Aufsatz 
Über die Behandlung der Himmelskunde am Gymnasium / von Joseph Klau
Entstehung
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wälzungen, welche sich auf unserem Centralkörper vollziehen. Selbst die Bewegung(Rotation) der Sonne, sowie die Richtung und Geschwindigkeit der Gasausbrüche(Protuberanzen) auf derselben können mittelst des Dopplerschen Princips nach einer von Secchi und Zöllner angegebenen Methode aus der Verschiebung der Fraunhoferschen Linien bestimmt werden.

Das Spektrum der übrigen Glieder unseres Sonnensystems, der Planeten und des Mondes belehrt uns über die Fragen, ob der betreffende Himmelskörper noch eigenes Licht besitze oder nicht, ob er Atmosphäre hat oder nicht, und in welchem Verhältnis die vorhandene Atmosphäre zu der unsrigen steht. Vielfach hat das Spektroskop hier die Aufschlüsse des Teleskopes bestätigt, aber auch manches Neue dem bereits Bekannten zugefügt.

Weit wichtiger sind die Erfolge der Spektralanalyse in der Untersuchung der Fixsternwelt. Jene unendlich entfernten Sonnen, die uns in dem stärksten Fernrohr immer nur als leuchtende Punkte erscheinen, lassen uns durch ihre Spektrallinien sicher geschriebene Notizen über ihr Wesen und ihre Bewegung zukommen. Wo das Riesenteleskop gänzlich den Dienst versagte, trat das bescheidene Spektroskop mit sicherem Fingerzeige ein. In schöner Wechselwirkung stehen teleskopische und spektroskopische Unter- suchungen; nicht in gegenseitigem Widerspruch, sondern immer in harmonischer Ergänzung tritt die eine da ein, wo die andere aufhört. Oft hat das Fernrohr Unterschiede in den einzelnen Gliedern einer Gattung gefunden, ohne daſs man auf Grund dieser Beobachtungen dieselben erklären konnte. Die spektroskopische Untersuchung unterscheidet in gleicher Weise und führt zur Erklärung des Unterschieds. So ist bereits auf die verschiedenartige Färbung der Fixsterne hingewiesen; die spektralanalytische Untersuchung bestätigt diese Unterscheidung und zeigt, daſs der Grund hierfür in dem verschiedenen Stadium der Entwicklung(Konden- sation, Temperatur) zu finden ist. Secchi teilte die Fixsterne nach der Farbe in Typen. Nach Vogel und Lockyer zeigen die Spektra, daſs diesen Typen eine Skala der Entwicklungszustände entspricht. Man hatte pei verschiedenen Sternen eine Wandlung in der Helligkeit mit gleichmälfsiger oder ungleichmälsiger Periodität festgestellt; das Spektrum giebt die Erklärung für diese Erscheinungen(Vorbeigehen dunkler Begleiter, teilweise Erkaltung, gewaltige Gasausbrüche).

Das Fernrohr hat uns eine Eigenbewegung der Fixsterne in der zur Gesichtslinie senkrechten Richtung gezeigt, durch das Spektroskop können wir die Bewegung in der Gesichtslinie konstatieren und sind sogar in der Lage, dieselbe aus der Verschiebung der Spektrallinien zu messen(Huggins, Vogel, Lohse).

Vor Entdeckung der Spektralanalyse teilte Rosse die Nebelflecken bereits in auflösbare und nicht auflösbare ein. Er war aber nicht imstande, diese beiden Klassen scharf voneinander zu trennen, wulste er doch nicht, ob diejenigen Flecken, welche sein Instrument nicht aufzulösen vermochte, durch einen anderen verbesserten und vollkommeneren Apparat nicht vielleicht doch noch aufgelöst werden könnten. Auch hier trat die Spektralanalyse sicher entscheidend ein, indem sie zeigte, daſs die von Rosse u. A. in Sternhaufen aufgelöste Nebel, sowie auch einige andere, von ihm als auflösbar, aber noch nicht aufgelöst bezeichneten, aus bereits kondensierten leuchtenden Massen bestehen, während sie zuerst das Vorhandensein von wirklich unauflösbaren Nebeln, d. h. von gewaltigen, leuchtenden Gasmassen in groſser Verdünnung bewies. Hiedurch lieferte sie der Kant-Laplaceschen Theorie eine feste Stütze, indem sie zeigte, dals im Raume noch Weltmaterie im Zustande des ersten Entwicklungsstadiums vorhanden ist.

Über die Natur und den Zustand der Kometen hat die Spektralanalyse Aufschlüsse gegehen, die wieder eine Ergänzung zu den teleskopischen bilden. Wir haben es in diesen Gebilden mit Körpern von grofser Ausdehnung und geringer Masse zu thun(das Licht schwacher Sterne geht ungeschwächt hindurch). Die Vorgänge bei der Bildung von Kern und Schweif bei der Annäherung an die Sonne und ihr schlieſs- licher Ubergang in Meteorschwärme werden durch die spektralanalytischen Untersuchungen dieser einzelnen Teile ebenfalls dem Verständnis näher gerückt. Auch bilden diese Körper ein weiteres Glied in der Kette der Entwicklungsstadien, welche die Weltkörper nach Kant-Laplacescher Theorie durchlaufen.