Aufsatz 
Das neue Realschulgebäude
Entstehung
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Erwecke die Eltern und Pfleger. dass sie ihre Pflicht erkennen und Hand in Hand mit den Lehrern ihre Kinder auferziehen in der Furcht und Vermahnung zu Dir.

Ja, Herr, wir stellen dieses Haus unter Deinen Schutz, Dir, dem dreieinigen Gott, Vater, Sohn und heiligen Geiste, sei es geweihet, von Dir sei es gesegnet, lass Deine Augen darüber offen stehen Tag und Nacht. Amen..

Nach dem vom gemischten Chor vorgetragenen Hymnus von Rinck:Preis und Anbetung sei unserm Gott! nahm der Herr Oberpräsident Freiherr von Ende das Wort und sprach zunächst den städtischen Behörden seine und des königlichen Provinzial-Schulkollegiums Anerkennung dafür aus, dass dieselben in hochherziger Weise dem Streben nach höherer Bildung eine so schöne Stätte bereitet hätten, zu deren Eröffnung er der Stadt und der Anstalt in warmen Worten Glück wünschte. Er bezeichnete es als einen glücklichen Gedanken, dass zu der bedeutsamen Feier gerade der er- innerungsreiche und verheissungsvolle 18. Oktober gewählt sei, und knüpfte daran die Hoffnung, dass die Schule in der Erinnerung an diese grosse Vergangenheit und die glückverheissende Zukunft eine rechte Pflanzstätte nationaler Gesinnung sein, dass in ihr der Sinn für die Unabhängigkeit deutschen Geistes von jeder Fremdherrschaft gehegt und gepflegt werde. Aufgabe der Lehrer und Schüler müsse und werde es nun sein, in freudiger, selbstloser Hingabe an den Beruf und in unbe- dingtem Gehorsam gegen die Pflicht rastlos zu schaffen und zu wirken; dann werde es gelingen, dass in diesem Hause Geschlechter gebildet würden, welche auf materiellem wie auf idealem Ge- biete der Stadt und dem Vaterlande Ehre machen. Nur dann aber werde die Schule voll und ganz ihre hohe Aufgabe lösen können, wenn sie sich in den Dienst des Höchsten stelle, wenn für Lehrer

und Schüler allezeit die Mahnung gelte: Lerne und lehre Gott zur Ehre!

Der Direktor übernahm sodann das neue Gebäude, indem er an die Festversammlung eine Ansprache richtete, deren Wortlaut wir zur Erinnerung an den Tag, welcher für die Geschichte der Schule so hochbedeutsam ist, im Folgenden wiedergeben:

Hochverehrte Anwesende!

Das erste Wort, welches ich von dieser Stelle zu Ihnen spreche, es kann nur ein Wort der Freude und des Dankes sein. Als der gegenwärtige Direktor und Leiter dieser Anstalt, als der Ver- treter ihres Lehrerkollegiums ergreife ich Besitz von diesen schönen Räumen, welche unsere Stadt ihrer Realschule erbaut und der hochverehrte Vorsitzende des Stadtraths derselben soeben überwiesen hat, indem er mir mit herzlichen Wünschen die Schlüssel des Hauses einhändigte. Ich ubernehme sie mit der herzlichsten Freude darüber, dass nun endlich, was so lange geplant, so vielfältig über- legt worden, in schöner Vollendung vor unseren Augen dasteht, dass es gelungen ist, ein Schul- gebäude herzustellen, welches nicht nur in jeder Beziehung den Anforderungen einer höheren Lehr- anstalt entspricht, sondern auch durch würdige Ausstattung auf seine hohe Bestimmung hinweist und die Jugend zu gesittetem Betragen auffordert. Mit dieser Freude verbindet sich der innigste, ehrerbietigste, aus warmem Herzen kommende Dank gegen die hohe Staatsbehörde, welche uns die Ehre erweist, uns durch den Mund ihres höchsten Vertreters in dieser Provinz ihre Theilnahme an dieser bedeutsamen Feier zu bezeugen, gegen den Wohllöblichen Stadtrath und den Hochverehrlichen Bürgerausschuss, welche in schönem Einverständniss, in richtiger Würdigung der grossen Bedeutung unserer höheren Schule für die Stadt und in einsichtsvollem Verständniss dessen, was für das Leben derselben, für die gedeihliche Entwicklung ihrer Schüler nothwendig ist, diesen prächtigen Bau er- stehen liessen und in bereitwilligem Entgegenkommen mit nicht geringen Opfern ihn auch im Innern