1. Zunächst machte die Wahl des Bauplatzes grosse Schwierigkeiten. Gegen die Brauchbar- keit des zuerst erworbenen sogenannten Hoos'schen Platzes erhoben sich mancherlei Bedenken; andere Grundstücke erschienen zu theuer, gegen ein Bauprojekt, nach welchem das neue Gebäude in den Klostergarten verlegt werden sollte, wurden erhebliche Ausstellungen gemacht, so dass endlich der Plan auftauchte, das bisher von der Realschule mitbenutzte Bürgerschulgebäude der Realschule allein anzuweisen, die Knabenschule in das bisherige Mädchenschulgebäude zu verlegen und für die Mädchenschule auf dem Hoos'schen Platze ein neues Schulhaus herzustellen, welches wesentlich billiger werden würde als ein Realschulgebäude, an welches höhere Ansprüche gestellt werden mussten. Freilich wurden hierdurch nicht alle die Uebelstände beseitigt, unter denen die Realschule bisher zu leiden hatte, es wäre z. B. nicht möglich gewesen, in dem Knabenschulgebäude eine be- sondere Aula herzustellen, überhaupt die Anstalt auf das Allernothwendigste beschränkt worden; dennoch hätte die Ausführung dieses Planes einen erheblichen Fortschritt zum Besseren bedeutet, wenigstens wäre die Schule doch in eine Art von Definitivum eingetreten, und so wurde derselbe sowohl von dem Curatorium als auch von dem königl. Prov.-Schulkollegium genehmigt. Da zeigte sich im Mai 1875 plötzlich auf der nordwestlichen Ecke des Gebäudes in der äusseren Mauer ein bedeutender Riss, welcher sich der angestellten Beobachtung zufolge langsam aber stetig erweiterte, und wenn auch die Gefahr dadurch beseitigt wurde, dass die bezeichnete Ecke abgerissen und neu aufgeführt wurde, so erklärte doch der königliche Bauinspektor Herr Arend, dass, nachdem solche bedenkliche Symptome an dem Hause hervorgetreten seien, wesentliche Veränderungen im Innern, wie sie noth- wendigerweise vorgenommen werden mussten, um das Innere des Gebäudes seiner neuen Bestimmung gemäss herzurichten, nicht rathsam seien, und dass es sich daher empfehlen würde, dasselbe für die Zukunft als Mädchenschule zu penutzen und für die Realschule ein neues Gebäude zu errichten. Auf Grund dieses Gutachtens erklärten sich die städtischen Behörden mit dem gemachten Vorschlage einverstanden mit der Massgabe, dass die projektirte neue Volksschule der Realschule überwiesen werden sollte, falls sie, sowie projektirt, für die letztere acceptirt werde. Es waren nämlich mittler- weile der königlichen Regierung zu Cassel mehrere Baupläne für die neue Mädchenschule einge- reicht, aber von derselben als ungeeignet verworfen, und es war dagegen den städtischen Behörden anheim gegeben, die Schule nach einer Skizze zu bauen, welche der Herr Regierungs-Baurath Land- grebe in den Situationsplan eingezeichnet hatte. Der Berichterstatter wurde infolge jenes Beschlusses der städtischen Behörden aufgefordert, sich zu äussern, ob es möglich sei, die für die Realschule nöthigen Räume in dem Gebäude zu finden, welches unter Zugrundelegung jener Skizze errichtet werden sollte, und fertigte infolge dessen eine Zeichnung an, in welcher unter Festhaltung der durch die Skizze vorgeschriebenen Grundform des Gebäudes die Raumvertheilung entsprechend den Bedürfnissen der Realschule vorgenommen war und aus welcher sich ergab, dass und in welcher Weise nicht blos eine genügende Anzahl von Klassenzimmern, sondern auch eine Aula, ein Zeichen- saal, ein Auditorium für den naturwissenschaftlichen und den Gesangunterricht, ein Laboratorium und die nöthigen Zimmer für die Sammlungen sich herstellen liessen. Dieser Plan fand die Ge- nehmigung sowohl der städtischen Behörden als auch des königlichen Provinzial-Schulkollegiums, und es wurde nun der Herr Bauinspektor Arend ersucht, die nöthigen Risse und Anschläge anzu- fertigen und die Ausführung des Baues zu übernehmen. Am 15. März 1876 wurde die Submission ausgeschrieben, am 11. Mai mit der Anfuhr der Steine, am 15. Mai mit den umfangreichen Planirungsarbeiten begonnen, und am 9. Mai konnte
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