Aufsatz 
Über den naturwissenschaftlichen Unterricht auf Gelehrtengymnasien
Entstehung
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Man wird mir darum nicht den Vorwurf der Halbheit machen, wenn ich von einer principiellen Umgeſtaltung der Gymnaſien ganz abſehend meine Unter⸗

das Zuviel von ſelbſt. Daß das Vielerlei auch in dem einen altelaſſiſchen Gebiet mög⸗ lich iſt, zeigt die Erfahrung zur Genüge. Auch wer nicht ſtudirt, ſondern mit dem geſunden Menſchenverſtand die Verhältniſſe des Lebens auffaßt, hat die allerverſchiedenſten Dinge zu beachten, und verwirrt ſich doch nicht. Wenn Jemand dem menſchlichen Körper nur Ffeiſch⸗ oder bloß vegetabiliſche Nahrung geben wollte, ſo würde Jeder das Thörichte dieſes Beginnens einſehen; aber iſt es etwas anderes, dem Geiſt bloß aus den philologiſch⸗hiſtoriſchen oder bloß aus den mathematiſch⸗ naturwiſſenſchaftlichen Gebieten Nahrung zuführen zu wollen? Man übereile nur nicht, und halte darauf, daß alle geiſtige Nahrung gehörig afſimilirt werde, dann kann ſie aus den verſchiedenſten Fächern genommen werden, ohne den Geiſt zu überladen. Zur Heranbildung eines ganzen Menſchen gehört allerdings ſehr vieles, aber das iſt nun einmal nicht zu ändern, und glücklicher Weiſe iſt die Gefahr der Vielheit nicht ſo groß, als ſie ſcheint. Vergl. hierüber Deinhardt, der Gymnaſialunterricht nach den wiſſenſchaftlichen Anforderungen der jetzigen Zeit. Hamburg 1837. Vorr. S. XIII f.Lorinſer führt unter andern als Grund der Verderbniß unſerer Gymnaſien die Vielheit der Unterrichtsgegenſtände an, weil dieſe auf den Geiſt verwirrend und abſtumpſend wirke. Viele Schulleute ſtimmen ihm darin bei. Aber mit einer ſolchen Behauptung in der Allgemeinheit und Unbeſtimmtheit, wie ſie hier und ſonſt aufgeſtellt wird, iſt doch gar nichts gewonnen. Denn die Vielheit an ſich wirkt nicht verwirrend und abſtumpfend auf den Geiſt ein, ſondern nur diejenige Vielheit, welche nicht von einer lebendigen Einheit durchdrungen und bcherrſcht iſt. Folgt die Vielheit der Gegenſtände aus einem Princip und iſt ſie nichts anderes, als Verwirklichung des idealen Prin⸗ cips in dem ihm zugehörigen Materiale, ſo iſt ſie auf keine Weiſe abſtumpfend und verwirrend, weil ſie trotz ihrer Breite und Mannigfaltigkeit durch das herrſchende Princip durch und durch einfach iſt. Wenn die Vielheit an ſich abſtumpfend und verwirrend wirkte, wie Lorinſer und Audere ohne allen Beiſatz behaupten, ſo müßte ſich der thieriſche Organismus ſehr bald ver⸗ wirren und abſtumpfen. Er beſteht aus einer Mehrheit von Syſtemen, aus einer Vielheit von Gliedern, aus einer unendlichen Menge und Mannigfaltigkeit von Stoffen. Aber er verwirrt ſich nicht, darum nicht weil ein Lebensprincip in allen Theileu die allgegenwärtige und thätige Seele iſt und alle dieſe Theile auf eine ſo durchdringende Weiſe in ſeiner Macht hat, daß ſie nichts für ſich, ſondern nur aufgehobene Momente des lebendigen Ganzen ſind. Ja das Lebens⸗ princip bedarf aller dieſer Theile zu ſeiner Darlebung ſo nothwendig, daß die Einfachheit des Lebensverlaufs verloren ginge und gerade dann erſt Verwirrung und Abſtumpfung erzeugt würde, wenn einer der vielen Theile fehlte. Wird dem Thiere ein weſentlicher von ſeinen