Aufsatz 
Über die Behandlung der Himmelskunde am Gymnasium / von Joseph Klau
Entstehung
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Der Beobachter am Aquator hat die Pole immer im Horizont, die Sterne des Rquators im Zenith. Alle Sterne des Himmels steigen senkrecht vom Horizont auf, sind einen halben Sterntag sichtbar, die andere Hälfte unsichtbar(senkrecht oder gerade Sphäre).

ontfernen wir uns von dem Xquator in nördlicher oder südlicher Richtung, so erhebt sich der Pol um ebenso viele Grade über den Horizont, als unsere Entfernung vom Xquator beträgt; damit gewinnt der Schüler leicht den Satz:Die Polhöhe ist gleich der geographischen Breite, aus welchem sich dann von selbst ergiebt, daſs die Höhe des Aquators das Komplement hierzu ist. Da sich zwei gröſste Kreise in einem Durchmesser schneiden, so schneidet die Aquatorebene den Horizont in einer von Osten nach Westen gehenden Geraden, ist also stets zur Hälfte über und zur anderen Hälfte unter dem Horizont. Die Sterne des Aquators gehen also im Osten auf, steigen schief bis zu einer Höhe, die gleich dem Komplement der geographischen Breite ist und gehen nach einem halben Sterntag im Westen unter(schiefe Sphäre). Auf dem angegebenen Wege führt eine einfache Überlegung weiter zur Bestimmung der Region der Circumpolarsterne, die soviel Grade um den Pol herum beträgt, als die Polhöhe angiebt. Ein gleicher Teil des Himmelsgewölbes um den entgegengesetzten Pol wird immer unsichtbar bleiben. Je näher ein Stern der einen oder anderen dieser Regionen liegt, um so längere Zeit wird er sichtbar oder unsichtbar sein, wobei die Sterne des Aquators gerade die Mitte einnehmen, indem sie die Hälfte der Zeit sichtbar, die andere Hälfte unsichtbar sind.

Die bis dahin besprochenen Erscheinungen lassen sich, wenigstens für die schiefe Sphäre, direkt am Himmel beobachten, und es wird dem Schüler Freude machen, nach einer einfachen Anleitung sich den Nordpol des Himmels selbst zu suchen, die Bewegung einiger Sternbilder der Circumpolarregion, (groſser und kleiner Bär, Kassiopeia) des Xquators(Gürtel des Orion) und aus anderen Himmelsgegenden selbst zu verfolgen. Sehr anschaulich werden diese Verhältnisse aber auch durch den von Mang in Karlsruhe konstruierten Universalapparat für jeden beliebigen Ort der Erde dargestellt. Empfehlenswert sind ferner einfache Zeichnungen in der Projektion, die der Schüler leicht verstehen und für jeden Breite- grad selbst entwerfen kann.

Ist auf diese Art die scheinbare Bewegung des Himmelsgewölbes als Ganzes nach allen Richtungen klar gestellt und verstanden, so kann nun die Sonne in den Kreis der Betrachtungen eingeführt werden.

Die Sonne behält ihre Stellung am Himmel nicht immer bei, sondern wandert im Laufe eines Jahres in einem um 23 ½° gegen den Xquator geneigten gröfsten Kreise, der Ekliptik, am Himmels- gewölbe. Sie hat demnach an jedem Tage eine andere Stelle am Himmel und führt täglich die Bewegung ihres betreffenden Himmelspunktes aus. Am 21. März und 23. September steht sie im Xquator, verhält sich also an diesen Tagen wie die Sterne dieses Kreises. Am 21. Juni steht sie 23 ½° nördlich vom Xquator, nähert sich mithin für uns der Circumpolarregion und ihre Verhältnisse werden dieser ähnlich; sie ist die längere Zeit sichtbar und kurze Zeit unsichtbar. Am 21. Dezember steht sie ebenso weit südlich vom Aquator, kommt also der Region der für uns nie sichtbaren Sterne in ihrer Stellung und somit auch in ihrer Erscheinung nahe; nur ein kleiner Theil ihres Tageskreises liegt über dem Horizont. Nun kann der Schüler selbst folgende wichtige Fragen beantworten: Wie hoch steht die Sonne bei ihrer oberen Kulmination(mittags) am 21. März, 21. Juni, 23. September, 21. Dezember an unserem Wohnorte? Wo geht dieselbe an den genannten Tagen auf und unter? Wie groſs ist die Sonnenhöhe zu der ange- gebenen Zeit an Orten von anderen Breiten? ¹1). Wo beginnt die Erscheinung der Mitternachtssonne? Wie erklärt sich die Verschiedenheit der Jahreszeiten für einen Ort der Erde? Wie der Unterschied im Klima in den verschiedenen Breiten? Das gleichzeitige Vorwärtsrücken in der Ekliptik während einer

¹) Die Lünge der Tag- und Nachtbogen für die einzelnen Orte der Erde zu irgend welchen Zeiten kann bei einiger Anleitung ebenfalls gefunden werden.