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lichkeit angelegt, die als solche ihre ewige Bedeutung im Weltganzen hat. Der in die Tiefe seines Wesens Schauende erkennt sich„als ein Werk der Gottheit“, das einer besonderen Ge- stalt und Bildung sich erfreuen soll. Die Menschheitselemente, die in ihm gegeben sind, sollen zur individuellen Entwicklung und Ausgestaltung kommen, aber nicht um der egoistischen Selbstherrlichkeit der Einzelpersönlichkeit willen, sondern um den im unendlichen Universum angelegten Plan zu verwirklichen. Und aus der Gemeinschaft solcher in ihrer individuellen Artung entwickelten Persönlichkeiten sollen sich dann umfassendere Individuen eines gemein- samen Willens bilden; die sozialen Gemeinschaften, die Familie, die Freundschaften, der Staat sollen zugleich soziale Individualitäten werden. Nur so kann die Fülle der Unendlichkeit im endlichen Menschenleben verwirklicht werden und damit die Menschheit ihre Bestimmung er- füllen. Denn sie stellt nicht die Zerstückelung einer unendlichen gleichartigen Masse dar, sondern die Ganzheit unendlich vieler, verschieden gearteter Teile.
Von dieser höheren, auf metaphysischem Grunde ruhenden Sittlichkeit aus ist für die Bildung der Persönlichkeit eine neue Aufgabe gestellt. Nicht auf den Gesamtbesitz der Mensch- heit, sondern auf den Eigenbesitz des Individuums geht ihr Streben; nicht lediglich Aufnahme und Einschmelzung der Humanität in ihrer ganzen Weite, sondern die Herausentwicklung und Vollendung der besonderen, in dieser Mischung nur einmal gegebenen Menschheitselemente ist Ziel der Persönlichkeitsbildung. Jedes Erfassen der Welt und des Lebens wird diesem Zweck dienstbar gemacht. Es handelt sich zunächst darum, Ausdehnung und Schranken des eigenen Wesens und den tieferen Grund seiner Eigentümlichkeit kennen zu lernen. So kann sich erst durch vielseitiges Erleben der Kern der Persönlichkeit herausschälen; erst spät gelangt der Mensch zum vollen Bewusstsein seiner Eigentümlichkeit. Denn das Eigene zeigt sich in der Verneinung, in der Begrenzung; und es ist oft die Frage, ob diese Verneinung ihr Recht hat aus der Tiefe und Eigenart der Persönlichkeit, oder ob sie nicht ein Rückstand aus einer früheren persönlichen Entwicklungsstufe ist und nicht die Gefahr besteht, wieder zurückzu- sinken„in die alte strafwürdige Beschränktheit auf den engen Kreis der äusseren Persönlich- keit“. Aber allmählich schärft sich der Blick für die Züge des eigenen Wesens und die Phan- tasie kommt zu Hilfe, um es mehr und mehr zu offenbaren.„Wo ich jetzt, was es sei, nach meinem Geist und Sinne handle, da stellt die Phantasie zum deutlichsten Beweise der freien Wahl noch tausend Arten vor, wie ohne der Menschheit Gesetze zu verletzen, anders gehandelt werden konnte, in anderem Geist und Sinn; ich denke mich in tausend Bildungen hinein, um desto deutlicher die eigene zu erblicken.“¹ Dabei muß die Selbstbetrachtung immer sich dies ganze Tun und Streben, die Geschichte des Selbst vergegenwärtigen und sie darf auch das kontrollierende Urteil der Freunde nicht überhören.
Wer einmal das wahre Wesen seiner Persönlichkeit gefunden hat, der fühlt sich gedrängt, es mit der ganzen Kraft des Geistes zu gestalten. Es gibt eine doppelte Möglichkeit dazu. Die einen werden in der äußeren Darstellung von Kunstwerken ihre Aufgabe sehen; die andern werden in sich die Menschheit zu einer entschiedenen Gestalt bilden, um sie nur in mannig- fachem Handeln zum Ausdruck zu bringen. Beides aber läßt sich nicht gleichzeitig erreichen. „Nur wer noch auf dem niedrigsten Gebiet, im Vorhof der Eigenheit sich aufhält, und sich aus Furcht vor der Beschränkung nicht fest bestimmen will, kann beides vereinen wollen, um in beidem weniges zu leisten; wer eines wirklich erreichen will, der muß das andere sich ver- sagen, erst am Ende der Laufbahn gibt's einen UÜbergang, nur der Vollkommenheit zugänglich, die selten ein Mensch erreicht“.? Wer wie Schleiermacher die Bildung der eigenen Persön-
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