Aufsatz 
Über die Behandlung der Himmelskunde am Gymnasium / von Joseph Klau
Entstehung
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von Fachmännern vorzulegen, sowie über ihm unklare Gebiete im Sprechsaal Aufschluſs zu erbitten. Werden die Schüler der höheren Schulen auf die angegebene Weise mit den nötigen Vorkenntnissen aus- gerüstet, und für den Gegenstand interessiert, so können die oben erwähnten Bestrebungen von schönem Erfolge für die allgemeine Bildung der Nation, sowie auch selbst für die Wissenschaft gekrönt werden.

III. Wann soll die Himmelskunde durchgenommen werden?

Es bpleibt nun noch die Frage zu erörtern, wann dieser ganze Unterrichtsstoff am Gymnasium erledigt werden kann, ohne dalfs die in der Stundenzahl ohnehin schon sehr beschränkte Physik darunter leidet. An dieser Stelle kann ich mir allerdings einen persönlichen Wunsch in Betreff des allgemeinen Lehrplanes der Gymnasien nicht versagen. Eine dritte wöchentliche Unterrichtsstunde für den natur- wissenschaftlichen Unterricht der oberen Klassen Sekunda und Prima würde uns Fachlehrern die Bewäl- tigung des reichen Stoffes ungeheuer erleichtern. Der Wunsch dürfte auch wohl kein unbilliger sein, da der Lehrplan von 1882 die Materie für die meisten preufsischen Gymnasien erweitert hat. Zwei wöchentliche Stunden beanspruchen aber wohl die Lehren der Physik, wenn sie sich auf alle im Lehrplan vorgesehenen Disciplinen, Mechanik, Wärme, Magnetismus, Elektricität, Akustik und Optik mit mathematischer Begründung in den Zweigen der Mechanik, Akustik und Optik erstrecken sollen, und so wird durch das Einschieben der Chemie und mathematischen Geographie notwendig eine Verkürzung dieser Unterrichtsgegenstände selbst oder des Hauptfaches, der Physik in einzelnen Teilen eintreten müssen. So lange aber mein Wunsch, den wohl viele Fachgenossen mit mir teilen, unerfüllt bleibt, müssen wir eben sehen, wie sich das Verhältnis am ersprieſslichsten für die positive Ausbeute an Können und Wissen gestalten läſst. An der hiesigen Anstalt, und wie ich ersehe, auch an den meisten anderen Gymnasien werden der Sekunda die Chemie und von den physikalischen Disciplinen Wärme ¹), Magnetismus und Elektricität überwiesen, sodals für die Prima Mechanik, Akustik, Optik und mathematische Geographie übrig bleiben. Die Begrenzung dieser letzten Fücher kommt für die in Rede stehende Frage zunächst nur in Betracht. Die Programme weisen wiederum nach, daſs bei getrennten Jahrgängen der Prima meist die Zeit der Unterprima, bei vereinigten Klassen einer der beiden Jahrgänge zum Unterricht in der Mechanik verwandt wird, während in dem anderen Jahr die Pensa der Akustik, Optik und mathematischen Geographie ²) absolviert werden. Der Oberprima die ganze Himmelskunde zuzuweisen, verbietet sich bei der Fülle des physikalischen Lehrstoffs ganz von selbst. Dem Sekundaner fehlen noch viele der unerläſs- lichen mathematischen Vorkenntnisse in Trigonometrie und Stereometrie. Also bleibt als passende Zeit nur das erste Jahr der Prima übrig³). Allerdings ist auch das Pensum dieser Klasse schon groſs genug, um den Unterricht in zwei wöchentlichen Stunden während eines Jahres voll auszufüllen, aber ich glaube, dafs hier ohne Schaden för die allgemeine Bildung der Schüler doch manches in den Lehrbüchern ent- haltene Kapitel weggelassen oder verkürzt werden kann. Vor allem können zunächst alle diejenigen Abschnitte, welche astronomische Gesetze enthalten, hier übergangen werden, da sie ihren Platz jetzt in dem speciellen Abschnitte über Himmelskunde haben. Es sind dies in unserem Lehrbuche(Koppe, Physik) z. B. die Paragraphen 40 c, Foucaults Pendelversuch, derselbe bildet einen der angeführten Beweise für

¹) Diese kommt auch häufiger in dem Plane der Prima vor.

²) Oft ist letztere auch dem ersten Jahrgange bereits überwiesen oder auf beide verteilt.

³) Dr. Krumme, Direktor der Realschule zu Braunschweig, hat auf dem zweiten deutschen Geographen- tage zu Halle die Forderung aufgestellt, die astronomische Geographie auf den geographischen Unterricht der Klassen VI bis II2 eiuschlieſslich zu verteilen und ihn dem Lehrer der Geographie zuzuweisen. Nach dem hier über den Umfang des Lehrstoffes Entwickelten verbietet sich diese Verteilung wie auch das Einfügen in den geo- graphischen Unterricht von selbst.