steigert. Die Abweichungen von der Geschichte sind bedeutend, aber sie sind an überlieferte Charakterzüge oder Tatsachen angeknüpft. selbst die Zusammenkunft, so unhistorisch, ja nach schillers eigenem Ausdruck„moralisch unmöglich“ sie ist, war in mehreren Briefen Marias erbeten und vieles von dem, was sie der Königin sagt, ist in diesen Briefen ergreifend genug ausgeSProchen. Mögen die Erklärer und Quellen— forscher über diese Hauptfragen noch soweit auseinandergehen, daß schiller hier vom Geschichtlichen ausgegangen ist, darüber sind sie ja wohl alle mehr oder weniger einig.
Anders wird die sache, sobald wir zu den Nebenpersonen übergehen, die in einem Frauendrama naturgemäß treibende Kräfte und Träger der äußeren Handlung zu sein pflegen, also von sehr großer Bedeutung sind. Hier gehen die Beurteiler weit auseinander. Petersen z. B. läßt sich(Einl. s. XVII) folgen⸗ dermaßen vernehmen:„Für das ungemein geschickte Ineinander— schlingen von Motiven, die sich urSPrünglich ganz unabhängig darboten und sich nun auf das notwendigste wechselseitig be— dingen, war vor allem die Figur des Leicester wertvoll. Der glatte Höfling, den schiller der historischen Figur gegenüber noch gehoben hat, ist in seiner hin- und hertreibenden Charakter⸗ losigkeit, die sich durch jede neue Wendung bestimmen läßt und sie zu nutzen weiß, von mehr Einfluß auf den Gang der Handlung als sein zielbewußter Rivale Burleigh“.
„In Burleighs Charakter wie in dem Mortimers sind symbolisch die beiden Mächte repräsentiert, die ihren Kampf bereits ausgeSPielt haben— nämlich der Protestantismus und Katholizismus.— Ein durchaus symbolischer Charakter ist endlich shrewsbury, der sich weit von der historischen Figur dieses Namens entfernt. Der Greis ist in antikem sinne gedacht und nach einer feinen Bemerkung Körners vertritt er gleichsam die stelle des griechischen Chors. Er steht ganz außerhalb der Handlung und ist der richtende Zeuge, dem es zuletzt zufällt, das Urteil über Elisabeth zu SPrechen.“
Hier werden also die Personen teils als historisch gegeben teils als symbolisch mehr oder weniger freigestaltet dargestellt.


