Aufsatz 
Über den naturwissenschaftlichen Unterricht auf Gelehrtengymnasien
Entstehung
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Es erwächſt daher der Gegenwart die Aufgabe, die Gelehrtengymnaſien innerhalb ihrerbisherigen Richtung vorerſt nur ſoweit zu modifeeiren, es nothwendig iſt, wenn ſie ihre Beſtimmung vollſtändig erfüllen ſollen. Was ohne claſſiſche Studien geleiſtet werden kann, werden uns die Realgymnaſien, ſobald ihre Richtung eine beſtimmtere Ausprägung erlangt hat, darthun. Die hierdurch gewonnenen Erfahrungen werden dann den Gelehrtengymnaſien zu Nutze kommen. Daß aber die Realgymnaſien bloß oder vorzugsweiſe durch die exacten Wiſſenſchaften daſſelbe Ziel ſollten erreichen können, ſcheint mir höchſt zweifelhaft. Denn bei der gänzlichen Verſchiedenheit dieſer und der philologiſch⸗hiſtoriſchen Studien nach Inhalt, Forſchungsweiſe und Lehrmethode iſt es eine reine Unmög⸗ lichkeit, die erſtern durch die letztern oder die letztern durch die erſtern zu erſetzen. Dies wird jeder, der mit beiden wirklich bekannt iſt, vollſtändig zugeben. Daß demnach ein Ausſchließen der einen oder der andern, wie es die ſchroffe Durch⸗ führung des Gegenſatzes zwiſchen Gelehrten⸗ und Realgymnaſten mit ſich bringen würde, eine höͤchſt einſeitige Bildung zur Folge haben müßte, wird ebenfalls Jeder einſehen, der ſich über die Bedeutung beidex klar geworden iſt. Solange daher noch nicht in der rechten Weiſe der Verſuch gemacht wordeff/ beide Studien neben einander auf demſelben Gymnaſtum ohne Beeinträchtigung des einen durch das andere mit Erfolg zu betreiben, ſollte man auf die exeluſive Trennung nicht hinarbeiten. ¹)

²) Für das Gelingen des Verſuchs ſpricht, daß bereits an einzelnen deutſchen Gymnafien, wo der naturwiſſenſchaftliche Unterricht gerade in den Händen ſehr tüchtiger Lehrer iſt, bei ent⸗ ſchiedenem Vorwiegen der altclaſſiſchen Studien doch recht ſchöne Erfolge zu Stand gekommen ſiud. Als Hauptbedenken gegen die Vereinigung beider Studien wird insgemein die dadurch verurſachte Zerſplitterung der geiſtigen Thätigkeit und die eberladung des Gedächtniſſes mit zu vielen und zu verſchiedenen Dingen angegeben. Die Begründung dieſes Bedenkens iſt aber nur ſcheinbar. Vollſtändig klar gewordene Erkenntniſſe laſten nicht auf dem Geiſt, nur das, was er halbverſtanden feſtzuhalten ſucht, drückt ihn. Wenn erſt dann etwas Neues in Betrach⸗ tung gezogen wird, nachdem das Vorherige zu ganz klarem Bewußtſein gebracht iſt, ſo werden nur vollkommen durchgearbeitete Begriffe zu behalten ſein und dieſe behalten ſich leicht; wenn die Einzelpuncte nicht für ſich, ſondern in ihrem Zuſammenhang gefaßt werden, ſo erhalten und reproduciren ſie einander gegenſeitig. Bei Feſthaltung dieſes Grundſatzes verbictet ſich