Aufsatz 
Neue Beobachtungen und Entdeckungen an den auf Ulmus campestris L. vorkommenden Aphiden-Arten / von Hermann Kessler
Entstehung
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sechsten Tag, von Beginn des Entwicklungsprocesses an gerechnet, zeigt sich der Anfang der Concentration als schleimige, fest zusammenhängende Stelle in der übrigen feinkörnig aussehenden Flüssigkeit, welche beim Zerdrücken der Eihaut auseinander fliesst. Von jetzt un schreitet die Bildung des entstehenden Körpers rasch vorwärts; schon nach weiteren zwei Tagen kann man bei vorsichtiger Behandlung die Eihaut von der allerdings jetzt noch formlosen Neubildung ab- trennen. Bald aber erkennt man an derselben schon die besonderen Anfänge zu Kopf und Leib als zwei nach den Eipolen hin liegende dunkele Stellen, wovon die eine kleiner ist als die andere. In der kleineren erkenunt man bald den Kopf und in der anderen den übrigen Körper. Dann werden die überaus feinen Extremitäten wahrnehmbar und so schreitet der Aufbau rasch weiter vor, bis das vollendete Thier nach 12 bis 14 Tagen die Eihülle verlässt. Diese Resultate erhielt ich von meinen alltäglichen Beobachtungen und Untersuchungen, welche ich ain 18. April begann. An diesem Tage war der Ei-Inhalt noch Dotter, am 30. April verliess das erste vollständig ausgebildete Thier seine Hülle. Hierbei muss ich jedoch bemerken, dass ich die grosse Anzahl der untersuchten Eier von Rindenstücken abnahm, welche ich am 18. April von einem Baume abgeschnitten und seitdem in einem offenen Glase, welches am Fenster meines geheizten Arbeitszimmers stand, aufbewahrt hatte, so dass die Stubenwärme auf die Entwickelung des Embryo nicht ohne Einfluss geblieben war. Bei der zu dieser Zéit noch niedrigen und wechselnden Temperatur im Freien geht die Entwickelung nicht so rasch vor sich, auch ist dabei der Standort der Ulmen, ob z. B. dem Wind ausgesetzt oder geschützt, von Einfluss. Während ich am 2. Mai in Eiern von Stämmen aus dem Tannenwäldchen(dem Wind ausge- setzt) das Thier noch ganz gestaltlos fund, sah ich in der Aue(geschützt) schon eine Menge Thiere in den sich eben öffnenden Knospen. Ferner entwickeln sich die Thiere aus den Eiern, welche sich auf der Winterseite des Stammes befinden, langsamer, als die in den Eiern auf der Sommerseite. So waren z. B. am 2. Mai die Thiere in Eiern von der Sommerseite fast vollständig ausgebildet, während jedes von der Winterseite genommene und geöffnete Ei nur ein formloses Klümpchen enthielt, was sich jedoch ganz leicht aus der Eihaut herausschieben liess. Wegen dieser verschiedenen Umstände können drei Wochen verfliessen, bis die letzten Thiere das Ei verlassen. Noch am 17. Mai setzte ich frisch abgeschnittene Rindenstücke in ein Glas, in welchem ich dann noch am 19. Mai eben ausgekrochene Thiere bemerkte.

Nach vorstehenden Darstellungen ist mir aus der Entwickelungsgeschichte von Tetra- neura ulmi L. kurz ausgedrückt Folgendes bekannt: Das Ei(Fig. 2), das daraus hervorgehende Urthier(oder die Stammmutter für alle folgenden Formen), welches im Frühjahr die Gallen auf den Ulmenblättern hervorbringt, dessen ungeflügelte Nachkommen, welche im Juni die Gallen als geflügelte Thiere verlassen und irgendwo wieder ungeflügelte Junge zeugen, welche im August als geflügelte Thiere auf die Ulme zurückkehren und da an der Rinde geschlechtlich getrennte flügellose Jange absetzen, von denen das Weibchen ein Ei bei sich trägt, welches überwintert. Ich würde mithin den Entwickelungskreis dieser Blatt- lausart vollständig kennen, wenn ich wüsste, an welche Pflanze die erste geflügelte Form ihre Brut zu deren Ernährung und Ausbildung bis zur zweiten geflügelten Form absetzt, und dann hätte ich die von Lichtenstein aufgestellte Theorie über die Entwickelung der gallenbildenden Aphiden durch eine zweite Art bestätigt. Die Ausfüllung dieser Lücke halte ich indess nur noch für eine Frage der Zeit. Was ich im letztverflossenen Jahre hierzu gethan habe, will ich noch kurz zusammengestellt hier anführen. Es wäre ja möglich, dass ich dadurch andern Beobachtern Anhaltepunkte gäbe, an deren Hand sie zur Beantwortung dieser Frage mit helfen könnten.