Aufsatz 
Über die Behandlung der Himmelskunde am Gymnasium / von Joseph Klau
Entstehung
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ausüben muſs. Erkenntnis der Werke Gottes ist Erkenntnis Gottes selbst und dazu die einzige, die dem menschlichen Verstande gestattet ist. Die Welt ist das Geschichtswerk der Weltschöpfung und zwar

das von dem Schöpfer selbst geschriebene. Was wir hieraus lesen, ist göttliche Wahrheit. Wahrheit

aber ist es, wonach der Menschengeist verlangt; bieten wir also der nach derselben ringenden Jugend alles ohne Furcht und Vorurteil, was in jenem wahren Buche der Natur zu lesen ist.

Plateaus Versuch veranschaulicht die Bildung der Planeten und Nepenplaneten, die späteren spektralanalytischen Resultate, sowie die neuesten Entdeckungen(Spiralnebel) der gröſsten Sternwarte 1) geben weitere Bestätigung für die Richtigkeit der Hypothese.

f) Die Spektralanalyse im Dienste der Astronomie.

Dieser Abschnitt ist naturgemäfs erst mit denjenigen Schülern durchzunehmen, welche mit den Hauptlehren der Spektralanalyse hinlänglich vertraut sind. Alsdann kann er aber auch zugleich als ein Repetitionskursus für das früher Erlernte benutzt werden.

Bis zum Beginne dieses Jahrhunderts muſste sich die Astronomie darauf beschränken, Gröſse, Entfernung, Bewegung und gegenseitige Abhängigkeit der einzelnen Himmelskörper kennen zu lernen; die Frage nach dem Wesen und Zustand jener anderen Welten konnte sie aber nur mit ganz allgemeinen Vermutungen beantworten. Die jüngste der Naturwissenschaften, die Spektralanalyse, das Kind unseres Jahrhunderts, hat uns erst in den Stand gesetzt, jene Fragen mit wissenschaftlicher Begründung zu lösen. Keine Wissenschaft hat in so jungem Zustande so gewaltige Erfolge zu verzeichnen, als eben diese. Und wenn auch viele andere naturwissenschaftliche Disciplinen von ihren Resultaten grofſsen Nutzen gezogen haben, so hat doch gerade die Astronomie den Löwenanteil hiervon bekommen. Deshalb ist dieses Kapitel besonders geeignet, dem Primaner des Gymnasiums einen Einblick zu gestatten in die mächtigen Fort- schritte der Naturwissenschaft in unseren Tagen, umsomehr, da die mit Hülfe der Spektralanalyse gezogenen Schlüsse für einen denkenden Menschen so einfach und einleuchtend, ja zwingend sind, daſs ihnen der hypothetische Charakter vollständig abgeht und ihnen beinahe mathematische Sicherheit innewohnt. Für den deutschen Jüngling ist es dabei erhebend zu erfahren, welch grofsen Anteil die deutschen Gelehrten an diesem Forschungswerk genommen. Fraunhofer, Kirchhoff, Bunsen, Vogel etc. sind bahn- brechend in der Spektralwissenschaft gewesen. Ihnen verdanken wir die wichtigsten Lehren und zugleich die ersten Fingerzeige zu ihrer Verwertung in der Astronomie. In richtiger Würdigung der Wichtigkeit dieser Wissenschaft hat die preufsische Regierung allen anderen voran mit bedeutenden Mitteln eine eigene, für derartige Untersuchungen bestimmte Sternwarte in Potsdam gegründet und dieselbe unter die Leitung eines in der Spektralanalyse hervorragenden Mannes, des Prof. Vogel, gestellt.

Was die genannten Männer mit groſsartigen Hülfsmitteln erreicht haben, läfst sich dem Schüler mit einfachem Instrumente klar machen.;

Wohl jede Anstalt ist im Besitze eines Spektroskops oder Spekrometers, welches gestattet, die wichtigsten Fraunhoferschen Linien direkt zu zeigen. Gute Spektraltafeln, wie sie die Werke von Secchi, Schellen, Lockyer enthalten, geben ihm dann einen Begriff von der mit der Zeit, teils durch Beobachtung, teils durch die Photographie erweiterten Kenntnis des Sonnenspektrums. Aus der Beschaffenheit desselben lälst sich mit Hülfe des Kirchhoffschen Gesetzes über die Beziehung zwischen Absorption und Emission und auf Grund seiner Fundamentalversuche über die Entstehung dunkler Linien im kontinuierlichen Spektrum der Zustand der Sonnenphotosphäre und der sie umgebenden Atmosphäre erkennen. Die Spektra der Flecken, Protuberanzen, Korona eröffnen uns weite Ausblicke auf das Wesen dieser Gebilde und die Um-

¹) Licksternwarte in Kalifornien.