Aufsatz 
Über die Behandlung der Himmelskunde am Gymnasium / von Joseph Klau
Entstehung
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und dann um Pensionierung vom 1. April 1890 ab. Das Gesuch um Beurlaubung wurde von Seiten der Behörde genehmigt, dagegen ist hinsichtlich des Antrags auf Versetzung in den Ruhestand eine Ent- scheidung noch nicht erfolgt, weshalb über diese Angelegenheit erst im nächsten Programm berichtet werden kann. Der Vertretung des Herrn Köhler unterzogen sich von Anfang November an die Kandidaten Schmidt und Baumann.

10) Vom 14. Oktober bis zum 9. November muſste auf polizeilichen Befehl der Elementar- und Turnlehrer Güll der Schule fern bleiben, weil eines seiner Kinder an Scharlach erkrankt war.

11) Die vaterländische Erinnerungsfeier an den Geburtstag weiland Seiner Majestät des Kaisers und Königs Friedrich III. wurde gemäls der Anordnung des Ministerial-Erlasses vom 23. Juli 1888 am 18. Oktober 1889 in der Aula begangen. Die Gedächtnisrede hielt der Oberlehrer Dr. Adam.

12) Am 22. November schied der Kandidat Hermann Giesselmann, der vom Herbst 1888 bis Herbst 1889 am Gymnasium das Probejahr abgelegt und nachher freiwillig einige Unterrichtsstunden übernommen hatte, aus dem Lehrerkollegium, um eine ihm angebotene Privatstellung in St. Petersburg anzunehmen.

13) Die Weihnachtsferien dauerten vom 24. Dezember 1889 bis zum 6. Januar 1890.

14) Am 27. Januar feierten wir das Allerhöchste Geburtsfest Seiner Majestät des Kaisers und Königs. Die Festrede hielt der Gymnasiallehrer Seipp.

15) Ende Januar erkrankte der Oberlehrer Lmmann an einem nervösen Leiden in so bedenklicher Weise, daſs er sofort seine Unterrichtsstunden aussetzen und um Beurlaubung bis zum Schlusse des bevor- stehenden Sommersemesters nachsuchen mulste. Der Urlaub wurde ihm gewährt, seine Vertretung aber dem Kandidaten des höheren Schulamtes Otto Noltemeier übertragen, der bis dahin als Probekandidat am hiesigen Rôalgymnasium beschäftigt war und nun zum Gymnasium übertrat. Den französischen Unterricht, in beiden Cöten der Oberprima übernahm der Hilfslehrer Dr. Müller. Überhaupt ist im verflossenen Jahre der Gesundheitszustand der Lehrer und Schüler kein günstiger gewesen. Durch den Tod hat die Anstalt zwei Zöglinge verloren. Am 15. August starb an der roten Ruhr ein braver Schüler der Quinta, Max v. Winnig. Da das traurige Ereignis in die Ferien fiel, konnte eine Beteiligung der Schule an der Beerdigung nicht stattfinden. Am 6. Dezember verschied der Obertertianer Fritz von Brockdorff, der trotz der Hindernisse, die ihm andauernde Kränklichkeit bereitete, infolge seines redlichen Strebens stets zu den besten Schülern seiner Klasse gehört hatte. Der Direktor, die Lehrer und Schüler der Obertertia gaben dem Entschlafenen am 9. Dezember das Geleit zur letzten Ruhestätte. Als die Influenza auf ihrem Rundgange durch Europa auch in Wiesbaden sich zeigte, lichteten sich die Reihen der Schüler, von denen an einem Tage(dem 10. Januar) fast ein Viertel der Gesamtzahl(110) fehlte. Doch verlief die Krankheit im allgemeinen günstig und ohne ein Opfer zu fordern. Unter den Lehrern wurde am heftigsten der Hilfs- lehrer Baumann betroffen, da sich an die Influenza bei ihm eine Rippenfell- und Lungenentzündung anschlofs, die ihn am 9. Januar auf das Krankenlager warf und an dasselbe noch jetzt gefesselt hält. So wurde leider wiederum ein Wechsel in der Verteilung mehrerer Lektionen nôtig, indem die Stunden des erkrankten Kollegen dem Oberlehrer Dr. Spiefs, Gymnasiallehrer Dr. Lohr und den Kandidaten Dr. Kilb, Dr. Küster und Steubing zugewiesen werden mufsten. Aufserdem waren der Direktor und 14 Lehrer auf kürzere Zeit den Unterricht auszusetzen genötigt.

16) Zu den bereits an der Anstalt bestehenden und der Aufsicht des Direktors unterworfenen drei Schülervereinen, dem Turnverein, dem Stenographenverein nach Gabelsberger und dem Stenographenverein nach Stolze, kam im Sommer vorigen Jahres ein vierter hinzu, nämlich ein Gymnasial-Musikverein, der am 15. Februar 1890 unter Leitung des Gesanglehrers Schmitt in der Turnhalle sein erstes Konzert gab. Die zahlreich erschienenen Zuhörer spendeten den Aufführungen reichen Beifall.

17) Die herkömmliche öffentliche Turnprüfung der Schüler fand unter aufserordentlich zahlreicher Beteiligung der Eltern sowie der Freunde der Anstalt Mittwoch den 12. März, nachmittags von 3 Uhr an statt. 4

18) Am 22. März d. J., als an dem Geburtstage des hochseligen Kaisers und Königs Wilhelm I., wird das Gymnasium in der Aula eine Feier veranstalten, bei welcher der Oberlehrer Bücheler die Gedächtnisrede halten wird.