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geſchritten werden, die im nächſten Jahre, da die Spartaner mit ihrer Hülfe ſich gar zu läſſig zeigten, durch eine Meuterei der Volkspartei unterſtützt, zum Ziele führte. Das Strafgericht der erbitterten Athener war trotz der Aufhebung des erſten Blutbefehles, alle männlichen Bewohner zu töten, doch noch ſtreng genug. Über 1000 Mitylenäer wurden als Hauptſchuldige in Athen hingerichtet, die Mauern niedergeriſſen, die Schiffe weggenommen und ganz Lesbos mit Ausnahme des Gebietes von Methymna in 3000 Looſe geteilt, wovon 300 für die Götter ausgeſchieden, die übrigen an attiſche Kleruchen gegeben wurden. 3
An dieſer Stelle, der einzigen, wo er das Wort Kleruchen gebraucht(III, 50), ſagt nun Thukydides: Die Athener ſchickten die Kleruchen hin, aber dieſen machten ſich die Lesbier verbindlich Geld zu zahlen, nämlich zwei Minen jährlich für jedes Los, und bebauten das Land ſelbſt. Daß die atheniſchen Kleruchen auf Lesbos in Athen wohnen blieben, widerſpricht dem Wortlaut des Thukydides aeemεᷣαναά. Außerdem iſt es aber ſchon deshalb kaum anzunehmen, weil Athen ſonſt das mit ſo vieler Mühe eroberte Gebiet gar nicht zu behaupten vermocht hätte. Denn auf die alten Einwohner, die auf den Grundſtücken wohnen blieben, war kein feſter Verlaß, ſelbſt angenommen, was übrigens kaum zu verlangen geweſen wäre, daß dieſe den ernſtlichen Willen gehabt hätten, den Angriffen ihrer vertriebenen Landsleute von außen zu widerſtehen. Daß ſolche Angriffe drohten, erfahren wir durch Thukydides, welcher erzählt, daß les⸗ biſche Flüchtlinge ſich in den Beſitz der früher ihnen gehörigen, jetzt ebenfalls unter atheniſche Herrſchaft gekommenen feſtländiſchen Städte zu ſetzen ſuchten und Antandros befeſtigten, um von da aus Lesbos zu beunruhigen(IV, 52. 75). Alſo mögen immerhin viele der attiſchen Kleruchen in Athen geblieben ſein und ihre Abgabe bezahlt haben(ſ. oben unter Salamis), die Mehrzahl iſt jedenfalls nach Lesbos gegangen, ſchon um den Schutz des Landes zu übernehmen. Freilich im Jahre 412 iſt von attiſchen Kleruchen auf Lesbos nichts mehr zu verſpüren(vielleicht waren die meiſten nach der ſiciliſchen Kataſtrophe zur atheniſchen Flotte einberufen worden); denn die Chier erobern beim erſten Anlauf erſt Methymna und dann auch Mitylene. Beides wird ihnen zwar ſofort wieder durch eine atheniſche Flotte unter Leon und Diomedon entriſſen und für Athen erhalten, aber von atheniſchen Kleruchen, die noch auf der Inſel geweſen wären, erfahren wir kein Wort, ebenſo wenig wie bei den ſpäteren Kriegsereigniſſen, bei denen ja Lesbos noch eine große Rolle ſpielte, als Konon von Kallikratidas in Mitylene belagert wurde und die Athener zu ſeinem Entſatz ihren letzten Seeſieg erfochten, bei den Arginuſſen.
17. Torone.
Torone, im Süden von Sithonia, kam 424 in die Hände des Braſidas, der mit Hülfe einiger lakoniſch geſinnter Männer, die ihn herbeigerufen hatten, bei Nacht die Stadt überrumpelte. Eine atheniſche Beſatzung von fünfzig Hopliten, die darin waren, entkam nach einer kleinen Feſtung auf dem Vorgebirge Lekythos, die Braſidas ebenfalls am dritten Tage mit Sturm nahm(Thuk. IV, 110 ff). Im Jahre 422 gelang dem Kleon die Rückeroberung der Stadt, in der Braſidas nur eine kleine pelo⸗ ponneſiſche Beſatzung zurückgelaſſen hatte. Die Peloponneſier und die männliche Bevölkerung von Torone wurden nach Athen geſchickt, Weiber und Kinder in die Sklaverei verkauft(V, 2 ff). Eine Abſendung von Kleruchen in die Stadt wird zwar von Thukydides nicht erwähnt, ſcheint aber der ganzen Sachlage nach ebenſo wie bei Skione ſtattgefunden zu haben(Kirchhoff l. c. S. 10). Die gefangenen Toronäer wurden nach Abſchluß des Friedens des Nikias wieder freigegeben und Mann gegen Mann von den Olynthiern ausgewechſelt(Thuk. V, 3).


