— 12— Begriff der Parallaxe(speciell Höhen- und Horizontalparallaxe) festgestellt, so zeige man, wie diese Grölse für den Mond gefunden wird, und lasse die Schüler aus dem ihnen angegebenen Werte die Entfernung, sowie Radius, Oberfläche, Volumen des Mondes berechnen.
Da die Mondbahn nicht mit der Ebene der Erdbahn zusammenfällt, so mufs der Mond die letztere bei jeder Drehung um die Erde zweimal schneiden(auf- und absteigender Knoten). Das Wandern der Durchschnittspunkte in 19-jährigen Perioden ist im vorigen Abschnitt über Präcession und Nutation bereits besprochen. Unter welchen Umständen kann eine Sonnen- oder Mondfinsternis entstehen? und warum finden dieselben nicht bei jeder Konjunktion resp. Opposition statt? Die Antwort wird nun der Schüler selbst finden. Die Finsternisse sind eingehend zu behandeln und womöglich an einem guten Tellurium darzustellen. Um falsche Vorstellungen zu vermeiden, empfiehlt es sich auch, die Mond- und Erdbahn zu kombinieren, da hierdurch erst die wahre Mondbewegung, sowie auch die Entstehung der Mondphasen genau verstanden werden kann. Aus der in gleicher Zeit erfolgenden Achsendrehung und Drehung um die Erde ergiebt sich, dafs der Mond uns stets dieselbe Seite zukehrt. Da aber die erste Bewegung gleich- mäſsig, die letztere nach dem zweiten Keplerschen Gesetz ungleichmäſsig vor sich geht, werden uns auch Teile der anderen Mondhälfte sichtbar.— Libration der Länge und Breite¹).
Der Mond hat keine Atmosphäre und kein Wasser. Wir schliefsen dies aus folgenden Umständen: Das Licht der Sterne wird in seiner Umgebung nicht abgelenkt, die schroffen Formen seiner Oberfläche lassen die abrundende Wirkung des Wassers vermissen²). Gebirge und Ebenen zeigen andere Gestaltung als auf der Erde. Die einzelnen specifischen Mondgebilde, Krater, Wall-Ring-Gradgebirge, Ebenen, Rillen, Strahlen werden dem Schüler beschrieben, und wenn ein brauchbares Fernrohr vorhanden ist, zur An- schauung gebracht. Auch empfiehlt sich die Vorführung guter Abbildungen) oder Photogramme mittelst eines Skioptikons.
Kuſserst wichtig sind die Wirkungen unseres Trabanten auf die Erde. Aulser den bereits besprochenen Finsternissen bringt er vor allen die Erscheinungen von Ebbe- und Flut(Gezeiten) hervor. Wie dieselben entstehen, in welchen Zeitintervallen sie sich wiederholen, und wann sie in verstärkter oder verminderter Gröſse auftreten, ist zu erörtern. Die Wirkungen der Gezeiten, wie sie zu Tage treten, im Reinigen der Flufsmündungen, im Fortschaffen von Schiffen, in der Verrichtung mechanischer Arbeiten (Flutmühlen), sowie in einer allmählichen Verlangsamung der Erdrotation zeigen die Bedeutung des Mondes für die Erdbewohner.
Bei vorhandener Zeit kann hier ferner erklärt werden, wie mit Hülfe der Mondtafeln und eines genau gehenden Chronometers die Länge eines Ortes auf der Erde zu bestimmen ist, wobei auch die Ermittelung der Breite durch Abmessen der Höhe des Polarsternes erörtert wird. Auch ist an dieser Stelle auf die wichtigen Dienste hinzuweisen, welche die Finsternisse der Astronomie leisten, indem sie uns manche Erscheinungen am Sonnenkörper, die wir sonst nicht unmittelbar beobachten können, zur Anschauung bringen. Nicht zu übersehen ist es, daſs sie auch manche wichtige Daten der Geschichte festgestellt haben. Ferner findet sich Gelegenheit, auf Falbs Erdbebentheorie einzugehen und die im Volke noch immer weit verbreitete Ansicht von dem Einfluls des Mondes auf das Wetter etc. zu widerlegen.
¹) Die parallaktische Libration hängt von dem Standpunkte der Beobachter und der Entfernung des Mondes von der Sonne ab. ²) Hierzu treten noch weitere mit Hülfe der Spektralanalyse gewonnene Gründe. ³) Sehr empfehlenswert ist das Werk von Nasmith und Carpenter:„Der Mond“. Deutsche Ausgabe von Dr. H. J. Klein. Leipzig 1876.


