Aufsatz 
Das salisch-fränkische Siedelungssystem u. die Heppenheimer Markbeschreibung vom Jahre 773 : ein Beitrag zur geschichtlichen Heimatkunde / von Friedrich Kieser
Entstehung
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Das Kloster Fulda) wurde in der silva der vasta Buchonia von Sturm, dem Vertrauten des hl. Bonifatius, gegründet.. Zuerst nahm dieser eine genaue Be- sichtigung des geeigneten Ortes vor. Sodann erfolgte durch Karlmann kraft könig- lichen Verfügungsrechtes über herrenloses Gut die urkundliche Ubergabe(traditio) desselben an Bonifatius zu vollem Eigentum. Dass die vastitas nur eine rechtliche Fiktion, d. h. nicht ohne jede Ansiedelung war, ist hierbei gleichgültig. Hierauf nahm Sturm am 12. Januar 744 die Besitzergreifung(occupatio) vor. Zuletzt fand dann nach mehrjähriger Arbeit, die der Urbarmachung und der Herrichtung wehr- hafter Gebäude galt, am 13. März 747 in Gegenwart des hl. Bonifatius und mehrerer Bischöfe die endgültige vesticio, d. h. Festlegung oder Signierung der Grenzen des zugehörigen Gebietes statt. In ganz gleicher Weise wurden auch andere Bischofs- sitze, Abteien und Klöster in wirklichem oder fingiertem eremo, also auf königlichem Grund und Boden, gegründet, so Reichenau, St. Gallen, Hersfeld, Prüm, Würzburg, Fritzlar, Erfurt, Korvey(Höxter), Bremen u. s. w. Sie glichen demnach befestigten Vorposten, die mit Zustimmung des Königs als Stützpunkte für weiteres Vorgehen vorgeschoben wurden gleich den königlichen curtes und villae, von denen weiter unten die Rede sein wird.

Die Unterwerfung der Sachsen durch Karl d. Gr. war mit einer gewalt- staatlichen Herstellung von desertum in grossem Massstabe verbunden ²). Zunächst wurden an der Südgrenze des Sachsenlandes den Unterlauf der Werra und Fulda und den Lauf der Weser entlang bis zur Einmündung der Diemel(Heerstelle!) und andererseits in einer Linie von dem Tale der Fulda bei Kassel bis zu dem der Itter bei Korbach massenweise Sachsen vertrieben und das hierdurch freigewordene Land oder die so geschaffene Wüstung mit hessisch-fränkischen Ansiedlern besetzt. Eine sog. Landwehr oder limes zwischen Fulda und Itter, noch jetzt Lampfert oder Lamfter genannt(teils Wall und davorliegender Graben zur Sperrung des Fulda- und Ittertales, teils Wasserläufe, unter denen noch jetzt der Name Landwehrbach vorkommt) und zahlreiche Siedelungen, namentlich auf-hausen¹), zu beiden Seiten dieser Landwehr erhärten mit grausiger Deutlichkeit diese gewaltsame Okkupation. Im weiteren Verlaufe des Krieges sehen wir dieselbe Entrechtung und Vertreibung von Sachsen auch an der Westgrenze ihres Landes zur Hunte, Hase, Ems bis nach Ostfriesland fortschreiten und damit die eiserne Umklammerung sich schliessen. Die furchtbare Empörung 782785 und die Schlachten bei Detmold und an der Hase waren der vergebliche Versuch, diesen Ring zu sprengen. Als dann auch später hier die Revolten nicht ausblieben, griff Karl d. Gr., namentlich auf Grund des Capitulare Saxonicum 797 zu dem wirksamsten Mittel, nämlich gewaltsamer Depor- tation grosser Massen der Empörer und ihrer Ersetzung durch hessisch-fränkische Kolonisten 4). Diemalefactores wurden mit ihren Familien und ihrer Habe von Karl hauptsächlich infra sua regna, innerhalb seiner Reiche, d. h. Königsgutes, ange- siedelt, so im Ardennenwalde, wo zahlreiche Namen ihrer Heimat am Nordharze wiedererstehen, so im Main- und Neckargebiet(Sachsenhausen bei Frankfurt a. M.,

¹) Rübel, S. 37 ff. ²) Rübel, S. 107 ff. ³) Arnold, Ansiedelungen, S. 415.) Rübel, S. 194 ff.