Aufsatz 
Die Grundzüge in dem Schiller'schen Gedichte "Die Künstler"
Entstehung
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uns von der Harmonie des Kleinen auf die Harmonie des Großen, von der Symmetrie des Theiles auf die Symmetrie des Ganzen vor und lasse uns letztere in der ersteren bewundern. Man merkt deut- lich, wie dieLiebe des Julius hier auf das Gebiet des Schönen über- tragen und anf die Kunst angewendet wird. Es ist nichts anderes als der Grundgedanke unseres Gedichtes, dass nämlich der Künstler die Menschheit für das Anschauen der großen Weltharmonie vorzubereiten habe. In denselben Gedankenkreis gehört auch die Stelle in der Vor- lesung über die Schaubühne.Welch ein Triumph für dich, Natur, wenn Menschen aus allen Kreisen und Zonen und Ständen, abgeworfen jede Fessel der Künstelei und der Mode, herausgerissen aus jedem Drange des Schicksals, durch eine allwebende Sympathie verbrüdert, in ein Ge- schlecht wieder aufgelöst, ihrer selbst und der Welt vergessen und ihrem himmlischen Ursprung sich nähern.Sympathie undLiebe haben, wie wir bei Betrachtung der Theosophie gesehen haben, dieselbe Be- deutung. Geweckt wird dieseSympathie in den Herzen der Zuschauer durch die herrlichen Tugenden und edlen Züge der Menschheit, welche auf der Schaubühne dargestellt werden. Weil diese erhabenen Ideen allen Zuschauern ohne Unterschied gefallen, welcher Stellung, welchem Stande oder Berufe immer sie angehören mögen, so sind diese in ihrer Betrachtung in ein Geschlecht aufgelöst und sie nähern sich, indem sie diese Ideen bewundern und sich dadurch selbst veredeln, ihrem himm- lischen Ursprunge ¹). Einen ganz gleichen Gedanken enthält eine Stelle im Prolog zur Wiedereröffnung des Theaters in Weimar am 8. November 1787, Vv. 14 20.

Und traun, es musste wohl das System des Julius zu den Lieblingen des Dichters gehören, wenn er einzelne Gedanken aus dieser Philosophie, wie wir gesehen haben, in Verse und in Prosa einstreute, und zwar bis zu der Zeit, da dieKünstler entstanden sind. Und mit diesem Gedichte verfuhr er geradeso. Die Allegorie war in der ersten Fassung nur auf die Vv. 54 65 beschränkt. Dass Vv. 433 442 erst bei der zweiten Fassung hinzukamen, schließe ich aus dem Br. v. 9. Februar 1789, wo er seinem Freunde, der die erste Fassung kannte, als Neuigkeit mittheilt,

¹) Herr Professor Minor erklärt diese Stelle anders, wenn er im II. Bd., S. 299 sagt, Schiller wolle mit diesen Worten wenigstens auf einige Stunden den idealen Naturzustand im Sinne Rousseaus herstellen. Ich kann mich ja leicht täuschen, aber ich glaube, dass der Dichter dabei an das von ihm öfter erwähnteLeben in der Gattung dachte. Ich will nur eine Stelle aus dem Briefe an Caroline v. Beulwitz vom 10. December 1788 an- führen.Diese Woche hat mich K. Ph. Moritz besucht und mir eine sehr angenehme Unterhaltung verschafft, weil wir auf meine Lieblingsidee gerathen sind..... Über ein Lieblingsthema von mir, davon auch im Julius Spuren vorhanden sind, über das Leben in der Gattung, das Auflösen seiner selbst im großen Ganzen und die daraus unmittelbar folgenden Resultate, über Freude, Schmerz, Tugend und Liebe, über den Tod hat er außerordentlich klare und erwärmende Begriffe.