Aufsatz 
Über die Legionen, welche in Obergermanien standen / K. Klein
Entstehung
Einzelbild herunterladen

8 schichte der einzelnen Legionen nach den Quellen und den Denkmälern, die wir von ihnen übrig haben, aufgehellt, oder vielmehr wenn ermittelt ist, welche Legionen abwechselnd in den verschie- denen Provinzen des römischen Reiches gelegen haben. Wir wünschen hierzu einen kleinen Beitrag liefern zu können, wollen nämlich im Folgenden untersuchen, welche Legionen neben und nach einander in Obergermanien standen; zugleich fügen wir die Geschichte dieser Legionen, deren es im Ganzen 10 sind, in Kürze an, und werden hierbei die gelehrten Untersuchungen, welche Borghesi ⁵5) und Grotefend) über die Legionen im Allgemeinen angestellt haben, zu Grunde legen, ohne überall schon aus Mangel des Raumes anzugeben, wo wir mit ihnen oder auch Andern) übereinstimmen oder von denselben abweichen zu müssen glauben.

Wir hätten nun gern die Inschriften, welche von diesen Legionen in Obergermanien vorhanden sind, oder doch wenigstens die aus Mainz und der nächsten Umgegend hier zusammengestellt, indem eine Ordnung derselben manches Licht auf die Geschichte der Legionen und nicht selten einen Blick in die Verhältnisse der Orte, wo sie standen, darbietet; allein dies würde den Umfang der Abhand- lung allzu sehr erweitert haben: wir hoffen aber eine Sammlung aller Inschriften, die sich von den Legionen, Kohorten und übrigen Truppen in den beiden Germanien erhalten haben, in nicht gar langer Zeit veranstalten zu können. Einstweilen müssen wir uns mit einer kurzen übersichtlichen Angabe der hierher gehörigen Inschriften begnügen, nur die Mainzer Denkmäler werden wir wenigstens vollständig aufzählen.

Als im Jahre 14 unserer Zeitrechnung die Nachricht von dem Tode des Kaisers Augustus in die Provinzen gelangte, empörten sich die Legionen in Pannonien und in Germanien. Bei dieser Ge- legenheit erfahren wir von Tacitus, der diese Empörungen ausführlich beschreibt, dass damals am Rheine 8 Legionen standen(ann. I. 31), nämlich in Niedergermanien die Legio I, V Macedonica), XX Valeria victrix und XXI rapax; in Obergermanien die Legio II Augusta, XIII gemina pia fidelis, XIIII gemina und XVI. Die vier letzteren unterwerfen wir sofort einer nüheren Betrachtung, und lassen sie hierbei so aufeinander folgen, wie wir deren Einzug in Obergermanien annehmen zu missen glauben.

) In den Annali dell' instituto Arch. Rom. 1839, S. 128 ff.

) In Pauly's Real-Encyclopäd. V. S. 868 ff.

7) Die Untersuchungen Früherer über die Legionen sind meist nicht brauchbar; selbst Lehne, der sonst um die Mainzer Alterthümer sich bohes Verdienst erworben hat, irrt in seiner Geschichte der Legionen viel- fach; ebenso hat Pfitzner, welcher(Alterthz. 1846, 1 3) manche neue Ansichten vorbrachte, bisher keinen Beifall gefunden.

³) Die Beinamen erhielten die Legionen aus verschiedenen Ursachen, so theils von den Kaisern, die sie errichteten, wie Augusta, Flavia, theils von den Provinzen, wo sie zuerst standen, wie Germanica, Macedo- nica, oder auch besondere Verdienste und Eigenschaften verschafften ihnen solche Benennungen, wie pia fidelis, auch rapax, oder sie entlehnten sie von Gottheiten, wie Minervia, Apollinaris, von ihren Waffen 2z. B. alauda u. s. w. Manche Legionen führten auch zeitweise die Namen der regierenden Kaiser, wie Ale- xandriana, Severiana u. a. Bei andern Wörtern ist dio Entstehung dunkel, wie gemina, primigenia. Jedoch hatten nicht alle Legionen solche Beinamen. 8

1*