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ſtanden iſt; wie ganz von ſelbſt wird nicht z. B. bei Schilderungen großartiger Gebirgslandſchaften in dem Herzen der Zuhörer der Gedanke erwachen, wie wunderbar groß die Werke Gottes ſeien, und ſomit eine ſittlich-religiöſe Stimmung einziehen!„Auch von der religiöſen Seite betrachtet“, ſagt Ritter,„iſt die Geographie im höchſten Grade zu ſchätzen für den Jugendunterricht. Denn wer noch nicht durch eigene Beſchäftigung mit der Natur die Fülle ihres Lebens, die Einheit bei aller Mannigfaltigkeit, das Meer von Verſtand, Weisheit und Güte, in das alle Weſen eingetaucht ſind, hat kennen gelernt, dem alſo noch nicht die all⸗ täglichſte Erſcheinung zum Wunder geworden iſt: der iſt noch nicht an die Schwelle getreten, wo der Verſtand ſich dem Glauben in die Arme wirft, an den Rand des Meeres, das Zeitliches und Ewiges ſcheidet, und deſſen Jenſeits er nur erfaſſen kann, wenn er ſich gläubig niederwirft.“ Damit ſoll aber gewiß nicht einer ſentimentalen Schwärmerei das Wort geredet ſein, die allüberall und bei jeder Veranlaſſung religiöſe Gedanken und Gefühle um jeden Preis in der Bruſt der Zuhörer zu erregen ſucht, ſondern davor ſoll vielmehr gewarnt werden; keineswegs aber darf man in Abrede ſtellen, daß nicht auch durch den geographiſchen Unter⸗ richt das religiöſe Gefühl gehoben und gekräftigt werden könne, wenn nur anders durch einen tüchtigen Religionsunterricht das Herz der Knaben dafür empfänglich gemacht iſt.
Nicht minder wird bei einer patriotiſchen Auffaſſung des geo⸗ graphiſchen Unterrichts, die nach unſerer Anſicht auf den Umfang des in der Schule durchzunehmenden Unterrichtsſtoffes von ent⸗ ſcheidendem Einfluße ſein muß, indem das deutſche Vaterland und ſeine ſpeciellſte Betrachtung den Mittelpunkt aller geographiſchen Kenntniſſe auszumachen hat, es wohl natürlich und gerechtfertigt erſcheinen, daß die Schule, der ja die Zukunft des Volkes anver⸗


