Aufsatz 
Über die Behandlung der Himmelskunde am Gymnasium / von Joseph Klau
Entstehung
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die scheinbare tägliche Drehung des Himmelsgewölbes, das Auf- und Untergehen der Sterne etc. ebenso gut erklären lasse, als durch die Annahme, daſs die Erde still stehe, das Himmelsgewölbe dagegen eine von Ost nach West gerichtete Drehung in der gleichen Zeit ausführe. Man scheue die Mühe nicht, möglichst viele der vorher besprochenen Erscheinungen, wie Polhöhe, Circumpolarsterne etc. unter dem neuen Gesichtspunkte erklären zu lassen. Abgesehen von dem Nutzen, den eine derartige Repetition des früher Gelernten für den Schüler hat, wird er auch auf diesem Wege langsam und sicher in die andere Anschauungsweise übergeführt und von dem inneren Widerspruch zwischen der Beobachtung und dem Gelernten bewahrt. Nun erst bespreche man die direkten Beweise für die Achsendrehung der Erde, wie Abplattung(Plateaus Versuch), Abnahme der Schwere am Rquator, Pendelversuch, Fallversuch, Drehung der Passatwinde etc. Hieran schliefst sich eine Besprechung der physischen Beschaffenheit der Erde an. Die Gröſse, Masse und Dichtigkeit unserer Planeten liefern die Grundlage für alle astronomische Berechnungen. Ist es auch aus mancherlei Gründen nicht möglich, derartige Rechnungen mit den Schülern auszuführen, so gewährt es dem Primaner doch schon eine gewisse Befriedigung, wenn er über die Art und Weise unterrichtet ist, wie sich die Entfernung und Gröſse der anderen Gestirne unseres Sonnen- systems aus dem möglichst genau bekannten Erdradius ableiten lälst, und wie die Entfernung der Erde von der Sonne(der Radius der Erdbahn) die Basis abgiebt für die weiteren Berechnungen der Fix- sterne. Begreiflich werden dann die grolsen Anstrengungen, die in allen civilisierten Ländern gemacht werden, um die Gröſse unserer Erde kennen zu lernen. Die Methode, wie dies geschieht, durch Grad- messungen, welche selbst wieder mit Hülfe der Triangulation ausgeführt werden, läfst sich leicht aus- einandersetzen und aus dem so gefundenen Erdumfang lassen sich Erdradius, Oberfläche und Volumen berechnen. Die Verschiedenheit in der Länge eines Meridiangrades am Xquator und in anderen Breiten läſst die Abplattung der Erde erkennen und ihre Gröſse berechnen. Die Ermittellung der Dichtigkeit der Erde durch Pendelbeobachtungen, Drehwage und Horizontalpendel führt zur Bestimmung des Gewichtes und der Masse der Erde.

b) Revolution.

An dem früher benutzten Uranium wird nun weiter gezeigt, daſs alle Erscheinungen, welche sich aus der Annahme einer jährlichen Bewegung der Sonne in der Ekliptik ergaben, wie Sonnenhöhe zu verschiedenen Zeiten des Jahres, Wechsel der Jahreszeiten etc., ebenso gut erklärt werden können, wenn man annimmt, daſs die Erde sich in der gleichen Zeit, in demselben Sinne und in derselben Ebene um die Sonne dreht. Dann entwickelt man die Gründe für diese und gegen die frühere Annahme, wie Allgemeinheit der Bewegung eines kleineren Himmelskörpers um den gröſseren, scheinbare Bewegung aller Fixsterne in einem Kreis, einer Ellipse oder Geraden, abnorme Kraft und Kraftgesetze, welche der Erde als Mittelpunkt der Schöpfung innewohnen müfsten. Nun fragt es sich, welche Stellung nimmt die Erd- achse zur Ebene ihrer Bahn ein? Giebt man an einem einfachen Modell der Erdachse zuerst eine Stellung in der Ebene ihrer Drehung, dann senkrecht zu derselben, so ergeben sich daraus klimatische Ver-

hältnisse für die einzelnen Orte, die mit der Wirklichkeit in krassem Widerspruche stehen. Die Sonne steht für Orte vom Aquator bis 23 ½° nördlich und südlich von demselben jährlich zweimal mittags im Zenith. Aus diesen thatsächlichen Verhältnissen folgt dann, daſs die Erdachse gegen die Ebene der

Erdbahn um 23 ½° geneigt sein muls, daſs sie ihre Richtung während der Bewegung immer beibehält, also stets ¹) nach demselben Himmelspunkte zeigt. Hat der Schüler so auch hier den Kopernikanischen Standpunkt gewonnen, so gehe man zur näheren Besprechung der Revolutionsbewegung der Erde über. Die Erde folgt dabei den Keplerschen Gesetzen, welche jetzt genau zu erörtern und teilweise(zweites und

¹) D. h. für die Dauer eines Menschenlebens(cf. Präcession).