Aufsatz 
Die attische Kleruchie / von Oskar Kius
Entstehung
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dieſer atheniſchen Kleruchie muß ſich eine einheimiſche Gemeinde erhalten haben, wie daraus hervorgeht, daß die Eretrier Tribut zahlten und bei Thukydides(VII, 57) ausdrücklich bei den Unterthanen aufgezählt werden. Derſelbe Schriftſteller,(VIII, 95) erwähnt eine Feſtung der Athener im Gebiete von Eretria; nach der Niederlage bei Eretria durch die Peloponneſier hätten ſich nur diejenigen gerettet, welche in die Feſtung im Gebiete der Eretrier geflohen wären: 0 l2o αιο. Sonſtige Anſiedelungen auf Euboia nach Überwältigung des Aufſtandes von 445 laſſen ſich außer den drei genannten Städten Challis, Eretria und Oreos nirgends nachweiſen, hatten aber höchſt wahrſcheinlich ſtattgefunden, wie man aus der oben angeführten Stelle des Andokides und nach einer anderen in Ariſtophanes Wolken(213) ſchließen kann, wo es heißt, Perikles habe die Inſel darniedergeſtreckt.

9. Der thrakiſche Cherſones

war in den erſten Zeiten des Peiſiſtratos von dem Athener Miltiades aus dem Hauſe der Philaiden erworben worden, indeſſen nicht für Athen, ſondern nur für ſein Haus, ebenſo wie Sigeion am Hellespont nur als ein Privatbeſitz der Peiſiſtratiden anzuſehen iſt. Die Dolonker hatten den Miltiades auf Geheiß des delphiſchen Orakels an ihre Spitze berufen, um ſie gegen die andrängenden Apſinthier zu ſchützen(Her. VI, 34 ff.). Miltiades hatte dieſem Vertrauen entſprochen, den Cherſones durch eine Quermauer über den Hals der Halbinſel gegen die Einfälle der Barbaren geſichert und ein kraftvolles Regiment geführt, ebenſo nach ihm ſeine beiden Neffen, ſeines Bruders Kimon Söhne, zuerſt Steſagoras, dann nach deſſen Ermordung der jüngere Miltiades, der nach Niederwerfung des joniſchen Aufſtandes aus Furcht vor der Rache des Darius wegen des Rates bei der Iſtrosbrücke nach Athen flüchtete. Seine Nachkommen blieben in Athen und verzichteten alſo auch nach Vertreibung der Perſer auf ihren alten Beſitz. Die Cherſoneſiten traten dem deliſchen Bunde bei und zahlten die Halbinſel war ſehr fruchtbar einen hohen Tribut. Dieſer Tribut wurde 446 ſehr bedeutend herab⸗ geſetzt von 18 Talenten auf 1 Talent), ſo daß Kirchhoff(l. c. S. 27) vermutet, daß die 1000 attiſchen Kleruchen, welche Plutarch(Per. 11) erwähnt, kurz vor 446 dahin geſchickt worden ſind. Durch dieſe Anſiedelung wurde das griechiſche Element auf der Halbinſel gegenüber der einheimiſchen barbariſchen Bevölkerung bedeutend geſtärkt, nebenbei vielleicht auch, wie Curtius(Gr. Geſch. II, S. 162) vermutet, dem Kimon, der die ſechs Jahre ſeiner Verbannung daſelbſt zugebracht hatte, eine Aufmerkſamkeit erwieſen, wenn Perikles an dem, was Kimons Vorfahren begonnen hatten, weiter baute, indem er die Schutzmauer des Miltiades erneuerte und durch Anſiedelung von tauſend Bürgern die Halbinſel am Hellesponte zu einem attiſchen Beſitze machte. Ob aber Kirchhoff mit Recht wegen der 446 erfolgten Herabſetzung des Tributes auch die Gründung der Kleruchie kurz vor das Jahr 446 verlegt, ſcheint mir doch zweifel⸗ haft. Denn einmal ſprechen die Angaben Diodors(XI, 88) und Plutarchs(Per. 11) für das Jahr 453(in dieſe Zeit der Kampfesruhe paſſen ſolche Unternehmungen, wie auch die Anſiedelungen von Euboia, Naxos und Andros, beſſer, als in die Zeit der Wirren nach Kimons Tod), und ſodann kann, wie auch u. Köhler ausdrücklich hervorhebt, eine ſo bedeutende Herabſetzung des Tributes durch die Kleruchen⸗ ſendung nicht hinlänglich erklärt werden, da bei dem Reichtum des Cherſones mit ſeinen zwölf Städten eine Sendung von tauſend Mann keinen ſo großen Einfluß ausüben konnte. Der Cherſones galt noch lange für einen ſehr wichtigen Beſitz der Athener, namentlich auch deshalb, weil er die Getreideeinfuhr aus dem ſchwarzen Meere ſicherte, und noch zu den Zeiten Philipps wurden mehrmals(353 und 343) attiſche Kleruchen hingeſchickt(ſ. Dem. Chers.).