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Gemeinschaft der Menschen„Es hilft ihm nicht, daß ihm vergönnt ist, ihr Tun und Leben anzuschauen; vergebens muß er sich über die träge Langsamkeit der Welt und über ihre matten Bewegungen beklagen. Er wünscht sich immer neue Verhältnisse, von außen immer andere Aufforderungen zum Handeln, und neue Freunde, nachdem die alten, was sie konnten, auf sein Gemüt gewirkt, und allzu langsam weilt ihm überall das Leben. Und wenns auch in beschleunigterem Lauf ihn tausend neue Wege führen wollte, könnte denn in der kurzen Spanne des Lebens sich die Unendlichkeit erschöpfen?“! Wer dagegen die Götterkraft der Phantasie zu brauchen versteht, ist nicht auf das dürftige Maß äußeren Erlebens einge- schränkt. Er vermag sich durch sie jedes Verhältnis, in dem er einen anderen erblickt, zum eigenen zu machen. Kraft inneren Handelns vermag er auch von dem Fremden Be- sitz zu nehmen, als wäre es in der Wirklichkeit sein Eigenes, und mittelst der Phantasie wird auch das Fremde dermaßen Bestandteil des eigenen Wesens, daß das äußerliche Er- leben hernach nur als Bestätigung und Probe des früheren reicheren inneren erscheint. Aus dieser hohen Bewertung des Phantasieerlebens spricht ganz die Auffassung der Ro- mantik. Das unendliche Schweifen der P'hantasie gibt dem Menschen so recht die Möglich- keit seines Ichs bewußt zu werden, es zu entfalten. Phantasie bringt die hohe Welt der Künstler hervor, und sie vermag ein zutreffenderes Weltbild zu schaffen als der Verstand: sie gestaltet das Leben zur Dichtung um. Was für die Aufklärung die Vernunft bedeutet hatte, das ist die Phantasie für die Romantik. Hier liegen ihre Vorzüge und ihre Gefahren. Die Dichter ihres Kreises haben sie bekanntlich allzu zügellos in ihren Werken herrschen lassen, und es kam aus schmerzlichster Lebenserfahrung, wenn später Cl. Brentano bekannte:„Wir haben nichts genährt als die Phantasie, und sie hat uns wieder aufgefressen.“ Doch mag man auch in Schleiermachers Hymnus auf die Phantasie, besonders in der Erhebung ihrer Tätig- keit über das wirkliche Erleben ein Stück romantischer Ideologie nicht verkennen: in der Verwirklichung seiner Forderungen liegt gerade der hohe verdienstliche Anteil der Romantik an der deutschen Bildung.„Auf eigene Weise mit der Phantasie sich in Denkart und Wesen der Zeitalter und Völker versetzen“ und„diese einen bestimmten Platz einnehmen lassen in der Anschauung von den Entwicklungen des Menschengeschlechts“?— das haben gerade die Romantiker getan. Und so haben die großen Ubersetzer und Erklärer unter ihnen der Nation nicht nur das deutsche Mittelalter, sondern zahlreiche Repräsentanten der Weltliteratur zu- gänglich gemacht; sie haben damit die deutsche Bildungsarbeit im Geiste Herders fortgesetzt, der es als Vorzug des deutschen Charakters bezeichnete, daß er„die Blüte menschlichen Geistes, die Dichtung, von dem Gipfel des Stammes jeder Nation brechen dürfe.“
Unmittelbar neben der Phantasie an Bedeutung für die individuelle Bildung steht die Liebe, die Anziehungskraft der geistigen Welt. Nur in echter Freundschaft, die sich auf innerste Verwandtschaft und Ergänzung gründet, findet sie ihre Nahrung und Betätigung. Vielleicht hat die Freundschaft niemals eine solche Rolle in literarischen Kreisen gespielt wie zur Zeit der Romantik. Es kann scheinen,— und manchmal ist es so dargestellt worden— dass in dem hier hervortretenden ungewöhnlichen Anlehnungsbedürfnis sich eine Art Schwäche problematischer Menschen zeigt. Es ist, als ob jeder am Genossen Halt suche, sich an ihn anklammere. Und doch hat das in diesem Kreise sich offenbarende Freundschaftsempfinden so gar nichts von der Sentimentalität der Klopstockischen Zeit. Vielmehr man sucht Freund- schaft lediglich zur Erweiterung seines Innenlebens, um sich zu ergänzen, zu lernen, zu wachsen und zu reifen. In den Monologen finden wir die strengste Einordnung der Freundschaft unter das Ziel der Persönlichkeitsbildung. Schleiermacher spricht von dem Dürsten des innerlich
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