37 Schüler zu erfreuen hatte. Die eingegangenen freiwilligen Beiträge wurden mit 71 M der Königin-Louisen-Stiftung zugewiesen.
Das laufende Schuljahr nahm Montag den 21. April seinen Anfang mit der Prüfung und Aufnahme der neu angemeldeten Schüler. Aus dem Lehrer-Collegium waren mit Schluss des vorigen Schuljahrs auf ihren Antrag ausgeschieden der wissenschaftliche Hülfslehrer Weidemann und der Zeichenlehrer Neumann. Der erstere hatte der Anstalt nur 1 ½ Jahre angehört und ging bald nachher an die höhere Bürgerschule zu Schmalkalden, der letztere war 8 ½ Jahre an der Anstalt thätig und hat sich in dieser Zeit ebenso um den Zeichenunterricht verdient gemacht, wie er sich die Anhänglichkeit der Schüler, die Freundschaft seiner Collegen und das Vertrauen seiner Vorgesetzten erworben hat. Er gedenkt, sich von da an nur noch der Kunst zu widmen.
Mit Versehung der Weidemann'schen Stelle wurde der Mittelschullehrer Bach beauf- tragt, der im Jahre 1877 die Mittelschullehrerprüfung bestanden hatte. Zur Ergänzung des Lehrer-Collegiums traten neu ein: Candidat Wilhelm Brede und Zeichenlehrer Heinrich Müller. Da der letztere erst Ende Juni aus seiner bisherigen Stellung entlassen wurde, musste seine Stelle im ersten Quartal anderweit versehen werden, wozu sich Maler Giesse von hier in dankens- werther Weise bereitfinden liess.
Wilhelm Brede, geb. am 2. October 1843 zu Lenderscheid im Kreise Ziegenhain, evangelischer Con- fession, war von Ostern 1861— 64 Zögling des Schullehrer-Seminars in Homberg, dann etwa 1 ½ Jahre Lehrer an der Stadtschule in Wolfhagen. Ende 1865 ging er nach Messina, um dort die Stelle eines Lehrers und Organisten bei der deutsch-evangelischen Gemeinde zu übernehmen, welche er auch bis zum Sommer 1875 bekleidete. In seine Heimat zurückgekehrt, privatisirte er eine Zeit lang, wirkte dann von Herbst 1876 bis Ostern 1879 als Lehrer an
der Privattöchterschule des Fräulein Heuser dahier.
Heinrich Müller, geb. zu Kathendorf, Kreis Gardelegen, den 16. Juni 1845, evangelischer Confesssion, besuchte das Schullehrer-Seminar zu Barby 1864 bis 1866 und bestand die revisorische Prüfung zu Osterburg den 24. September 1869. In 1877 besuchte er die Königliche Kunstschule zu Berlin und legte den 10. October 1877 zu Berlin die Zeichenlehrerprüfung ab. Als Lehrer war er von Ostern 1866 bis Herbst 1871 in Cloetze, dann in Brandenburg bis Ostern 1878 und zuletzt als Zeichenlehrer in Mühlhausen in Thüringen von Ostern 1878 bis zum Juli 1879 thätig..
Reallehrer Klinckerfues war bei Beginn des Schuljahrs von seinem Leiden soweit wieder hergestellt, dass er einen Theil seiner Stunden wieder übernehmen konnte, trat aber mit Rücksicht auf seine angegriffene Gesundheit mit dem Schluss des Sommersemesters nach mehr als 26jähriger Thätigkeit an der Anstalt in den Ruhestand über. Seine Majestät der Kaiser und König geruhten durch Allerhöchste Ordre vom 13. December, ihm den Königlichen Kronen- Orden vierter Classe zu verleihen. Der Unterzeichnete hatte den 24. December die Insignien auszuhändigen.
Candidat Junghans, der schon im vorigen Schuljahre und im Sommersemester aus- geholfen hatte, wurde vom 1. October ab mit Versehung einer Lehrerstelle beauftragt.
Karl Friedrich Junghans, geb. zu Cassel den 20. Mai 1852, evangelischer. Confession, Ostern 1870 vom Gymnasium zu Cassel mit dem Zeugniss der Reife entlassen, studierte zu Marburg, Leipzig und Greifswald neu ere Sprachen und bestand im Mai 1876 zu Greifswald das Examen pro facultate docendi. Nach kurzer Thätigkeit am Gymnasium zu Kiel war er von Michaelis 1877 bis zum Frühjahr 1879 als Hauslehrer in Italien und Frankreich thätig.
Eine Veränderung von der grössten Bedeutung trat am Schluss des ersten Quartals mit der oben aufgeführten, am 29. Juni eingegangenen Verfügung ein. Da von dem Herrn Minister mit der Genehmigung zur Umwandlung der bisherigen höheren Bürgerschule in eine Realschule zweiter Ordnung zugleich die Anerkennung der Anstalt als eine Realschule II. O. ausgesprochen wurde, hatte sofort die Anstalt alle einer Realschule II. O. zukommenden Berechtigungen.
Ueber diese wird in Abschnitt V perichtet werden.
Infolge der Umwandlung wurde der bisherige Rector zum Director der neuen Anstalt gewühlt und diese Wahl von Sr. Majestät dem Kaiser und König durch Allerhöchste Cabinets- Ordre, d. d. Schloss Babelsberg den 15. August 1879, bestätigt. Die neue Bestallungsurkunde übergab der städtische Schulreferent, Metropolitan Dr. Hochhuth, dem Unterzeichneten den 4. September in einer zu diesem Zwecke berufenen Lehrerconferenz.


