Aufsatz 
Die Grundzüge in dem Schiller'schen Gedichte "Die Künstler"
Entstehung
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alles um sich in Einheit auflöst, alle Bruchstücke ganz macht, alles Mangelhafte vollendet, oder was ebensoviel sagt, bis er alle Formen um sich her der vollkommensten nähert. Also nicht die Verhüllung der Wahrheit und Sittlichkeit in die Schönheit, nicht die Allegorie ist jetzt die Hauptsache, sondern die Wirkung, welche die schönen Formen der Kunstwerke im Menschen hervorbringen.

Aus dieser Schichte entwickelte sich nach und nach das Ideal der Menschheit, wie es in den Briefen über die ästhetische Erziehung des Menschen dargestellt ist, jene vollendete Menschheit, welche die sinnliche und vernünftige Natur in sich harmonisch vereinigt hat. In allem, was der Idealmensch spricht und thut, wird sich diese innere Harmonie offenbaren, indem Wort und That durch schöne Formen veredelt sind. Auch dieschöne Seele, in der, wie der Dichter in dem AufsatzeÜber Anmuth und Würde gezeigt hat, Pflicht und Neigung zusammenstimmen, ist hier bereits angedeutet:

Mit dem Geschick in hoher Einigkeit, Gelassen hingestützt auf Grazien und Musen, Empfängt er das Geschoss, das ihn bedräut, Mit freundlich dargebotnem Busen.

Vom sanften Bogen der Nothwendigkeit.

Mit einer Leichtigkeit, als wenn bloß der Instinct aus ihr han- delte, übt sie(die schöne Seele) der Menschheit peinlichste Pflichten aus und das heldenmüthigste Opfer, das sie dem Naturtrieb abgewinnt, fällt wie eine freiwillige Wirkung eben dieses Triebes in die Augen.(Uber Anmuth und Würde.) ¹)

Dass der Dichter seine ideale Menschheit im Volke der alten Griechen verwirklicht sah, bezeugt der Inhalt des GedichtesDie Götter Griechenlands, eine elegische Weltbetrachtung, in welcher die Phantasie und Gemüth ansprechende Götterwelt der Griechen verherrlicht ist. So oft Schiller seiner Bewunderung für dieses Volk Ausdruck verleiht, ge- schieht es zumeist in diesem Sinne. In demBrief eines reisenden Dänen- ist die veredelte Sinnlichkeit und die versinnlichte Geistigkeit, wie sie sich in dervollendeten Menschheit zeigt, ausgedrückt durch die Worte: Die Griechen malten ihre Götter nur als edlere Menschen und näherten ihre Menschen den Göttern; eine ähnliche Anschauung findet sich in denGöttern Griechenlands. Schon in seiner Magisterdissertation, wo er die Rechte der sinnlichen Natur gegenüber der geistigen in Schutz nimmt und die große Bedeutung körperlicher Eindrücke für das Seelen- leben nachweist, sagt Schiller, dass es nur unter dem feinen griechischen Himmel einen Homer, einen Plato und Phidias geben konnte; nur dort

¹) Khnlich Mendelssohn:Rhapsodie über die Empfindungen, bei Brasch, II. Band S. 138139.