Aufsatz 
Das Bildungsideal der Romantik
Entstehung
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unserer großen Philosophen. Wir suchen zunächst die wesentlichen Züge dieses Ideals aus dem Gedankengang der Schrift zu gewinnen.

Dem Menschen erschließt sich sein wahres Wesen so wird ausgeführt durch Schauen in sich selbst, durch Selbstbetrachtung. In sich findet er die Fähigkeit, sich selbst zu bestimmen]und zu bilden unabhängig von allen Einflüssen der Außenwelt; er wird der Freiheit und der Unbedingtheit seines Geistes inne. Nur die Welt der Erscheinungen steht unter der Zeit und der Notwendigkeit; ihr Sklave bleibt, wer nur an dem äußeren Wirken des Geistes in der Sinnenwelt haftet und sein Begehrungsvermögen von ihr bestimmen läßt. Mit Freiheit soll der Geist in der Außenwelt, in dem Reich der Stoffe wirken; dieses ist der große Leib, den der Geist durchdringen, in dem er sich verkünden soll. Durch die äußere Natur kann nie eine Beschränkung des Geistes stattfinden, nur durch die Gesamtheit der übrigen, ebenso freien und ursprünglichen Geister; unter ihnen findet eine gegenseitige Ein- wirkung statt. Hierin der Harmonie der Freiheit ist allein Beschränkung, Notwendigkeit möglich. Wer nun einmal das Bewußtsein der Menschheit, die Freiheit als Form des inneren menschlichen Handelns gefunden hat, der kann sichvom heiligen Boden der Menschheit nicht mehr verirren. Dennein wahrhaft menschlich Handeln erzeugt das klare Bewußtsein der Menschheit in uns und dies Bewußtsein läßt kein anderes als der Menschheit würdiges Han- deln zu 1. Dieses sittliche Ziel ist aber nicht durch Regeln und Versuche zu erreichen, die es im Reich der Freiheit nicht geben kann, vielmehr Sache des persönlichen Erlebens.Ein einziger freier Entschluß gehört dazu ein Mensch zu sein; wer den einmal gefaßt, wird's immer pleiben?. Schleiermacher schildert mit bewegten Worten, wie dies Bewußtsein der Menschheit ihm aufgegangen sei.Von innen kam die hohe Offenbarung, durch keine Tugendlehre und kein System der Weisen hervorgebracht. Das lange Suchen, dem nicht dieses, nicht jene ge- nügen wollten, krönte ein heller Augenblick; es löste die dunkeln Zweifel der Freiheit durch die Tat. Eine innere Sicherheit hat ihn ergriffen; in dem ganzen Zusammenhang seines Han- delns, in stiller Ruhe, in wechselloser Einfalt führt er das Bewußtsein der ganzen Menschheit mit sich. Denn von der Höhe der Vernunft, des Menschheitsbewußtseins wird ihn nichts mehr herabstürzen könnenzur unwürdigen Einzelheit des sinnlich tierischen Lebens.

Aber doch war dies nur die Vorstufe, um zur sittlichen Vollendung der Menschheit zu gelangen. Denn in tieferer Selbstbetrachtung ist ihm noch ein höheres Ziel aufgegangen. Hören wir seine eigene Schilderung:Lange genügte es auch mir nur die Vernunft gefunden zu haben, und die Gleichheit des einen Daseins als das Einzige und Höchste anbetend, glaubte ich, es gebe nur ein Rechtes für jeden Fall, es müsse das Handeln in allen dasselbe sein, und nur weil jedem seine eigene Lage, sein eigner Ort gegeben sei, unterscheide sich einer vom andern. Nur in der Mannigfaltigkeit der äußeren Taten offenbare sich verschieden die Menschheit; der Mensch, der Einzelne, sei nicht ein eigentümlich gebildet Wesen, sondern nur ein Element und überall dasselbe. Aber er beruhigte sich nicht bei dem Gefühl der Frei- heit:Unnütz schien mir die Persönlichkeit und die Einheit des fließenden vergänglichen Bewußttseins in mir und drängte mich etwas Höheres, Sittliches zu suchen, dessen Bedeutung sie wäre.So ist mir aufgegangen, was jetzt meine höchste Anschauung ist; es ist mir klar geworden, daß jeder Mensch auf eigne Art die Menschheit darstellen soll, in einer eignen Mischung ihrer Elemente, damit auf jede Weise sie sich offenbare und wirklich werde in der Fülle der Unendlichkeit alles, was aus ihrem Schoße hervorgehen kann4.

Damit ist eine völlige Neuorientierung der ethischen Bildung gegeben. Die zugrunde liegende Anschauung läßt sich so darstellen: In jedem Menschen ist eine einzigartige Persön-

¹ Monologen(Seitenzahlen der 1. Auflage nach der kritischen Ausgabe von Schiele) 34. ² Mon. 35. ³ Mon. 38 39. ¹ Mon. 40.