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die Hauptſtadt der Athener in Thrakien und deshalb ſeine Einnahme durch Braſidas als ein ſchwerer Schlag empfunden. Eion blieb zwar den Athenern erhalten, hatte aber nach dem Verluſt von Amphipolis bedeutend an Wert verloren.
4. Lemnos und 5. Imbros.
Wir behandeln beide Inſeln zuſammen, weil Imbros faſt immer nur mit dem bedeutenderen Lemnos zuſammen genannt wird und beide Inſeln ein ganz gleiches Geſchick gehabt zu haben ſcheinen. Nach Oekataios bei Herodot(VI, 136 ff.) ſind in alter Zeit dieſe Inſeln von Pelasgern bevölkert worden, die von den Athenern aus Attika ausgetrieben waren. Dieſe hätten dann, ſo fährt Herodot zu erzählen fort, um ſich zu rächen, bei einem Feſte der Artemis zu Brauron atheniſche Frauen geraubt und nach Lemnos geſchleppt. Später, als die Kinder derſelben heranwuchſen und, nach Sprache und Sitte Athener, den übrigen gefährlich zu werden drohten, erſchlugen die Pelasger dieſelben ſamt ihren Müttern, eine Unthat, die den Namen der Lemnier für alle Zeiten gebrandmarkt habe; denn von dieſer Zeit an habe man ein ſchweres Verbrechen eine lemniſche That genannt. Auch die Strafe der Götter blieb nicht aus. Unfruchtbarkeit und Hungersnot veranlaßte die Pelasger ſich nach Delphoi zu wenden. Dort erhielten ſie den Befehl, ſich den Strafbeſtimmungen der Athener zu unterwerfen. Da die Athener aber verlangten, ihnen ihre Inſel abzutreten, gaben die Pelasger zur Antwort: Wenn der Nordwind an einem Tage Schiffe aus eurem Land in das unſrige bringen wird, wollen wir euch dasſelbe übergeben, d. h. wir werden euer Verlangen nimmermehr erfüllen.
Nach dem Skythenzug des Darius wurden die beiden Inſeln von dem Perſer Otanes unter⸗ worfen r ore dr TIsAασꝓυρν oolzνeεονμινας(Her. V, 25 f.). Die Lemnier, die ſich tapfer verteidigt hatten, erhielten den Lykaretos zum Herrſcher, einen grauſamen Tyrannen, der ſie in ſtrenger Herrſchaft hielt, bis er endlich von ihnen erſchlagen wurde. Kurz darauf kam Miltiades, Kimons Sohn und Neffe des unten(S. 12) genannten Miltiades vom Cherſones her nach Lemnos gefahren und verlangte Räumung der Inſel unter Berufung auf ihre frühere Erklärung. Die Hephäſtier gehorchten auch gutwillig, die Myrinäer aber unter ihrem Könige Hermon, welche behaupteten, der Cherſones ſei nicht Attika, wurden belagert, bis ſie ſich ergaben. Zenobios(III, 85) ſagt bei Erklärung des Sprüchworts Nνμιιοσο ½⁴αο⁴ι, die Pelasger hätten Lemnos aus Furcht vor den Perſern ohnedies verlaſſen wollen und demnach dem Miltiades ein Geſchenk gemacht, das für ſie ſelbſt keinen Wert mehr hatte. Nach Vertreibung der Pelasger wurden die Inſeln durch Miltiades mit Cherſoneſiten bevölkert, die zwar atheniſcher Abkunft waren, aber ſicher keine atheniſchen Bürger, denn ſonſt würden ſie ſich nicht den Perſern bald darauf unterworfen haben, ſondern nach Athen zurückgekehrt, beziehungsweiſe zurückberufen worden ſein. Da brach nach Niederwerfung des joniſchen Aufſtandes die Perſerherrſchaft auch über dieſe Inſeln herein. Aber ſchon bei Artemiſion ging ein lemniſches Schiff zu den Griechen über(Her. VIII, 11), deſſen Befehlshaber Artemidoros zum Dank dafür von den Athenern ſpäter mit einem Landgut auf Salamis beſchenkt wurde.
Nach Thukydides(VII, 57), wo unter den atheniſchen Bürgern neben den Aigineten und Heſtiaiern auch die Lemnier und Imbrier mit aufgezählt werden, waren die Inſeln damals im Beſitz attiſcher Kleruchen( αονς εμm ‿dm qοονm*α—»Jνιιαοαςα ν̈νανενο 1i ετμι α 1εο. Wann aber ſind dieſelben dahingekommen? Darüber fehlt uns jeder ausdrückliche Bericht. Da Perikles im Anfang des Samiſchen Kriegs die Geiſeln der Samier nach Lemnos in Verwahrung gab(Thuk. I, 115),
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