Aufsatz 
Über die Legionen, welche in Obergermanien standen / K. Klein
Entstehung
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IEGIO XIII GEMINA MARTIA VICIRlk.

Caesar hatte schon eine Legio XIIII(bell. Gall. VI. 32 u. s. w.). Auch Antonius hatte eine XIIII Legion), wie aus Münzen hervorgeht. Beide vereinigte Augustus, wie aus dem Beinamen erhellt; sie kam frühe nach Obergermanien. Da nämlich in den Mauern des römischen Castrum dahier, welches Drusus (12 9 v. Chr.) erbaute, viele gebrannte Steine mit dem Stempel dieser Legion gefunden wurden (Fuchs, I. S. 138): so nimmt man wohl nicht mit Unrecht an, dass diese schon, als Augustus die galli- schen Verhältnisse ordnete oder wenigstens mit Drusus an den Rhein kam; sie ist also die Gründerin des Castrum und die älteste Besatzung unserer Stadt; beim Tode Augusts zögerte sie dem Tiberius zu schwören(Tac. ann. I, 37.); sie machte des Germanicus Feldzüge mit, litt aber im zweiten derselben (ibid. 70) nicht wenig; doch verblieb sie in Obergermanien. Im Jahre 62 sehen wir sie in Britannien einen grossartigen Sieg gegen die Boadicea erfechten(Tac. ann. XIV. 34 und 37.); wann sie dorthin kam, kann nicht genau ermittelt werden, wahrscheinlich schon unter Claudius(c. 43 n. Chr.), als wegen der Eroberungen, die derselbe in Britannien unternehmen liess, mehrere von den benachbarten d. h. in Germanien stationirten Legionen dorthin beordert wurden. Wegen erwähnten Sieges und der Unterdrückung des Aufstandes in Britannien ward sie von Nero sehr gechrt(Tac. hist. II. 11.), und von demselben wie die XI und andere zum Feldzuge gegen die Völker am kaspischen Meere bestimmt; sie war bereits in Italien(I. 6.), als Nero umkam; da schickte Galba sie nach Dalmatien; von dort kam sie dem Otho zu Hilfe(II. 43. 54.), und da in der Schlacht bei Bedriacum nur ihre Vexillarii kämpften, hielt sich die Legion für nicht besiegt, und mochte manche Gewaltthat in Italien verüben, wesshalb sie Vitellius wieder zurück nach Britannien sandte(I. c. 66.). Ehe noch ein Jahr verging, wurde sie wegen des Aufstandes der Bataver nach Germanien geschickt(IV. 68 und 76.), und kämpfte mit Glück gegen dieselben am Unterrhein(V. 16.), worauf sie wieder Obergermanien zu ihrem Standorte erhielt(V. 19.). Diese verschiedenen Hin- und Herzüge geschahen alle in nicht viel mehr als zwei Jahren. Wie lange jetzt die XIIII Legion in Obergermanien blieb, kann nicht bestimmt angegeben werden; Ptolemaers, der in der Mitte des zweiten Jahrhunderts schrieb, findet sie bereits in Pannonia superior(II. 15.), wo sie auch Cassius Dio(LV. 23.) erwähnt; da ersterer sie ereieοeν 15 Tepuden ¹⁰) nennt, so scheint sie erst unter Trajan Obergermanien verlassen zu haben. Sie kam nie mehr dahin zurück. An ihre Stelle trat die I adjutrix.

) Zu den Zeitender Republik wurden die Legionen, wenn der Krieg beendet war, entlassen; sie führten fortlaufende Zahlen. In den Bürgerkriegen bezeichneten die parteiführer ihre Legionen ebenso, so dass es jetzt mehrere derselben Zahl gab. Als Augustus das römische Heerwesen ordnete, hielt er 23 (oder 25) Legionen fär hinreichend, überschritt aber bei der Nummerirung die Zahl XX nicht, so dass es schon damals mehrere von gleicher Zahl gab; später als manche Legionen eingingen, andere neu errichtet wurden, nahm man lieber schon vorhaudene Zahlen, als dass man die Nummer XXII(mit Ausnahme der Zahl XXX) überschritt. Wiewohl Beinamen diese Zahlen unterschieden, verursacht es doch oft Uebelstände und Zweitel, da Schriftsteller und Inschriften nicht immer die Beinamen beigefügt haben.

¹⁰) Oder Téollavten die Ausgabe, die mir zur Hand ist, hat erstere Lesart; Grotef, bei Pauly a. a.

0. S. 894, citirt letztere mit der Bemerkung:Offenbar durch eine Verwechslung mit Teniyn. Doch hat ein Fragment in Rom LE G XIIII GERRM, wofür freilich auf einer wie es scheint gleichen Inschrift in Pola G EM steht, Gr. 492. 8; 497, 14; 447, 4 und 558, 5; letztere ist jedoch verdächtig.