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Auch jetzt wiſſen wir über das Schickſal dieſer Stadt weiter nichts, als daß zur Zeit des Perikles, höchſt wahrſcheinlich 444 oder 443, der Beſchluß gefaßt worden iſt, ſie mit Athenern zu beſiedeln. Daß ein Ort ſchon früher daſelbſt beſtanden hat, ſieht man aus der Beſtimmung, daß der für die Götter vorbehaltene Bezirk denſelben verbleiben und kein neuer Zehnt des Landes für ſie aus⸗ gewählt werden ſolle. Daß die Stadt in Thrakien lag, erſieht man aus kurzen Notizen bei Heſych und Stephanus von Byzanz, ſowie aus der Inſchrift ſelbſt. Um die Gegend näher zu beſtimmen, hat ſchon Sauppe(1853) auf die Stelle bei Plutarch(Per. 11) aufmerkſam gemacht, wo es bei der Auf⸗ zählung der von Perikles veranlaßten Kleruchien heißt: eis dε‿ ορρ ν³⁴⁶ονς ασνπτσαν Gυνοσeινσοωπ³⁵⁸. Da dieſe Notiz ſehr gut zu der Gründung von Brea paßt, ſo ſcheint es, als ob dieſe Stadt weſtlich von Amphipolis im Binnenlande gelegen habe. Duncker(IX, S. 230), der die Zeit der Anſiedelung in den Herbſt 439 verlegt, ſetzt die Stadt an die Mündung des Waſſerlaufes, der aus dem See Bolbe in den ſtrymoniſchen Meerbuſen führt. Später wurde ſie jedenfalls mit den übrigen Städten in den dortigen Gegenden eine Beute Philipps von Makedonien. Bedeutender als für die Geſchichte der Stadt Brea iſt jedoch die Inſchrift für die Geſchichte der Kleruchien überhaupt und wird deshalb im zweiten Teil ihre beſondere Berückſichtigung finden.
ld. Aigina.
— Wie ſo häufig in Griechenland zwiſchen benachbarten Staaten ſeit alter Zeit grimmige Feind⸗ ſchaft beſtand, ſo war dies auch der Fall mit Athen und Aigina. Hier trug auch noch die Stammes⸗ verſchiedenheit zur Verſchärfung der Gegenſätze bei. Unverſöhnlich aber wurde der Haß, ſeitdem Athen den Aigineten auf dem Meere, das ſie bis dahin beherrſcht hatten, entgegenzutreten begann. An äußeren Anläſſen zum Kampf konnte es bei den tiefen innern Gegenſätzen der beiden Nachbarſtaaten nicht fehlen. So erzählt Herodot(V, 82 ff.), daß die Aigineten zuerſt wegen Epidauros mit Athen in Krieg gekommen ſeien. Die Epidaurier hatten an die Athener, die ihnen Olivenholz zu Götterbildern überlaſſen hatten, jährliche Opfergaben zu entrichten. Als jedoch eines Tages die Aigineten den Epidauriern dieſe Bilder raubten, unterließen dieſe die weitere Entrichtung des Opfers. Die Athener, welche ihre Göttin keine Einbuße erleiden laſſen wollten, hielten ſich nun auf Anweiſung der Epidaurier an die Aigineten und begannen den Krieg. Viel ſpäter, nach Vertreibung des Hippias aus Athen, gab neuen Anlaß zum Krieg ein Hülfsgeſuch der Thebaner(Her. V, 79 ff.), die auf Geheiß des delphiſchen Gottes, weil ſie allein den Athenern nicht gewachſen waren, ihre„Nächſten“, die Aigineten um Beiſtand baten.(Der Sage nach waren nämlich Thebe und Aigina Schweſtern, die Töchter des Flußgottes Aſopus). Die Aigineten gingen, wohl mehr aus altem Haß und nachbarlicher Eiferſucht als mit Rückſicht auf die verwandtſchaftlichen Beziehungen zu den Thebanern, auf dieſe Bitte ein und ſchickten zunächſt die Bilder der Aiakiden, ihrer Stammesheroen, und als dieſe nichts halfen,„Männer“. Von dieſer Zeit dauerte der Krieg, mit kurzer Unterbrechung während der Perſerkriege, bis zur Vernichtung der Aigineten. Herodot erzählt aus dieſen Kämpfen viele Einzelheiten, die ich hier übergehe. Als Vorbereitung für die Perſerkriege iſt der Kampf mit Aigina inſofern wichtig, als er die Athener veranlaßte mehr als bisher auf die Ausbildung und Vergrößerung ihrer Flotte bedacht zu ſein. Denn im Anfang des Krieges mit Aigina mußten ſie ſich noch von den Korinthiern Schiffe borgen, um nur halbwegs den Gegnern gewachſen zu ſein, und bei Beginn der Perſerkriege waren ſie der Flotte der Aigineten an Zahl um mehr als das Doppelte überlegen. Trotzdem ſchien es ihnen ſo gefährlich, daß die Aigineten, nach


