Aufsatz 
Neue Beobachtungen und Entdeckungen an den auf Ulmus campestris L. vorkommenden Aphiden-Arten / von Hermann Kessler
Entstehung
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kompacte Masse, eine Erscheinung, welche ich bisher noch keinmal wahrgenommen hatte, was mich veranlasste, sie nachher genauer zu untersuchen. Das neunte Thier häutete sich noch am Abend desselben Tages. Am andern Morgen trennte ich aus der noch zusammenhängenden Woll- haarmasse in der Galle 18 Häute, also genau die Anzahl von der dritten und vierten Häutung zusammen. Die genauere Beobachtung und Untersuchung des achten Thieres ergab Folgendes: Die weissen Stellen hatten die Form der Flügelansätze im Puppenzustande, nur waren sie nach hinten etwas verlängert, so dass der Hinterleib etwas mehr als vorher davon bedeckt war. Ich erkannte in diesen weissen Körperchen bald die beiden zusammengefalteten Flügelpaare. Das Ende der Vorderflügel war nach Innen eingelegt, dasselbe erhob sich allmählich, so dass an dieser Stelle eine Biegung entstand, welche immer flacher wurde und nach circa ½ Stunde ver- schwunden war. Damit hatten sich die Vorderflügel gestreckt, sie standen dabei etwas vom Körper ab, ragten auch schon über den Hinterleib hinaus und die weisse Farbe derselben war blasser geworden. Nun öffneten sich die Längsfalten, das ganze Gebilde verbreiterte sich sichtlich und erhob sich auch gleichzeitig immer mehr vom Körper, die weisse Farbe verschwand, und damit war die wasserhelle Flügelfläche fertig. Nicht lange nachher hatten auch die Plügel die fast senkrechte, dabei etwas dachige Stellung, in welcher sie die ausgebildeten Thiere beim Gehen und in der Ruhe tragen. Mit der Entfaltung der Vorderflügel hielten die Hinterflügel bei ihrer Ausbreitung gleichen Schritt. Der ganze Process dauerte gegen ¾ Stunden.

Auf dem Blatte, worauf die Galle sass, in welcher die besprochenen Thiere sich ent- wickelten, befand sich noch eine zweite, welche ich nicht in meine Untersuchung hineingezogen hatte. Als ich dieselbe am 20. Juni genauer ansah, hatte sich am untern Theil derselben schon der Anfang zu einer Oeffnung zum Ausgang für die reifen Thiere gebildet. Beim Aufschneiden der Galle fand ich eine Menge Thiere in derselben, darunter schon sieben geflügelte. Auch in den noch geschlossenen Gallen auf den übrigen Blättern an dem bisher im Wasser erhaltenen Zweige waren schon geflügelte Thiere. In jeder dieser Gallen war auch noch das Mutterthier lebendig, enthielt aber keine Embryonen mehr. Hieraus folgt, dass die Entwickelung der Thiere in den von mir vor elf Tagen geöffneten mit den in geschlossenen, also ungestört gebliebenen Gtallen gleichen Schritt gehalten hatte. Auch fand ich am 21. Juni merkwürdigerweise im Freien (Aue) die ersten geflügelten Thiere, welche eben die Galle verliessen. Die jungen Thiere haben mithin vom Tage ihrer Geburt an bis zu ihrer vollständigen Ausbildung, d. h. bis sie geflügelt sind, 11 bis 12 Tage Zeit nöthig; die einzelnen Häutungen derselben folgen in einem Zeitraum von 2 bis 3 Tagen aufeinander; der Häutungsprocess geht gerade so vor sich wie beim Urthier, und findet man die abgestreiften Häute ebenso an der Gallenwand auf den Beinen ruhend wie bei diesem, so lange sie nicht durch Bewegungen der übrigen Gallenbe- wohner von da weggeschoben werden. Die äusseren Merkmale für den Puppenzustand der jungen Thiere sind schon nach der zweiten Häutung in ihren Anfängen zu erkennen. Alle von dem Urthier gezeugte Jungen in einer Galle nehmen die geflügelte Form an, nicht etwa blos ein- zelne. Die Veränderungen derselben in Form und Grösse nach jeder Häutung sind an den Fi- guren 9, 10 und 11 ersichtlich. Eine specielle Beschreibung derselben dürfte überflüssig sein.

Die erste geflügelte Form und ihre Bedeutung.

Das geflügelte Thier(Fig. 12) hat zu der Zeit seiner Flügelentfaltung in der Galle im Ganzen noch eine hellere Färbung, welche aber in kurzer Zeit dunkeler wird. Beim Austritt aus der Galle sieht es folgendermassen aus: Der ganze, gegen 2 mm lange Körper ist sammt