Aufsatz 
Die attische Kleruchie / von Oskar Kius
Entstehung
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dem Beiſpiel faſt aller Inſeln im ägeiſchen Meere, dem erxes Erde und Waſſer gaben, daß ſie dieſelben in Sparta wegen Verrates an der gemeinſamen Sache anklagten, was ein Eingreifen Spartas und die Überführung aiginetiſcher Geiſeln nach Athen veranlaßte. Der Krieg mit den peloponneſiſchen Mittel⸗ ſtaaten Korinth, Aigina und Epidauros, den die Athener von 459456 führten(Sparta ſelbſt wurde noch durch den dritten meſſeniſchen Krieg feſtgehalten), endigte nach zwei Seeſiegen der Athener(bei Kekryphaleia und Aigina) und längerer Belagerung mit der Unterwerfung der Aigineten. Sie mußten ihre Mauern niederreißen, ihre Schiffe ausliefern und Tribut zahlen. Derſelbe betrug 30 Talente, die höchſte Ziffer, die in den Liſten vorkommt. Ob damit auch der Eintritt in den atheniſchen Seebund auferlegt wurde, iſt deshalb zu bezweifeln, weil die Aigineten vor Ausbruch des peloponneſiſchen Krieges in Sparta darüber Klage führen, daß ſie ihre vertragsmäßige Unabhängigkeit nicht erhalten hätten. Es iſt unklar, welcher Vertrag hier gemeint iſt. Krüger(hiſt. Studien S. 192 ff.) glaubt darunter den dreißigjährigen Frieden des Perikles(445) verſtehen zu müſſen, der, wenn von den Veranlaſſungen zum peloponneſiſchen Krieg die Rede ſei, ſtets kurzwegτopdat genannt werde. Sollte hier ein anderer Vertrag gemeint ſein, ſo wäre ein Zuſatz nötig geweſen. Möglich iſt, daß in dieſem dreißigjährigen Friedensvertrag eine Beſtimmung vorkam, die ſich ſo deuten ließ, daß den Aigineten, als früheren Mit⸗ gliedern des peloponneſiſchen Bundes, Autonomie zugeſichert wurde. Sind ja doch, worauf Krüger hin⸗ weiſt, auch im Frieden des Nikias Beſtimmungen über Olynth und andere Städte aufgenommen geweſen, die nicht erfüllt worden ſind. Daß die Athener übrigens einer klar und deutlich ausgeſprochenen Bedingung des Vertrags entgegengehandelt haben ſollten, darf man bei ihrer damaligen bedrängten politiſchen Lage nicht annehmen. Gaben ſie doch auch ihre andern Erwerbungen im Peloponnes damals zurück. Mögen nun die Klagen der Aigineten in Sparta gerechtfertigt geweſen ſein oder nicht, jedenfalls erhöhten ſie den Haß der Athener und führten den Beſchluß derſelben herbei, am Ende des erſten Kriegs⸗ jahres die Aigineten von ihrer Inſel zu vertreiben und ſie durch attiſche Kleruchen zu erſetzen.Es ſchien ihnen ſicherer, ſagt Thukydides,daß ſie ſelbſt die Inſel beſäßen. Die Aigineten zerſtreuten ſich zum teil in Griechenland, zum teil erhielten ſie von den Lakedaimoniern Thyrea als Wohnſitz angewieſen zum Dank für ihre Unterſtützung im dritten meſſeniſchen Kriege(Thuk. IV, 56) und aus Rache für die Anſiedelung der vertriebenen Meſſenier in Naupaktos durch die Athener(Diod. XII, 44). Wie viel Kleruchen die Athener hinſchickten, wird nirgends geſagt. Duncker(IX, S. 435) vermutet zwei⸗ bis dreitauſend. Sicher aber blieben keine Aigineten mehr auf der Inſel wohnen. Diodor ſagt(. c.) œιάνη⁰ννπνναραάην τν τε iyοναν α ν ⁴ᷣοααν. Während des ganzen peloponneſiſchen Krieges ſind die Bewohner von Aigina Athener, wie Thuk.(VII, 57) für 413 in Sicilien und(VIII, 69) für 411 beim Staatsſtreich ausdrücklich bezeugt. Nach der Demütigung Athens kehrten natürlich die Aigineten, ſo viele ihrer noch übrig waren(denn die Athener hatten 424 einen Überfall auf Thyrea gemacht, die Stadt verbrannt und die Bewohner, ſo weit ſie nicht im Kampfe gefallen waren, nach Athen geſchleppt und dort als unverſöhnliche Feinde Athens hingerichtet) auf den Ruf Lyſanders in ihre Heimat zurück.

15. Potidaia.

Potidaia, auf dem Hals von Pallene überaus günſtig gelegen, hatte ſich, obwohl eine doriſche Stadt und Kolonie Korinths, dem atheniſchen Seebunde angeſchloſſen. Da es nebenbei auch in engem Verhältnis zu Korinth blieb(die Korinthier ſchickten jährlich Epidemiurgen hin), ſo iſt es nicht zu ver⸗ wundern, wenn die Athener bei dem wachſenden Haß und der ſchon offenen Feindſeligkeit der Korinthier