Aufsatz 
Über die Legionen, welche in Obergermanien standen / K. Klein
Entstehung
Einzelbild herunterladen

6 sorgfältige Fuchs; doch scheint aus seinen Angaben hervorzugehen, dass in den Fundamenten des römischen Castrum nur Stempel aus der ersten, an der Wasserleitung nur solche der zweiten Periode sich fanden ¹⁵); am Linsenberge fand er die Begräbnissstätte für diese Zeit(I. S. 370.) Im Nassauischen gehören ebenfalls die meisten Stempel dem ersten Aufenthalte an, namentlich in Heddernheim und Höchst.

Wenn aber bei allen diesen Steinen es nicht über allen Zweifel erhaben ist, ob nicht irgendwo die weiteren Beinamen Martia victrix durch Zufall ausgelassen sind; so gehören dagegen die folgenden Denkmäler, wo beide Namen beigefügt sind, sicher der zweiten Periode an, d. h. den Jahren 71 bis c. 100. Ihre Zahl ist geringer: zuerst dahier 6 Grabsteine von gemeinenſSoldaten(3 im Museum, Katalog 88; 89; 99 c.; die andern sind verloren, Lehne 176; 190; 193.); zwei Bausteine von Centurien in der Sammlung des hiesigen Alterthumsvereins(Zeitschrift 38; 65.)

Weiterhin der Grabstein eines Soldaten in Baden(Eckerle, die Alterthumshalle daselbst S. 31.), eine Ara der Fortuna von einem Centurio geweiht in Nidda(jetzt in Wiesbaden. Lehne 93.)

Eben so finden sich auch weniger Stempel aus dieser Zeit sowohl hier als im Nassauischen ¹). Die in Friedberg scheinen dem zweiten Aufenthalte zugeschrieben werden zu müsseu).

Jenseits des Oberrheins, d. h. im Decumatenland, werden natürlich nur Stempel von der Martia victrix gefunden werden, z. B. in Baden; vergl. Rappenegger, die römischen Inschriften von Baden 82; da jedoch bis jetzt, so viel mir bekannt, nur wenige daselbst vorkamen, so dürfte dies anzeigen, dass die militärische Besetzung dieser Gegenden erst am Ende des ersten Jahrhunderts stattfand.

IEGIO XVI.

So viel ich weiss, wird der Legio XVI vor den Zeiten des Augustus nicht gedacht, wiewohl es wahrscheinlich ist, dass Caesar schon eine solche zählte, als er im Anfange des Bürgerkrieges die 10 Legionen, die er in Gallien hatte, schnell und stark vermehrte. Bei August's Tod stand die einzige Legion dieser Zahl, die es damals gab, in Obergermanien, und viele Grabsteine beweisen deren län- gere Anwesenheit in Mainz; diese fällt entweder in dieselbe Zeit, wo die XIIII gemina hier war, oder unmittelbar darnach. Ihrer wird jetzt über 50 Jahre nirgends gedacht; als sie wieder erwähnt wird (Tac. hist. I. 55), diente sie zur Besetzung von Untergermanien; ſda aber hier nur wenige Denkmäler sich von ihr erhalten haben ¹⁵), so wird sie wohl nicht, als unter Claudius wegen der britannischen Expedition einige militärische Veränderungen in den beiden Germanien stattfanden, dorthin ge- kommen sein, sondern erst unter Nero, als die Leg. XXI rapax von dort nach Obergermanien zog.

¹⁵) Geschichte von Mainz 1. S. 138 u. 153, II. 92 u. 93; daher irrt er I. S. 243, wenn er die Wasser- leitung durch Drusus erbauen lässt.

¹16) Von 48 Stempeln, welche das Wiesbadener Museum bewahrt, zeigen nur 11 die Buchstaben G. M. V., namentlich die aus Rambach und Hofheim.

¹1) Vgl. Dieffenhach Urgeschichte der Wetterau S. 185 u. 269, nebst Abbild. Der Stempei im Bonner Museum, wie es scheint aus der zweiten Periode(Lersch Central. Mus. II. 61), stammt wahrscheinlich vom Oberrhein; Overbek Katalog des Bonn. Museums S. 89, gibt den Fundort nicht an.

¹3) Eigentlich nur ein Grabstein und Stempel bei Neuss(Novesium), wo ein Theil der Legion im J. 70 lag, vgl. Schneider in Bonn. Jahrb. VII. S. 77; Lersch Centralmus. III. 190.