Aufsatz 
Die Grundzüge in dem Schiller'schen Gedichte "Die Künstler"
Entstehung
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Heraushebung noch zu bedürfen. Dieses ist nun geschehen. Nachdem also der Gedanke philosophisch und historisch ausgeführt ist, dass die Kunst die wissenschaftliche und sittliche Cultur vorbereitet habe, so wird nun gesagt, dass diese letztere noch nicht das Ziel selbst sei, sondern nur eine zweite Stufe zu demselben, obgleich der Forscher und Denker sich vorschnell in den Besitz der Krone gesetzt und dem Künstler den Platz unter sich angewiesen: dann erst sei die Vollendung des Menschen da, wenn sich wissenschaftliche und sittliche Cultur wieder in die Schön- heit auflöse.

Ich vermuthe, dass die Vv. 288 315, die Perle unter den Strophen dieses Gedichtes, entweder auch damals oder in einer späteren Fassung hinzugekommen sind. Ich machte bereits oben darauf aufmerksam, dass diese Strophe und die durch Wieland veranlasste Schichte ihrem Inhalte nach einander ähnlich sind. Die Kunst ist hier nicht so sehr Vermitt- lerin der Erkenntnis des Guten und Wahren wie in A; vielmehr löst sich hier alles in Schönheit auf. Also entspricht nicht nur die Schichte Vv. 383 ff. sondern auch die Strophe Vv. 288 ff. Wielands Anforderungen. Wie hätte denn Wieland jene Forderung aufstellen können, wenn die Vv. 288 315 bereits der ersten Fassung angehört hätten? Oder erblickt jemand in diesen Versen etwas anderes als die Verherrlichung des Ideales der Menschheit, wie es nach der Ansicht des Dichters im Volke der alten Griechen verwirklicht war? Aus einem Briefe Schillers an Körner v. 25. Februar 1789 erfahren wir, dass das Gedicht infolge einer neuer- lichen Besprechung mit Wieland neuerdings Veränderungen erlitt.Eine ganze Kette neuer Strophen, die zum Inhalt haben, das zu beweisen, was in der vorigen Edition ganz beweislos hingeworfen war, ist nunmehr eingeschaltet. Ich habe über den Ursprung und Fortgang der Kunst selbst einige Ideen hazardiert und habe alsdann die Art, wie sich aus der Kunst die übrige wissenschaftliche und sittliche Bildung entwickelt hat, mit einigen Pinselstrichen angegeben. Wie es in dem Briefe weiter heißt, seien über 200 neue Verse hinzugekommen. Düntzer vergleicht in seinem Commentar zu unserem Gedichte diesen Brief mit einem anderen an Lotte von Lengefeld vom 12. Februar 1789 und gelangt zu dem Schlusse, dass nach dem zweiten Besuche Wielands die Vv. 103 209 und 266 328 hinzugedichtet wurden.

Für Schillers Auffassung gewinnt nun die Schichte B immer mehr an Bedeutung, wie denn auch die Gedanken der Vv. 288 328 die Keime für mehrere philosophiche Aufsätze der späteren Zeit waren. In dem Briefe an Körner v. 30. März 1789 schärft er dem Freunde ein, dass das Gedicht mit einer lebhaften Vergegenwärtigung des Hauptgedankens zu lesen sei, und diesen gibt er in demselben Briefe dahin an,dass der Mensch, in dem einmal das Gefühl für Schönheit, für Wohlklang und Ebenmaß rege und herrschend geworden ist, nicht ruhen kann, bis er