Ueber den naturwiſſenſchaftlichen Unterricht auf Gelehrtengymnaſien
von Prorector Kirſchbaum.
Unter den großen Fragen, an deren Löſung die Gegenwart arbeitet, iſt die über Einrichtung der Gymnaſien nicht die letzte. Die Lehrpläne der Gymnaſien bingen anfänglich vorzugsweiſe von den Schulmännern ſelbſt ab, in neuerer Zeit haben ſich die Regierungen derſelben angenommen und jetzt betheiligt ſich in immer weiteren Kreiſen das geſammte gebildete Publicum mit ſtets wachſendem Intereſſe an der Discuſſion über die Geſtaltung dieſer Schulen. Die von ärztlicher Seite ausgeſprochenen Bedenken, der Dresdener Gymnaſealverein, die eifrige Beſprechung der Gymnaſialangelegenheit ſelbſt durch die politiſche Journallitteratur bezeugen dieß. Der Staat iſt berechtigt und verpflichtet, die Gymnaſien unter ſeine Obhut zu nehmen und zwar in doppelter Hinſicht: einmal hat er die Erziehung überhaupt, da durch ſie vorzugsweiſe die Zukunft des Volkes geſtaltet wird, zu überwachen, ſodann ſind ihm die Gelehrtenſchulen deswegen beſonders wichtig, weil ihnen ein weſentlicher Theil der Heranbildung der zukünftigen Beamten aller Branchen an⸗ heimfällt. Das Volk muß in demſelben Maße, als ſein Intereſſe am Staat wächſt, auch dieſen Bildungsſtätten der Zukunft ſeine Aufmerkſamkeit zuwenden, und in ihm wieder die Gebildeten um ſo mehr, da die Entwicklung der ihnen angehörigen Jugend hauptſächlich in den Gymnaſien wurzelt. Dieſe allgemeine Theilnahme iſt nun einerſeits nachtheilig, andererſeits foͤrderlich für die Fortbil⸗ dung der genannten Schulen, erſteres, weil von den verſchiedenſten Standpuncten
1


