Aufsatz 
Die attische Kleruchie / von Oskar Kius
Entstehung
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der Treue der Potidaiaten mißtrauten und um einem Abfall vorzubeugen, teilweiſe Schleifung der Mauern, Stellung von Geiſeln und Rückſendung der korinthiſchen Beamten verlangten(Thuk. I, 58). Da dies verweigert wurde im Vertrauen auf die Hülfe des Perdikkas von Makedonien und der Korinthier, ſo begannen Herbſt 432 die Athener die Belagerung, die nach mannigfachen Wechſelfällen, nachdem ſie Tauſende von Hopliten und 2000 Talente gekoſtet hatte, endlich nach mehr als zweijähriger Belagerung Ende 430 zur Übergabe führte. Die Einwohner durften mit Weib und Kind abziehen und zerſtreuten ſich in der Chalkidike, in die Stadt ſchickten die Athener noch in demſelben Winter(430 auf 29) Kleruchen aus ihrer Mitte(Thuk. II, 70). Die Zahl derſelben giebt Diodor(XII, 46) auf tauſend an, vielleicht nach freier Erfindung. Die Athener blieben bis zu Ende des Kriegs im Beſitze der Stadt. 422 wird ein Verſuch des Braſidas erwähnt, Potidaia bei Nacht zu überrumpeln, indeſſen der Anſchlag mißlang (Thuk. VI, 135).

16. Lesbos.

Die Lesbier waren neben den Chiern die einzigen Bundesgenoſſen, welche ihre Freiheit bewahrt hatten und nach der Einrichtung des Ariſteides nur eine gewiſſe Anzahl von Schiffen zur Bundesflotte ſtellen mußten, wahrſcheinlich zehn(Thuk. III, 3), während all die Hunderte von früher autonomen Städten ihre Selbſtändigkeit verloren hatten und Tribut bezahlten. Wie dieſe Umwandlung vor ſich ging, darüber haben wir im einzelnen nur wenig Nachrichten. Wir hören von Thukydides(I, 98), daß Naxos zuerſt von allen bundesgenöſſiſchen Städten geknechtet wurde(466), bald darauf folgt auch Thaſos(463), und nach dem Kriege von 441/40 verlor Samos ſeine Selbſtändigkeit. Von ſonſtigen Kämpfen mit abgefallenen Städten erfahren wir bis zum peloponneſiſchen Krieg nichts Näheres, daß aber noch viele an die Reihe kamen, ſehen wir aus der Stelle des Thukydides(I, 98): 2mειριαα§ᷣe νπνας μνιασιν ςď xdors, Sureε,(scil. dοιυιτηα⁴.. Als Grund für den Abfall der meiſten Städte nennt Thukydides (1, 99) beſonders rückſtändige Beiträge an Geld und Schiffen und Verweigerung der Heeresfolge, als Grund der raſchen Unterwerfung die ſelbſt verſchuldete Hülfloſigkeit und Ohnmacht der meiſten Städte. Viele der ſpäter eingetretenen Städte mögen auch gleich von Anfang an tributpflichtig gemacht worden ſein, viele andere die Auflage von Tribut ſich ſtillſchweigend haben gefallen laſſen und ſo ohne Kampf in dasſelbe Verhältnis gebracht worden ſein, wie ihre Genoſſen, die ſich erſt gewehrt hatten. Kurz die Thatſache ſteht feſt, daß bei Beginn des peloponneſiſchen Krieges nur noch die Lesbier und Chier unab- hängige Bundesgenoſſen waren. Nun liegt es aber in der Natur der Sache, daß, auch ohne daß direkt in den Beziehungen zu Lesbos eine Anderung eingetreten war, doch der bloße Umſtand, daß Athen nicht mehr wie früher die Vorſitzende des Seebundes einiger Hundert freier Städte, ſondern die Herrin eines Seereiches war, das beinahe tauſend Städte umfaßte, unwillkürlich auch auf das Verhältnis zu Lesbos zurückwirken mußte. Wenn auch dem Namen nach noch frei, ſo fühlten ſich doch die Lesbier nicht ohne Grund als Unterthanen, die auf Befehl und im Intereſſe Athens fortwährend Schiffe und Menſchen her⸗ geben mußten. So hatten ſie denn. ſchon vor dem peloponneſiſchen Kriege den Abfall von Athen geplant, waren aber damals von den Lakedaimoniern nicht in ihren Bund aufgenommen worden(Thuk. III, 2). Im Jahre 429 aber trafen ſie ſo deutliche Vorbereitungen zum Abfall, dämmten ihre Häfen ein, legten Feſtungswerke an, bauten Schiffe u. ſ. w., daß die Athener durch Bewohner von Tenedos und Methymna, das allein von den lesbiſchen Städten treu blieb, davon benachrichtigt wurden. Ein beabſichtigter Handſtreich auf die Stadt bei Gelegenheit eines Apollofeſtes mißlang, und ſo mußte denn zur Belagerung