Aufsatz 
Die Herbarien im Königlichen Museum zu Kassel. Ein Beitrag zur Geschichte der Herbarien
Entstehung
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nach seiner Berechnung in die sechsziger Jahre desselben Jahrhunderts. Wenn nun Flaconer das erste in der Geschichte bekannt gewordene Herbarium besass, so sollte man meinen, dass er als der Erfinder der Herbarien anzusehen sei; und doch ist Meyer anderer Ansicht. Er hält den Italiener Luca Ghini, welcher in den Jahren 1534 bis 1544 in Bologna und von da bis 1556 in Pisa Botanik las, für den Erfinder der Herbarien. Seine Ansicht begründet er in folgender Weise:Flaconer finden wir als Vielgereisten zufällig in Ferrara, sollte er den berühmtesten Pflanzen- kenner seiner Zeit, Luca Ghini, nicht auch besucht haben? Wir wissen es nicht, aber unwahrscheinlich ist es nicht. Von einem Herbarium Ghini's wissen wir zwar nichts Bestimmtes, wohl aber von Pflanzen, die er Mattioli(einem der grössten Botaniker zu seiner Zeit, geb. 1501, gest. 1577), und zwar von solchen, welche auf Papier befestigt und mit Inscriptionen versehen waren, zugeschickt hatte. Diese Sendung scheint bald nach Erscheinung der ersten Ausgabe des Commentars zum Dioskorides von Mattioli in italienischer Sprache, also bald nach 1548 gemacht zu sein, und wenn Ghini damals schon die Kunst, Pflanzen gehörig aufzulegen, ver- stand, und zu Mittheilungen an Andere benutzte, so sollte ich meinen, dass er, der 1556 vermuthlich in höherem Alter starb, sie wohl schon eine Zeit lang für sich ausge- übt habe; und wenn wir bald darauf von zweien seiner Schüler, von Cesalpini und Aldrovandi höõren, dass sie Herbarien besassen oder für Andere angefertigt hatten, so ist wohl nichts wahrscheinlicher, als dass sie diese Kunst von ihrem Lehrer empfangen hatten, und dass Flaconer, von dessen Herbarium wir zwischen den Jahren 1540 und 1547 hören, sie ebenfalls zu Pisa oder noch zu Bologna von Ghini erlernt hatte. Und so halte ich denn, bis ich eines Besseren belehrt werde, Luca Ghini für den Erfinder der Herbarien. Denn dass wir diese Erfindung nicht noch viel weiter rückwärts suchen dürfen, das beweist die grosse Aufmerksamkeit, die man den wenigen vorhandenen Herbarien widmete, die Bewunderung, mit der Amatus Lusitanus, welcher in den Jahren 1540 oder 1541 bis 1547 zu Ferrara zubrachte, von Flaconer's Herbarium, wie von einer ihm früher offenbar unbekannt gewesenen Merkwürdigkeit spricht, und der gänzliche Mangel eines Namens für die neue Sache.

Wir hätten hiernach die Erfindung der Herbarien also in Italien zu suchen und zwar gegen die Mitte des 16. Jahrhunderts. Vergleicht man indess den damaligen Stand der Wissenschaft in Italien mit dem in Deutschland, wo ein Brunfels, Bock oder Tragus am Anfang des 16. Jahrhunderts den Impuls dazu gaben, die Botanik uicht, wie bis dahin geschehen, blos aus den Schriften der Alten(Theophrast, Dios- korides, Plinius etc.), sondern vielmehr aus der Natur selbst zu studiren, wo dann

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