Aufsatz 
Die attische Kleruchie / von Oskar Kius
Entstehung
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kommen. Hiernach iſt auch die Darſtellung Plutarchs(Per. 23), die ich ſchon oben(als Verwechſelung mit 506) angezweifelt habe, als unhiſtoriſch zu verwerfen. Will man aber etwas von der Plutarchiſchen Erzählung retten, ſo kann man annehmen, daß viele der chalkidiſchen Emigranten, Nachkommen der 506 vertriebenen Hippoboten, die, wie Thukydides(I, 113) ausdrücklich bezeugt, am böotiſchen Aufſtand beteiligt waren, nach dem Gelingen desſelben nach Chalkis zurückgekehrt waren und jetzt zum zweiten Male vertrieben wurden. In dieſer Vertragsurkunde, in welcher die Chalkidier als Unterthanen des atheniſchen Volkes ſich zur Zahlung von Tribut, Hülfeleiſtung gegen die Feinde, zu Treue und Gehorſam gegen die Athener verpflichteten, iſt die wichtigſte Stelle: c G ε£eτοις οις ν Xœννι ⁶ι ευσ α νιαές un τε‿ονσι⁴οννπνσε να ε τ έοτσσσ ⁶ση τοων ϑeρυμο ταιιν⁴ςμνννναυκoωνσέ̈νεναα, ds der dαος 1ααεν 2 Xælaidæ, das heißt aus dem ſchwerfälligen amtlichen Stil übertragen: die Fremden ſollen, außer den nach Athen abgabepflichtigen oder ausdrücklich von den Athenern für ſteuerfrei erklärten ebenſo wie die Chalkidier ſelbſt ihre Gemeindeabgaben zahlen. Unter den in Chalkis anſäſſigen nach Athen abgaben⸗ pflichtigen Fremden glaubt nun U. Köhler, der dieſe Inſchrift in den Mitth. d. arch. Inſt. veröffentlicht hat (ſ. o.), die atheniſchen Kleruchen verſtehen zu müſſen, wodurch allerdings die oben erwähnte Foucart'ſche Vermutung, daß Kleruchen Abgaben gezahlt hätten, eine neue und zwar entſcheidende Beſtätigung erhalten würde. Aber die Köhler'ſche Annahme wird dadurch bedenklich, daß doch ſchwerlich in einer Urkunde der Athener mit Bezug auf ihre eigenen Mitbürger der Name 86 ο gebraucht worden ſein kann. Duncker(IX, S. 91) beſtätigt meine Anſicht, wenn er annimmt, daß durch dieſe Beſtimmung nur den attiſchen Metöken die Niederlaſſung in Chalkis erleichtert werden ſollte. Seit 445 alſo waren die Chalkidier Unterthanen der Athener, und wir dürfen uns demnach nicht wundern, wenn ſie bei Thukydides(VII, 57) als ſolche im Gegenſatz zu den atheniſchen Bürgern aufgezählt werden. Übrigens ſcheint dasſelbe Los auch andere Kleruchien der älteren Zeit getroffen zu haben; denn z. B. von Eion hören wir ſpäter nie, daß atheniſche Bürger daſelbſt gelebt hätten.

3. Eion.

Die erſte Waffenthat der Athener nach Eroberung der Hegemonie, von der uns berichtet wird, war 476 die Eroberung von Eion am Strymon, das der tapfere Perſer Boges bis aufs äußerſte ver⸗ teidigt hatte. Duncker(VIII, S. 145) läßt, um die verſchiedenen Berichte über die Einnahme Eions durch Kimon bei Thukydides(I, 98) und Pauſanias(VIII, 8, 9) in Einklang zu bringen, die Stadt zweimal erobern, zuerſt 476 gegen die Perſer, ſodann 469 gegen die Thraker. Die alten Bewohner, ſo viel ihrer noch übrig waren, wurden in die Sklaverei verkauft. In das Gebict der verödeten Stadt ſchickten die Athener auf dieſen für die Herrſchaft im Norden des ägeiſchen Meeres ungemein wichtigen Punkt Anſiedler aus ihrer Mitte, gerieten aber bald darauf mit den Thaſiern in Kampf, welche die reichen Bergwerke ihrer Inſel gegenüber, die ſie ſeit alters beſaßen und ausbeuteten, nicht in die Hände der Athener fallen laſſen wollten. Noch ehe Thaſos nach dreijährigem Krieg ſich ergab, ſchickten die Athener 10000 Anſiedler aus ihrer und der Bundesgenoſſen Mitte unter Leagros, dem Sohne des Glaukon, den Strymon aufwärts, um ſich in Ennea Hodoi, das den Edonern gehörte, feſtzuſetzen. Dieſe wurden aber alle bei Drabeskos von den Thrakern erſchlagen. Hierbei fand auch der tapfere Sophanes aus Dekeleia, der ſich bei Plataiai beſonders hervorgethan hatte, den Tod(Her. IX, 75). Erſt 437 gelang die Gründung der neuen Kolonie am Strymon unter Hagnon, der die Edoner aus Ennea Hodoi vertrieb und der neuen Anſiedelung den Namen Amphipolis beilegte(Thuk. IV, 102). Dies wurde jetzt