Aufsatz 
Über die Behandlung der Himmelskunde am Gymnasium / von Joseph Klau
Entstehung
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drittes Gesetz) mathematisch abzuleiten sind. Aus dem zweiten Gesetze ergiebt sich eine ungleichmäſsige Geschwindigkeit der Bewegung im Perihel und Aphel und daraus eine Verschiedenheit zwischen wahrem und bürgerlichem Tage. Dies giebt Veranlassung zur Besprechung der Zeitgleichung und der damit zusammenhängenden Umstände. Zur Zeit des südlichen Sommers, der im Perihel stattfindet, werden, weil die Sonne aus geringer Entfernung und unter grolsem Winkel wirkt, gewaltige Wassermassen nach dem Süden gezogen, die während des nördlichen Sommers wegen der grölſseren Entfernung der Erde im Aphel nicht alle wieder zurückkehren können. Daher die Ansammlung des Wassers auf der südlichen Hemisphäre, bei dessen Verdunstung ein Wärmeverbrauch und somit Abkühlung stattfindet. Die gröſsere Hitze des südlichen Sommers wird durch den kühlen Winter im Süden aufgehoben, aber die schnellere Bewegung der Erde im Perihel verkürzt unseren nördlichen Winter und verlängert den Sommer um 8 Tage. Diese Verhältnisse tragen weiter zur Verringerung der Temperatur in der Südhälfte der Erde bei. Alle diese Umstände zusammen bewirken die gegenwärtige klimatische Zurücksetzung des Südens gegen den Norden. Dals diese Zustände keine ewigen sind, zeigt der nächste, über die Präcession handelnde Abschnitt..

c) Präcession und Nutation.

Aus der Anhäufung der Erdmasse in der Xquatorialzone und der schiefen Stellung der Sonne zu derselben entsteht das Bestreben der Sonne, die Erde so zu drehen, dafs die Ebenen des Aquators und der Ekliptik zusammenfallen. Wegen der Rotation der Erde ist diese Drehung nicht ausführbar, aber die Erdachse mufs infolgedessen mit Beibehaltung ihrer Neigung in einer der Rotation entgegengesetzten Richtung einen Kegelmantel beschreiben. Dies geschieht in einer Periode von 26 000 Jahren(Platonisches Jahr). In dieser Zeit beschreibt demnach der Himmelspol einen Kreis von 23 ½ 0 Radius um den Pol der Ekliptik(Aufsuchen der Nordpolarsterne für diese Periode an einer Himmelskarte). Ferner rücken in derselben Zeit die Nachtgleichen(Frühlings- und Herbstpunkte) um den Rquator, was für jedes Jahr eine Zunahme der Länge desselben um 50 29 ausmacht. Dieser Umstand hat auf einige der früher besprochenen Ortsbestimmungen der Gestirne Einfluss.(Frage: Auf welche?) Ferner entsteht daraus eine Verschiedenheit zwischen den Zeichen des Tierkreises und den betr. Sternbildern(Tierkreis von Denderah) und eine verschiedene Himmelsansicht für denselben Ort zu verschiedenen Zeiten. An Versuchen mit einem Kreisel oder Gyroskop können dem Schüler diese Verhältnisse leicht klar gemacht werden; auch lässt sich die Kegeldrehung der Erdachse als eine Folge der Anziehung der Sonne und der Rotationsbewegung der Erde mathematisch entwickeln ¹). Da auch der Mond eine ähnliche Wirkung auf die Erdachse ausübt, so entsteht das Wanken derselben, die Nutation mit 19-jähriger Periode. Das Wandern der Mondknoten in diesem Zeitraum und die Verkürzung der Zeit zwischen dem Passieren zweier gleichnamigen Knoten (Drachenmonat) sind die mit der Nutation notwendig verbundenen Thatsachen.

Nachdem so das Verständnis für das Kopernikanische Weltsystem gewonnen ist, kann man zur Betrachtung der physischen Beschaffenheit der einzelnen Himmelskörper übergehen.

3. Die Astrophysik. a) Mond.

Das nächste Objekt des Unterrichts ist unser Trabant, der Mond. Der früher bei Entwicklung der Gröſsenverhältnisse der Erde für den Erdradius gewonnene Zahlenwert dient nun als Basis für die Berechnung der Entfernung und Gröſse des Mondes. Ist der

¹) cf. Reis, Physik 150, 2.