Aufsatz 
Die attische Kleruchie / von Oskar Kius
Entstehung
Einzelbild herunterladen

11

Zeit geblieben. Dieſe Urkunden, die bis in das 3. Jahrhundert nach Chriſti reichen, ſind deshalb nicht ohne Wert, weil ſie Rückſchlüſſe auf das Weſen der Kleruchien im allgemeinen und beſonders auf ihr Verhältnis zu Athen geſtatten(ſ. Conze l. c.).

6. Skyros.

Die Eroberung von Skyros ſcheint der von Eion bald gefolgt zu ſein, wenigſtens erwähnt Thuky- dides die beiden Ereigniſſe unmittelbar hintereinander. Die räuberiſchen Doloper, welche die Inſel be⸗ wohnten, hatten ſich durch ihre Gewaltthätigkeiten ſie ſollen theſſaliſche Kaufleute beraubt und in den Kerker geworfen haben die Verurteilung durch die delphiſchen Amphiktionen zugezogen. Mit der Voll⸗ ziehung des Spruches wurden die Athener beauftragt, die indeſſen auch ohne dies Grund genug hatten, auf dem ägeiſchen Meere keine Seeräuber zu dulden. Kimon eroberte ihre Stadt und ſiedelte daſelbſt atheniſche Bürger an. Im Frieden des Antalkidas bleibt die Inſel nebſt Lemnos und Imbros als altes Beſitztum den Athenern.

7. Die thaſiſchen Beſitzungen an der thrakiſchen Küſte.

Im Friedensſchluß 463(ſ. unter Eion) waren die Thaſier gezwungen worden, ihre Mauern niederzureißen, ihre Flotte auszuliefern, Tribut zu zahlen und ihre Beſitzungen auf dem Feſtland mit den berühmten Bergwerken abzutreten. Eine Beſiedelung des Landes durch attiſche Kleruchen wird zwar nirgends erwähnt, wird aber trotzdem, um die wichtige Erwerbung behaupten und ausbeuten zu können, ſtattgefunden haben. Daß ſpäter atheniſche Bürger, z. B. Thukydides, reiche Beſitzungen in der dortigen Gegend hatten, ſcheint darauf hinzudeuten. Kirchhoff(l. c. S. 15) vermutet(nach Böckh II, 632), daß den Thaſiern ſpäter ein Teil der Beſitzungen zurückgegeben worden ſei und bringt damit die Erhöhung des Tributs im Jahre 444 von 3 Talenten auf 30 in Zuſammenhang, eine Maßregel, die ſich allerdings, zumal damals ſonſt faſt keine Erhöhungen ſtattgefunden zu haben ſcheinen(nur noch zwei ſind nachweisbar, aber nicht in dem Verhältnis und aus anderen Gründen(Syntelie) zu erklären, kaum anders auffaſſen läßt. Was die Athener freilich zu dieſem Schritt bewogen haben mag, bleibt unbekannt.

8. Euboia.

Auf Euboia, das wegen ſeiner Nähe und ſeiner Fruchtbarkeit von ungeheuerer Wichtigkeit war, begnügte man ſich nicht mit dem Gebiet von Chalkis, das ſchon ſeit 506 in den Händen der Athener war. Andokides(de pace 9) behauptet, die Athener hätten unmittelbar nach dem Frieden des Nikias zwei Drittel von Euboia beſeſſen. Von Heſtiaia abgeſehen, von dem nachher die Rede ſein wird, erfahren wir nur, daß gleichzeitig mit den Anſiedelungen in Thrakien und auf den Inſeln Naxos und Andros auch auf Euboia und zwar durch Tolmides 1000 attiſche Kleruchen angeſiedelt worden ſeien,(Diod. XI, 88 und Plut. I, 27. 5), eine Maßregel, die vielleicht den Abfall von Euboia mit veranlaßt hat. Und zwar ſind damals nach der wahrſcheinlichen Ergänzung einer ſtark derſtümmelten Inſchrift atheniſche Kleruchen nach Eretria geſchickt worden. Eretria war nach der perſiſchen Zerſtörung(490) wieder aufgebaut worden, und konnte ſchon 480 wieder 7 Schiffe zur griechiſchen Flotte ſtoßen laſſen(Her. VIII, 1). Auch neben

2