Aufsatz 
Die Schlupfwespen Campoplex argentatus Gravenhorst und Diospilus oleraceus Haliday sowie deren Wohnungsthiere in ihrer Entwicklungsgeschichte / von H. F. Kessler
Entstehung
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weissen Linien sehen wie Fett aus. Ob in beiden wohl die Anfänge der Fühler und Beine zu suchen sind? Ihre Lage macht dies nicht unwahrscheinlich. Das Kopfende der Puppe ist etwas stumpfer als das Hinterende. An demselben erkennt man in einer bräunlich aussehenden Zeichnung, wie sie die Figur darstellt, die Anfänge der Augen und Fresswerkzeuge. Auch diese erste Puppenform an sich lässt es noch unent- schieden, ob sie die Anfänge einer Blattwespe oder einer Schlupfwespe enthält. Sie ist äusserlich für beide gleich gestaltet; im Innern muss es jedoch anders aussehen, was sich durch ihr Verhalten von jetzt an kundgibt. Birgt sie Nematus ventricosus in sich, so bleibt sie noch zwei bis drei Tage unverändert im Cocon liegen, während welcher Zeit sich alle Körpertheile zum vollkommenen Insect formiren, häutet sich zum zweitenmal im Cocon und hat dann die Gestalt, wie sie Fig. 5 zeigt. Das Thier sieht im Ganzen weissgelb aus, wird jedoch bald am Bruststück und an den zwei letzten Hinterleibs- segmenten gelb, an den übrigen Leibesringen weisslich grün; die anfänglich gelbbraunen Augen färben sich rasch dunkelbraun, während die der Länge nach dicht am Körper anliegenden Fresswerkzeuge, Fühler, Beine und

Fig. 5. Flügel(letztere zusammengefaltet zwischen dem zweiten und dritten Beine- paar) noch etwas länger ihre ursprüngliche, glashelle Färbung beibehalten. Bei fortschrei- tender Entwickelung sieht man, dass der ganze Körper noch mit einer ganz dünnen, durch- sichtigen Haut umgeben ist, die das Thier noch vor vollendeter Entwickelung von vorn nach hinten abstreift(dritte Häutung im Cocon) und zwar wäbrend der Zeit, in welcher sich der Kopf und die Brustzeichnung schwarz färben, die Beine und Fühler ebenfalls dunkeler werden, ihre bisherige dichte Lage am Körper verlassen, nach und nach sich

erheben und sich zu bewegen anfangen.

Enthielt die Larve die Anlage zu Campoplex argentatus, so spinnt sie unmitttelbar nach der Häutung, wonach sie in der Form von Fig. 4 erscheint, noch einen besondern weissen Seidencocon um sich, so dass sie dann von zwei schützenden Hüllen umgeben ist, und Cocon im Cocon steckt. Die abgestreifte Haut der Puppe hängt stets am hintern Ende des Seidencocons. Ueber die Bildung bezw. das Vorhandensein dieses zweiten Cocons will ich folgende einzelne Beobachtungen anführen.

Am 7. Juni grub ich unter einem Stachelbeerstrauch einen Cocon aus. Ich öffnete denselben am stumpfen Ende und bemerkte darin das Thier in dem Entwickelungs- stadium, in welchem die Bauchbeine verschwunden sind; es hatte sich also erst kurze Zeit vorher eingesponnen. Um die weitere Entwickelung zu beobachten, legte ich den Cocon in ein zusammengerolltes Stückchen Papier und dieses in ein Schächtelchen. Leider vergass ich, in den ersten Wochen nachzusehen. Als ich am 18. Juli nachsah,