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III. Chronik der Anstalt.
1) Während der am Schlusse des vorigen Schuljahres abgehaltenen öffentlichen Prüfungen hatte die Anstalt die Ehre, durch einen Besuch des Herrn Oberpräsidenten und Staatsministers Grafen Eulenburg ausgezeichnet zu werden. Seine Excellenz wohnten am 9. April 1889 der Prüfung zweier Klassen bei.
2) In der Zusammensetzung des Lehrerkollegiums fanden zum Beginne des neuen Schuljahres mehrere Veränderungen statt. Der Kandidat Kuberka wurde als Hilfslehrer an das Realprogymnasium in Lennep berufen, Hilfslehrer Dr. Lewin nahm eine Stelle als ordentlicher Lehrer am Realprogymnasium in Biebrich an und Hilfslehrer Watermeyer wurde in gleicher Eigenschaft an das Wilhelms-Gymnasium in Kassel versetzt. Dagegen beauftragte das Königliche Provinzial-Schulkollegium den Hilfslehrer Dr. Ludwig Müller, bisher am Realprogymnasium zu Biebrich, und den Hilfslehrer Philipp Schäfer am Gymnasium zu Fulda mit der kommissarischen Versehung einer Lehrerstelle am hiesigen Gymnasium.— Dem an einem Lungenleiden erkrankten ordentlichen Lehrer Dr. Scholz wurde auch für das Sommersemester 1889 seitens der vorgesetzten Behörde Urlaub erteilt. Ebenso erhielt der ordentliche Lehrer Köhler wegen einer hochgradigen Nervosität einen sechsmonatlichen Urlaub. Die Vertretung des letzteren besorgten zunächst die Kandidaten Baumann und W. Schmidt, dann(vom 21. Mai ab) der Hilfslehrer Dr. Heermann, der bis dahin am Gymnasium zu Hersfeld thätig gewesen war.— Die Kandidaten des höheren Schulamts Dr. Wilhelm Küster und Emil Steubing aus Wiesbaden traten an der Anstalt das vorschriftsmäfsige Probejahr an.
3) Die Eröffnung des Schuljahres erfolgte am 30. April 1889 durch eine Schulfeier in der Aula. 4) Die Pfingstferien dauerten vom 8. bis zum 16. Juni.
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5) Am 6., 7. und 28. Juni sowie am 11. und 12. Juli wurde wegen grofser Hitze der Nach- mittagsunterricht ausgesetzt.
6) Der ordentliche Lehrer Seipp wurde vom 25. Juli ab als Reserve-Offizier zu einer achtwöchigen militärischen Dienstleistung einberufen, deren gröſsere Hälfte in die Herbstferien fiel. Während der Schul- zeit wurden seine Lektionen dem Kandidaten Heinrich Escher übertragen, der vorher als Hilfslehrer am hiesigen Realgymnasium beschäftigt war.
7) Die Herbstferien dauerten vom 15. August bis zum 19. September.
Da sich die Gesundheit des ersten ordentlichen Lehrers Dr. Scholz trotz der vorausgegangenen längeren Beurlaubung leider nicht in dem Grade gekräftigt hatte, dals ihm die Wiederaufnahme seiner Lehrthätigkeit möglich gewesen wäre, so sah sich derselbe durch den dringenden Rat der Arzte veranlaſst, seine Versetzung in den Ruhestand zum 1. Oktober 1889 zu erbitten. Die vorgesetzte Behörde willfahrte dem Gesuche unter dem Ausdruck der Anerkennung und des Dankes für die in 16-jähriger Wirksamkeit dem Gymnasium geleisteten Dienste. So war dieser treffliche Lehrer, der in gesunden Tagen mit unermüdlicher Treue, mit liebevoller Hingebung und ausgezeichnetem Erfolge gearbeitet hatte, durch ein herbes deschick gezwungen, im Alter von 41 Jahren seinem Berufe zu entsagen. Seine Majestät der Kaiser und König geruhten, ihm mittels Allerhöchster Ordre vom 16. August 1889 anläſslich des bevorstehenden Ausscheidens aus dem Amte den Roten Adlerorden IV. Klasse huldvollst zu verleihen.— Wir hoffen und wünschen, daſs die inzwischen in dem Gesundheitszustande des verchrten Kollegen glücklicherweise eingetretene erhebliche Besserung von Dauer sein und es ihm gestatten möge, sich seinen wissenschaftlichen Lieblingsstudien mit voller innerer Befriedigung zu widmen.
Die Stelle des ausgeschiedenen Lehrers wurde durch Aufrücken der folgenden Lehrer Dr. Lohr, Fritze, Schlaadt, Dr. Thomae I., Köhler, Spamer, Klau und Seipp wieder besetzt. Die auf diese Weise zur Erledigung gelangende letzte ordentliche Lehrerstelle blieb einstweilen frei.
8) Mit dem 1. Oktober wurde der wissenschaftliche Hilfslehrer Julius Pistor als ordentlicher Lehrer an das Königliche Friedrichs-Gymnasium in Kassel versetzt. An seiner Stelle trat der zuletzt am Wilhelms-Gymnasium in Kassel thätig gewesene Dr. Bernhard Heil, der bereits vom 1. Mai 1885 bis zum 1. April 1887 an der hiesigen Anstalt gewirkt hatte, als erster Hilfslehrer in das Lehrerkollegium ein.
9) Der ordentliche Lehrer Köhler, welcher zu Beginn des Wintersemesters seine Lektionen wieder übernommen hatte, erkrankte gegen Ende Oktober abermals in einem Grade, dals er von jeder dienstlichen Thätigkeit befreit werden muſste. Er bat daher um Urlaub bis zum Schlusse des Schuljahres


