unecht scheinen.(Ein Grabstein in Genf Or. Hel. 58, gehört nicht hierher.)
²⁰) Den Stein liess Fuchs 1769 aus dem Rathhause von Bretzenheim brechen und er gehört zu den wenigen, welche noch das hiesige Museum den Bemühungen desselben verdankt, vgl. s. Geschichte 1. S. 116 nebst Abbild.; Katalog 75.—
³¹) Nach Caes. b. Alex. 53 dienten viele Spanier in dieser Legion, was Fuchs I. S. 119 jedoch zu weit ausdehnt.
²²) Fuchs I. S. 303 setzt denselben etwa in das Jahr 14 vor Chr., weil aera statt stipendia darauf steht; allein"ies kann nicht entscheidend sein, da auch spätere Steine dies Wort haben, vgl. Lehne 150; auch kam die Legion nicht so frühe an den Rhein.
³3) Ein Fragment von der Legio Il Trajana dahier(Kat. 76, auf dem Steine steht Trojan.), zeigt keinen Aufenthalt dieser Legion an, die immer in Aegypten stand; das Denkmal genört einer späteren Zeit zu.
³⁴) Dass bis auf Caligula keine Veränderungen am Rheine stattfanden, ersehen wir aus Suet. Calig. 48, wo dieser bei seinem Aufenthalte in Deutschland die unsinnige ldee fasste, die rheinischen Legionen wegen ihrer Empörung bei August's Tod vor fast 30 Jahren zu decimiren; allein die drohende Haltung der Legionen schrekte ihn so, dass er den Rhein schnell verliess.
4 2


