Aufsatz 
Das Bewegungsspiel
Entstehung
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7 unserer Industrie, bei der intensiven Arbeitsleistung unseres Volkes ist die Gefahr nicht ausgeschlossen, dass die Kriegstüchtigkeit nach und nach verloren geht, dass insbesondere dem Spieltrieb der Jugend zur rechten Bethätigung nicht Raum genug gewährt wird. Diese Gefahr haben die deutschen Regierungen ins Auge gefasst und auf energische Pflege des Jugendspiels hingearbeitet, auch mit Rat und That alle Bestrebungen zur allgemeinen Einführung und Hebung derselben unterstützt. Ihnen gebührt warme Anerkennung für dieses patriotische und zugleich pädagogische Wirken. Überall treibt das Jugendspiel neue Blüten. Schon 1892 war es in 81 Städten Deutschlands neu belebt worden, und jetzt kann man sich an der Thatsache erfreuen, dass die Spielbewegung fast das ganze deutsche Volk ergriffen hat. Nicht zum wenigsten ist dies dem rührigen, unermüdlichen Arbeiten desZentral-Ausschusses zur Förderung der Jugend- und Volksspiele in Deutschland zu danken, der in Wort und Schrift für die Sache des Bewegungsspiels wirkt und in gutorganisierten Lehrgängen für tüchtige Ausbildung von Spiel- leitern sorgt. Gut Heil seinen Bestrebungen!

III. KlIgemeine Erfahrungsgrundsätze. a. Regeln für den Spielbetrieb.

Die Bewegungsspiele sind von einer grösseren Anzahl Schüler auszuführen. Ihre Auswahl und ibung hat nach gewissen Grundsätzen d. h. methodisch zu erfolgen. Betrachten wir diese Grund- sätze näher.

Nach einer preussischen Ministerialverfügung hat die Schule das Spiel in Pflege zu nehmen,und zwar nicht nur gelegentlich, sondern grundsatzlich und in geordneter Weise. Das bedingt, dass besondere Spielplätze geschaffen werden, wo zu gewissen Stunden unter Aufsicht des Lehrers fröhliches Spiel zu veranstalten ist. Ausser diesen besonderen Spielstunden soll auch der Unterricht keine Gelegen- heit, wo gespielt werden kann, unbenutzt vorübergehen lassen. Diese Spiele finden auf dem Schulhofe statt, der sich aus mancherlei Gründen sehr wohl als Spielplatz für die Jugend eignet, besser als ein öffentlicher Platz, und darum für das Bewegungsspiel an bestimmten Nachmittagen oder nach Schul- schluss freizugeben ist.

Der Leiter der Spiele ist am besten der Klassenlehrer. In grösseren Schulen empfiehlt es sich, besondere Lehrer mit der Uberwachung und Leitung der Spiele zu betrauen und entsprechend dafür zu entschädigen. Die Spielfreiheit darf nicht nach pedantischen Regeln verkümmert werden, trotzdem ist ein Zusammenwirken aller Spielleiter nach gewissen Grundsatzen nötig. Die Aufsicht muss alle Aus- schreitungen verhüten, insbesondere die schlechterzogenen, unartigen Elemente vom Spiele ausschliessen. Ist die überwachende Person darauf bedacht, dass nichts Nachteiliges in den kindlichen Gemütern fest- wurzeln könne, so lasse man dem Unterhaltungstriebe freien Lauf. Die Fehler des einen bringen durch gegenseitigen Meinungsaustausch den anderen Gewinn. Vor gefahrbringenden Ausartungen des Spiels sind die Schüler zu bewahren. Auch gilt es, mit feinem Takte die fröhliche kindliche Stimmung zu erhalten. Jeder Gifttropfen von Ungerechtigkeit, Krankung, Verspottung, Schadenfreude und böswilliger Neckerei ist vom Spielplatze zu verbannen; Munterkeit und Frohsinn sind hier die Herren, Scherze und Neckereien dürfen aber nie in Gehässigkeit ausarten. Konsequenz und Takt zügelt das vorlaute Treiben, und sorgsame Pflege des Ehrgefühls unterstützt die Überwachung und Leitung der Spiele.

Bei der Auswahl der Spiele ist darauf zu achten, dass recht viele daran teilnehmen können und die Thatigkeit und Aufmerksamkeit jedes einzelnen ununterbrochen rege gehalten wird. Alle Spiele müssen reich an Abwechselung sein und der kindlichen Entwicklung aufs sorgfältigste angepasst. Das Kind sieht im Spiel nicht Erholung, sondern Arbeit. Es wird also von den allzu leichten und ein- förmigen Spielen gelangweilt, von den allzu schweren dagegen ermüdet. Auch das Geschlecht des Kindes spricht ein Wort mit bei der Wahl der Spiele. Besondere Belohnungen sind unstatthaft, denn das Spiel soll durch sich selbst belohnen.