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später durch die beiden Cordus(Vater und Sohn), durch Gesner, Tabernae- montanus, Camerarius, GClusius u. a. ein wahrer Wetteifer in der Erforschung der vaterländischen und der ausländischen Pflanzenwelt sich herausbildete, und in Folge dessen die umfangreichsten und werthvollsten botanischen Schriften entstanden, deren Werth durch naturgetreue Abbildungen noch erhöht wurde; sollte da nicht auch jemand auf die Idee gekommen sein, die Resultate der damaligen Durch- forschungen einzelner Gegenden durch Trocknen und Aufbewahren der Pflanzen der Mit- und Nachwelt nutzbar zu machen, d. h., sollten während jener Zeit nicht auch in Deutschland, und zwar unabhängig von den Italienern, Herbarien angelegt worden sein? An der Hand der Herbarien im Casseler Museum werden wir in Nach- folgendem Aufschluss hierüber erhalten.
Die„Landesbibliothek“ zu Cassel enthält eine Schrift aus dem Jahre 1777 von Dr. Ch. H. Böttger, worin derselbe den botanischen Garten, welcher im 18. Jahr- hundert zu Cassel bestand, beschreibt. Bei dieser Gelegenheit macht er auf ein „lebendiges Kräuterbuch“ aus dem Jahre 1592 aufmerksam, welches wegen der Geschichte der Botanik beachtenswerth sei und sich auf der fürstlichen Bibliothek zu Cassel befinde. Auf meine Veranlassung wurde diesem„Kräuterbuch“ nachgeforscht und nach langem Suchen fand man dasselbe in der sogenannten Vorrathskammer des Museums, d. h. in einem Raume, welcher Gegenstände enthält, die für werthlos erklärt sind. Ich überzeugte mich bald von dessen historischem Werthe und machte deshalb den betreffenden Museumsbeamten darauf aufmerksam, dass im Interesse der Wissen- schaft ein ferneres sorgfältigeres Aufbewahren desselben wünschenswerth sei. Das Werk kam dann auch wieder zu Ehren, wurde in den Catalog des Museums aufge- nommen und in einem besonderen Schranke aufbewahrt. Dasselbe ist von Dr. C. Ratzenberger, Stadtphysikus in Naumburg an der Saale, angelegt worden, und wurde von demselben dem Landgrafen Moritz von Hessen im Jahre 1592 dedicirt. Aus der Vorrede zum Herbarium erfahren wir, dass Ratzenberger in Saalfeld geboren war. Hier übte er sich schon von Jugend auf in der Erkenntniss nicht allein der Pflanzen, sondern auch der Thiere und Mineralien, und wandte während eines Zeitraums von 37 Jahren grosse„mühe, vleys unnd unncosten darahn“. 1554 bezog er die Universität Wittenberg. In diesem und den zwei folgenden Jahren lernte er zu Wittenberg durch die von den Herren„Doctoren Vitum Winshemium und Casparum Peucerum gehaltenen Herbationes Sonderlichen aber auf unnd umb den Polensberg(?) unnd in dem Höltzleinn die Rothe mark genannt, viel unnd allerley kreuther“ kennen. 1557 und 1558 studirte er in Jena; hier sammelte er„umb unnd auf dem Kunitzer unndt Gleissberge“ auch viele Pflanzen. 1559 reiste er über Augs-


