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aus und deshalb ſehr widerſprechende oft auch ganz unberechtigte Forderungen gemacht werden, letzteres, weil eine allſeitigere Erwägung hierdurch eingeleitet wird. Die Vortheile, welche davon zu erwarten ſtehen, ſcheinen mir aber die Nachtheile bei weitem zu überwiegen; denn die falſchen und unbegründeten Anſich⸗ ten, die im Volke laut werden, müſſen von ſelbſt den richtigern und begründeten gegenüber verſchwinden, den Regierungen aber wird in der ſchwierigen Aufgabe vorgearbeitet, während ſie, da ihnen die letzte Entſcheidung zuſteht, in ihren Maßnah⸗ men ganz und gar nicht dadurch behindert werden.
Wenn aber Ordnung und Plan in dieſe allgemeine Discuſſion kommen ſoll, ſo iſt es vor allem nöthig, daß ſämmtliche Betheiligte über die Aufgabe der Gymnaſien ſowohl, als über ihre jetzige Beſchaffenheit ſich verſtändigen. Letztere müſſen daher von ihrem Treiben Bericht erſtatten, und die demſelben zu Grund liegenden Principien darlegen. Dazu ſind ihnen als Organe die Programme gege⸗ ben. In dem ſtatiſtiſchen Theile derſelben, welcher die Einrichtung und Thätig⸗ keit der Schule, die das Programm veröffentlicht, nach ihrer Wirklichkeit im Ein⸗ zelnen zur Kunde bringt, geſchieht dieß bereits durchgehends. Der andere Theil, die begleitende Abhandlung, ſcheint mir beſonders geeignet, Auskunft über die Principien zu geben, die der Thätigkeit der Schule zu Grunde liegen, und über die Art und Weiſe, wie nach ihnen verfahren wird. Ich habe es daher über⸗ nommen, hier eine Frage, welche für die Fortbildung der Gymnaſien gerade in unſerer Zeit höchſt bedeutend geworden, der Unterſuchung zu unterwerfen, die Frage über den naturwiſſenſchaftlichen Unterricht auf Gelehrten⸗Gym⸗ naſien..
Die Gelehrten⸗Gymnaſien werden vorzugsweiſe von denjenigen beſucht, welche ſich einem wiſſenſchaftlichen Fachſtudium widmen wollen, um ſpäter entweder als Fortbildner der Wiſſenſchaft zu wirken, oder ſich zu einem practiſchen Beruf zu befähigen, welcher theoretiſche wiſſenſchaftliche Bildung vorausſetzt. Die letztern ſind namentlich ſolche, welche den ſogenannten höhern Staatsdienſt zu ihrer Lebens⸗ aufgabe gemacht haben. Das erwähnte Fachſtudium findet wenigſtens in Deutſch⸗ land nach beendigter Gymnaſialbildung auf der Univerſität oder auf einer beſon⸗ dern Fachſchule ſtatt. Hiernach muß es die Aufgabe des Gelehrten⸗Gymnaſiums ſein, ſeine Schüͤler zu einem tüchtigen Betrieb des zu wählenden wiſſenſchaftlichen


