Aufsatz 
Die attische Kleruchie / von Oskar Kius
Entstehung
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10. Naxos.

Naxos, die größte und wichtigſte der Kykladen, die 501 dem beabſichtigten Überfall des Ariſta⸗ goras glücklich entgangen war, erlag 490 als erſte griechiſche Stadt dem Angriff des Datis. Seitdem verlor es an Bedeutung. Vor der Schlacht bei Salamis ſtießen vier naxiſche Schiffe, die für die Perſerflotte beſtimmt waren, auf Betrieb des Demokritos zu den Griechen(Her. VIII, 46) und erwarben ſomit für ihre Stadt die Ehre der Erwähnung auf dem delphiſchen Dreifuß. Dem deliſchen Bunde trat die Inſel bei, fiel aber 466 aus unbekannten Gründen ab, und war die erſte Bundesſtadt, welche gegen die beſtehenden Verträge in die Knechtſchaft gebracht wurde(Thuk. I, 98). Erſt etwa zwölf Jahre ſpäter(nach Diodor XI, 8S im Jahre 453) ſchickten die Athener Kleruchen unter Tolmides auf die Inſel(Plut. Per. 11, Paus. I, 27, 5). Daß der Grund hierzu in dem Verhalten von Naxos gelegen hätte, braucht man nicht anzunehmen; denn damals, als der Krieg mit Sparta und den Peloponneſiern ruhte, legte Perikles auch an andern Punkten(ſ. Cherſones, Euboia, Andros, Brea) Kleruchien an. Eine Angabe über die Zahl der nach Naxos geführten Kleruchen findet ſich nur bei Plutarch(l. c.), nämlich 500. Duncker, der in der verſtümmelten Stelle bei Diodor die Lücke an der unrichtigen Stelle annimmt, glaubt auf 1000 Kleruchen ſchließen zu müſſen. Mit den 1000andern ſind aber die nach Euboia gemeint und dasandern ſteht im Anſchluß an die vorhergenannten 1000, welche Perikles nach dem thrakiſchen Cherſones führte. Wenn Duncker nun bei Plutarch(Per. 11) die Zahl 500 für Naxos angegeben findet, ſo erklärt er dies für eine ſpäter nachgeſandte Verſtärkung, zumal da bei Diodor und Plutarch ſehr beſtimmt Tolmides und nicht Perikles als Oikiſt bezeichnet werde. Aber Plutarch will damit nur ſagen, daß dieſe Maßregel von Perikles, dem damaligen Leiter der innern Politik Athens(die Leitung der äußeren Politik hatte Kimon wieder übernommen) ausgegangen ſei, ohne daß er ihn deshalb als Oikiſt im engeren Sinne des Wortes aufgefaßt wiſſen will, ſo wenig wie bei der Kolonie nach Brea(zu den Biſalten), deren Oikiſt, wie wir aus der Stiftungsurkunde über Brea wiſſen, Demokleides war. Über die Zeit der Abſendung können diesmal die Tributliſten gar keinen Aufſchluß geben, weil zufällig in den der Anſiedelung durch Tolmides vorausgehenden Jahren Naxos, obwol es ſicher ſeit 466 Tribut gezahlt hat, nicht vorkommt. Daß aber Kleruchen auf der Inſel gewohnt haben, wird indirekt doch durch die Liſten beſtätigt, die von 448 an einen Tribut von 6 ½ Talenten aufweiſen, der ſonſt für die Größe und den Reichtum der Inſel zu niedrig ſein würde.

lI. Andros.

Andros hatte Schiffe zur Flotte des Xerxes ſtoßen laſſen und war deshalb nach der Schlacht bei Salamis von Themiſtokles vergeblich belagert worden. Später gehörte es dem atheniſchen Seebunde an. Nach Plutarch(Per. 11) ſchickten die Athener 250 Kleruchen nach Andros. Es ſteht dies im Zuſammenhang mit andern Ausſendungen von Kleruchien, ſ. unter Euboia, Naxos, thrakiſcher Cherſones. Brea. Kirchhoff verlegt dies Ereignis in das Jahr 451, weil von 450 ab der Tribut der Inſel auf die Hälfte herabgeſetzt wurde. Sonſt haben wir keine Nachricht darüber, daß die Andrier Athener geweſen ſeien. Bei Thukydides(IV, 42) erſcheinen ſie als Suεόάφασ, ebenſo VII, 57 unter den zinspflichtigen Unterthanen. Auch die Hopliten von Andros, welche zur Zeit des Staats⸗ ſtreichs 411 in Athen waren, werden nicht als Athener bezeichnet(Thuk. VIII, 69). 407 verſucht