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DieſLegion hatte die Beinamen gemina Martia victri. Den Namen gemina(die verdoppelte, Zwillings- Legion) erhielt sie wohl bald nach der Schlacht bei Actium, als Augustus zwei Legionen derselben Zahl vereinigte. Die Beinamen Martia victrix mag sie wegen ihres oben erwähnten Sieges in Britannien erhalten haben ¹¹), was um so wahrscheinlicher ist, da sie desshalb von Nero besonderer Auszeichnung, die eben nicht näher angegeben ist, gewürdigt wurde(Tac. hist. II. 11.). Wenn diese Deutung der Bei- namen richtig ist, so sind die Inschriften, welche nur den Beinamen gemina führen, dem ersten Aufenthalt der Legion, jene aber, worauf noch Martia victrix steht, dem zweiten Aufenthalt in unserer Gegend zuzuschreiben, wobei vorausgesetzt wird, dass man bei den späteren Denkmälern die drei Beinamen nicht wegliess ¹²). Ausser der Legion XXII hat keine andere Legion so viele Denkmäler in Mainz hinterlassen als die XIIII und gleichwohl führt keine einzige dieser Inschriften eine Jahres- zahl; denn die meisten Denkmäler sind Grabsteine, welchen bekanntlich selten eine solche beigefügt ist 13), oder Stempel auf Backsteinen, die gewöhnlich nur den Namen der Legion angeben.
Von den Inschriften, welche bisuer dahier oder in Zahlbach gefunden sind, hat die Mehrzahl nur das einfache gemina: sie gehören also in die Zeit von 15 vor bis 43 nach Christus: es sind 18 Grabsteine von gemeinen Soldaten, davon sind 9 im hiesigen Museum(vergl. Katalog ¹4) 86; 87; 90 92— 96; 99 a.); 3 im Mannheimer Museum(Gräff, das Antiquarium daselbst 44— 46), vier nicht mehr vorhanden(Lehne 175; 178; 186; Zeitschrift des hiesigen Alterthumsvereins I. 35.); zu diesen gehört auch ein Grabstein aus Bretzenheim(Lehne 189.), zu jenen einer aus Kleinwinternheim(Steiner II. Ausg. 1687.). Zwei Adlerträger werden erwähnt auf Grabsteinen im Museum(Katalog 91 131.), zwei Reiter auf Fragmenten(Katalog 99; Zeitschrift 34.); ein weiteres noch unbestimmteres Prag- meut von hier ist im Wiesbadener Museum(Annal. des Nass. Vereins III. 1. S. 99.).
Die Steine, die sich sonst am Rheine vorfinden, wie in Boppard und Wiesbaden(Lersch, Central- mus. III. 91; Annal. des Nass. Vercins III. 2. S. 238.) beweisen gerade keinen Aufenthalt der Legion daselbst.(Ein Stein in Untergermanien, Steiner II. Ausg. 1104, scheint mir unecht.)
Was die Backsteine und Ziegeln dieser Legion betrifft, muss vorerst bemerkt werden, dass man früher die Stempel nach den verschiedenen Beinamen nicht gehörig unterschied: so auch der sonst
¹¹) Die früheste Inschrift mit diesem Beinamen ist vom J. G6 in Rimini. Grut. 1102, 4. Manche meinen, das Beiwort Martia habe die Legion schon zu Caesars Zeiten geführt; im afrikanischen Kriege nämlich rief Caesar, als das Heer wankte, dem Adlerträger der Legio Martia zu: Wohin gehst Du? Dort ist der Feind! Val. Max. 14. 2, 19; Plut. Caes. 52;3 App. b. c. V. 11. 95. Da nun die Legio XIIII im afrikanischen Kriege war(Caes. b. Afric. 45.), so bezog man den Aufruf auf diese: allein aus App. I. c. IV, 115 wissen wir weiter, «ass diese Legio Martia bei Philippi vernichtet worden ist.
¹¹) In den beiden Germanien findet sich hingegen Kein Beweis; später scheint die Legion die Beinamen abgelegt zu haben, indem die Inschriften in Pannonia nur das einfache gemina haben; die drei Namen kom- men zuletzt vor unter Antoninus Pius(Grut. 493) und auf Münzen von Septimius Severus. Dagegen gibt es keine Spur, dass die letzteren Beinamen vor jenem Siege in Britannien üblich waren; die einzige bisher in England gefundene Inschrift hat nur gemina, vgl. Grotef. in Lersch Centralmus. III. S. 65. Eine Inschrift hat GENMina SEVeriana(Or. 96), ist aber verdächtig, vgl. was ich wegen eines andern Wortes über dieselbe bemerkte Zeitsch. I. S. 358.
¹³) Von den vielen hundert Grabdenkmälern, die in unseren Gegenden bisher aufgefunden siud, ist nur eine etwa mit den Konsuln des Todesjahres versehen, wiewohl auch bei dieser ein Zweifel übrig bleibt, indem die untern Zeilen nicht gut erbalten waren, vgl. Lehne 301. A
¹4) Hier und im Folgenden werde ich bei den vorhandenen Steinen den Katalog des Museums, wenn ein solcher edirt ist, anführen; bei den nicht mehr vorhandenen Lehne oder eine andere neuere Sammlung.


