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burg, Landsberg, Innsbruck und Trident nach Italien, wo er im botanischen Garten zu
Padua, dann zu Venedig in den Gärten des Franziscaner-Klosters und in denen bei dem
andern Kloster der sogenannten Kreuzträger, ferner ausserhalb Venedig zu Moranum
im Garten des Adeligen Maucus und des Patriciers Venecus, besonders aber am
venetianischen Gestade, gewöhnlich„à Lyo“ genannt,„viel unnd allerley gewechs
gesehen Selbstenn gesuchet gefunden, unnd mit allem vleiss eingeleget“ hatte, die er dann mit nach Saalfeld nahm. Durch die Reise nach Italien wurde er veranlasst, 1560, und zwar im Frühjahr, das südliche Frankreich zu besuchen. Hier bereiste er Montpellier, die Wälder und Felder„Etzliche mal meylenn weges lang“ von Rosmarin (welche Gegend er für„den vornehmsten selbstwachsennden Lustgarthen in der Welt“ hält), Frontignan, die Insel„Magalona“, den Berg„Cethi“ am Gestade, gewöhnlich Aegmort genannt,„Melusinia“(woselbst er„die Corallengewechs, auch allerley Mehr- thier Conchilia unndt anndere Innerliche mehrgewechs, colligirte“), Bellegarde, Nimes,
„Pontegardt“(Pont du Gard), Arles, Salon, Marseille„unnd wieder heraufwärths „Cisix“, Malemort, Cavaglion, Canpentras, Pierrelate, Donzere, Montelimart, Valence und Lyon. Auf der Rückreise besuchte er folgende Städte in der Schweiz und in Süddeutschland: Genf, Lausanne, Solothurn, Zürich, Basel, Konstanz, Ravensberg,
Memmingen, Augsburg, Ingolstadt und Nürnberg. Von Lyon bis Nürnberg führte er
„Einenn halbenn Saumm“(circa 2 ½ Ctr.) und von da bis Saalfeld„bey dreyenn
Cenntner kreuter, Früchtenn, Sahmenn, Mehrfischen, mehrgewachsenn unnd aller Anderer Sortenn“ mit sich.
Wenn nun Ghini virklich der Erfinder der Herbarien ist und die Verfertiger der drei ältesten und geschichtlich bekannt gewordenen Herbarien ihre Kunst unmittelbar von Ghini selbst erlernten, so entsteht die Frage: Bei wem hat Ratzenberger, der zu Ghini's Lebzeit noch nicht in Italien gewesen war, in dessen Herbarium*) wir aber Pflanzen finden, welche er schon im Jahr 1556 bei Wittenberg sammelte, das Verfahren, Pflanzen zu trocknen und auf Papier zu befestigen, gelernt? Etwa von seinen Lehrern auf der Universität zu Wittenberg?— Das ist unwahr- scheinlich. Denn wenn Ghini auch schon während der vierziger Jahre Pflanzen für sich einlegte, später dann auch solche an andere Botaniker versandte, so geschah diese Versendung gewiss nicht in solchem Masse, dass dadurch Ghini's Verfahren im Jahre 1556, schon Gemeingut, d. h., dass das Anlegen von Herbarien schon Gegen- stand der Belehrung auf Universitäten hätte sein können. In keinem der botanischen Werke aus der damaligen Zeit finden wir auch nur eine Andeutung dazu.— Oder
*) Band III, Blatt 367 und 454.


